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Digitales | 06.09.2018

Aus IZ36/2018, S. 9

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Smarte Netze für die Energiewende

Quelle: Fotolia.com, Urheber: Siegi
Solaranlagen auf dem Dach werden immer häufiger, doch bei den Mieterstrommodellen klemmt es.

Quelle: Fotolia.com, Urheber: Siegi

Fotovoltaikanlagen und Energiespeicher werden immer günstiger. Digitale Systeme können dabei helfen, den selbst erzeugten Strom optimal zu nutzen. Das ermöglicht ganz neue Modelle der Nebenkostenabrechnung.

Wer erneuerbare Energien immer noch als Projekt von Ökospinnern belächelt, der sollte mal nach Portugal schauen. Im März 2018 haben es die Nachbarn Spaniens geschafft, mehr Energie aus Wind, Sonne und Wasser zu erzeugen, als sie selbst im gleichen Zeitraum verbraucht haben. Das Netz ist dennoch nicht instabil geworden, wie Kritiker hierzulande gerne befürchten. "Die Sorge ist unbegründet", sagt Christian Feißt, CEO von GreenCom Networks. Feißt hat über zehn Jahre für Cisco Systems, einen großen Hersteller von Datennetzwerktechnik, gearbeitet. Sein Unternehmen hat eine digitale Plattform entwickelt, die Stromerzeugung und -verbrauch innerhalb von Gebäuden wie auch ganzen Quartieren aufeinander abstimmt. Das ist für Energieerzeuger interessant, aber auch für Projektentwickler.

Das Hauptproblem der erneuerbaren Energien ist, dass sie nicht immer dann zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden. Die Energiewirtschaft will ihre Netze daher von einer verbrauchsabhängigen Erzeugung auf einen erzeugungsabhängigen Verbrauch umstellen. Der Strom wird mit Wind oder Solarkraft genau dann produziert, wenn es das Wetter zulässt, und danach so lange gespeichert, bis er benötigt wird. Das kann zum Beispiel über Wärmepumpen geschehen - oder über alte Nachtspeicheröfen.

Zwischen 1,4 Mio. und 1,6 Mio. solcher Anlagen gibt es je nach Schätzung in Deutschland noch. Sie sind als Umweltsünder verschrien, solange sie mit Strom aus fossilen Brennstoffen beheizt werden. Die richtige Regelungstechnik vorausgesetzt, können Nachtspeicheröfen neueren Datums nach Feißts Überzeugung einen großen Anteil an der Lösung des Speicherproblems der erneuerbaren Energien beitragen, zumindest bis bessere Lösungen zur Verfügung stehen. "In zehn Jahren werden wir eine ganz andere Batterietechnik haben als heute. Bis dahin haben wir genügend Flexibilität zur Speicherung von Strom in Wärme, etwa durch die 4,8 Mio. Speicherheizungen in Deutschland", ist Feißt überzeugt. Außerdem können perspektivisch Elektroautos als Speicher für die hauseigenen Fotovoltaikanlagen genutzt werden.

"Die Puffer im Netz werden weiter zunehmen", sagt Feißt. Was damit alles möglich ist, beschreibt er anhand der Kölner Stegerwaldsiedlung. Hier hilft die GreenCom-Plattform dem Energiedienstleister RheinEnergie dabei, ein ganzes Quartier mit 689 Wohneinheiten und 39.000 m² Gesamtfläche zu 70% unabhängig von externem Strom zu machen. "Wir sind kein klassisches Planungsunternehmen und wir managen nicht das physikalische Netz", betont Feißt, "wir sind ein Softwareanbieter, der für Energieversorger und Dienstleister neue Geschäftsmodelle wie zum Beispiel das Siedlungsmanagement ermöglicht."

Dazu zählen zum einen Mieterstrommodelle, bei denen der Mieter Abnehmer des mit der hauseigenen Anlage erzeugten Stroms ist. Für die sieht der Rechtsrahmen eine möglichst exakte Erfassung der Messwerte vor, was nur mit intelligenten Messsystemen zu leisten ist. Aus Umweltgesichtspunkten ist ein Mieterstrommodell besser, als den Strom gegen Entgelt ins Netz einzuspeisen, da bei möglichst kurzen Wegen weniger Energie verloren geht. Wohnungsgesellschaften schrecken vor Mieterstrommodellen allerdings zum Teil zurück, da das Auftreten als Energieversorger zu einem Verlust einer bestehenden erweiterten Gewerbesteuerkürzung führen kann. Ein entsprechender Passus im Mieterstromgesetz von 2017, der das verhindern sollte, wurde gestrichen. Zudem wird auf Mieterstrom häufig die volle EEG-Umlage fällig - und die macht den Strom für den Mieter preislich unattraktiv. Zahlreiche Verbände bezeichnen das Mieterstromgesetz daher als Flop und verlangen Nachbesserung. "Die Regulierung setzt immer noch zu viele Barrieren für innovative Geschäftsmodelle", urteilt Feißt.

Neben Mieterstrommodellen sind auch Contractingmodelle möglich. Wärme wird dann nicht als Energiemenge abgerechnet, sondern als Temperaturleistung zum Festpreis. "Ich will ja als Mieter eigentlich keine Heizung, sondern ein 21 Grad warmes Zimmer", erläutert Feißt. Wie der Vermieter die vereinbarte Temperatur erreicht, ist seine Sache. Damit profitiert er allerdings auch von jedem Effizienzgewinn im Gebäude. Ein wichtiger Umstand, denn ein häufiger Hemmschuh für energetische Erneuerung ist ja, dass der Vermieter bezahlen muss, der Mieter aber profitiert. Im Contractingmodell könnten beide Seiten gewinnen.

Bleibt die Frage nach der Datensicherheit in intelligenten Netzen. Die GreenCom-Plattform ist eine Cloudlösung und sei mit den neuesten Sicherheitstechnologien ausgestattet. Feißt betont: "Wir erheben Daten zielgenau und auf einen bestimmten Zweck hin." Im Übrigen sei GreenCom rechtlich gesehen ein Datenauftragsverarbeiter, die Daten bleiben im Eigentum ihrer Erzeuger. "Wir unterstützen keine Geschäftsmodelle, die auf Datenverkauf abzielen", stellt der GreenCom-CEO klar. Sorgen macht ihm höchstens veraltete Hardware in den Gebäuden. "Für Altgeräte arbeiten wir an einer hardware-basierten Technologie zur Datenverschlüsselung, die sich einfach nachrüsten lässt", berichtet Feißt. Anfang 2019 soll es diese geben.

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