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Projekte | 09.08.2018

Aus IZ32/2018, S. 24

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Königs Wusterhausen
  • Unternehmen:
    hhs Planer + Architekten, Solwo-Gruppe, eZeit Ingenieure
  • Organisationen:
    Bund Deutscher Architekten, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • Personen:
    Manfred Hegger, Alexander Bonde, Dogu Yilmaz, Senol Ince, Horst Geicke, Taco Holthuizen
  • Immobilienart:
    Wohnen, Infrastruktur

Grünes Licht für grünes Wohnen

Quelle: HHS Architekten
Hier sollen sich die Bewohner mit grüner Energie selbst versorgen.

Quelle: HHS Architekten

Königs Wusterhausen. Ein CO2-neutrales Stadtquartier vor den Toren Berlins nimmt Fahrt auf. Für das Gros der ersten 288 Wohnungen des ersten Bauabschnitts liegt Baurecht vor. Insgesamt hat die kleine Gesellschaft SolWo Königspark 3.500 Wohnungen auf dem Zettel. Doch ganz alleine geht das nicht.

Die Latte liegt hoch. Die kleine SolWo-Gruppe will ein Quartier schaffen, das "höchsten Ansprüchen an ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit genügt." Der künftige Königspark, wenige Autominuten vom Pannenairport BER entfernt, soll sich durch eine "energetisch optimierte Bauweise mithilfe erneuerbarer Energien" vollständig selbst versorgen. "Das ist nicht so furchtbar schwer", sagt der Mitgesellschafter der SolWo-Königspark-Gesellschaft, Dogu Yilmaz. "Schwer ist, solche Wohnungen bezahlbar zu bauen."

Diese Erfahrung musste auch der Eigentümer eines Nachbargrundstücks im boomenden Speckgürtel der deutschen Hauptstadt machen. Er wollte der Berliner Gesellschaft ihr rund 33 ha großes Areal abkaufen und versprach, die Verpflichtungen aus dem städtebaulichen Vertrag zu übernehmen - einschließlich des vertraglich zugesicherten Baus einer Kindertagesstätte. Außerdem lockte er mit finanzkräftigen und in der Realisierung derart großer Projekte erfahrenen Partnern. Doch am Ende kam es umgekehrt. Der Nachbar scheiterte und Senol Ince, Geschäftsführer der SolWo-Gruppe, konnte die 100.000 m2 des Nachbarn hinzukaufen. Damit verfügt das seit 25 Jahren in Berlin tätige Familienunternehmen, groß geworden mit der Sanierung von Bestandsbauten in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Trägern wie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Caritas, nun über insgesamt 430.000 m2 Bauland. Die lange Puste verschaffen den SolWo-Chefs der Finanzinvestor Horst Geicke, ein mit Aktien reich gewordener Hamburger, der bevorzugt in Asien investiert. Im September wollen die Bauherren mit der Erschließung des CO2-neutralen Stadtquartiers im rund 37.000 Einwohner zählenden Städtchen beginnen.

Für den ersten Teil, das Grundstück Süd mit 43.000 m2 Fläche, liegen Ince und seinen Mitstreitern inzwischen Baugenehmigungen für acht von insgesamt elf geplanten Gebäuden vor. Hier sind 288 Wohnungen in Geschossbauten mit einer oberirdischen BGF von 34.000 m2 vorgesehen. Das Investitionsvolumen für diesen Teil des Quartiers beziffern die Bauherren auf 80 Mio. bis 90 Mio. Euro. Für den Kindergarten ist der Bauantrag gestellt, die beiden übrigen Häuser befinden sich noch in der Entwurfsphase. Überlegt wird die Errichtung eines Ärztehauses. Mit den Hochbauten wollen die Berliner im Frühjahr 2019 beginnen. Geplant sind rund 70% Eigentums- und 30% Mietwohnungen. Bis zu 100 Wohnungen wollen Ince und Yilmaz für Studenten errichten.

Quelle: HHS Architekten
Der Kindergarten ist Bestandteil des bis zu 90 Mio. Euro teuren ersten Bauabschnittes im Süden des Areals.

Quelle: HHS Architekten

Vorher aber müssen die Entwickler "Partner mit breiter Brust" ins Objekt einbinden. Gemeint ist nicht nur, dass Investoren Geld mitbringen müssen. Genauso wichtig seien Expertise im Neubau und - noch wichtiger - Baupartner. Derzeit sei es ein Riesenproblem, kein Riese zu sein, sprich ein großer, bedeutender Entwickler, dem sich die Baufirmen und Handwerker in Zeiten des Fachkräftemangel verpflichtet fühlen. Für kleine Unternehmen, auch mit dicken Aufträgen, stöhnt die Branche, hätten die Baufirmen wegen Reichtum geschlossen.

Den Masterplan für die grüne Zukunft hat das Kasseler Architekturbüro HHS Planer + Architekten gezeichnet. Umsetzen soll die hehren Pläne Taco Holthuizen, Chef des Berliner Unternehmens eZeit Ingenieure. Weiterer Baustein des Quartiers sind Ladestationen für E-Autos und Elektrofahrräder. "Alle Prozesse werden automatisch, digital und untereinander vernetzt an zentraler Stelle ablaufen", erläutert Holthuizen. So werden Synergieeffekte erkannt und genutzt, die erzeugte Energie möglichst effizient eingesetzt. Doch die "Quartiersphilosophie", wie Ince sagt, fußt nicht allein auf intelligenten Energiesystemen. Gleichzeitig sollen die Bewohner sich gegenseitig helfen, Sachen teilen, miteinander leben. Dazu hat der verstorbene HHS-Chef Manfred Hegger, laut Bund Deutscher Archiekten BDA "ein Pionier des nachhaltigen Bauens", von dem für den ersten Bauabschnitt auch die Entwurfsplanung stammt, Begegnungs- und Kommunikationsflächen wie Sportplätze, Wiesen und Gärten vorgesehen.

Die größeren Parzellen im Königspark, eine im Norden mit 287.000 m2 Fläche und eine im Osten mit 100.000 m2, sind noch als Gewerbegebiet ausgewiesen. Beide Areale sollen nach dem Willen von Ince und Yilmaz in Wohnungsbauland umgewandelt werden. Derzeit läuft das sogenannte frühzeitige Bürgerbeteiligungsverfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans. Geht alles glatt, könnten im Norden 250.000 m2 BGF und im Osten 80.000 m2 BGF hinzukommen. Summa summarum stellt Yilmaz 3.500 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von 750 Mio. Euro in Aussicht - ökologisch, nachhaltig, bezahlbar. "Wir sind 8 Minuten vom Jobmotor Hauptstadtflughafen entfernt, dennoch außerhalb des Lärmkorridors", freut sich Yilmaz.

Mit 650.000 Euro "fachlich und finanziell unterstützt" wird die SolWo-Gruppe durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). "Solche Quartiere können zukünftig zur Energiewende beitragen und den Klimaschutz voranbringen", erläutert DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zur Begründung.

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