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Digitales | 09.08.2018

Aus IZ32/2018, S. 13

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    iFunded
  • Personen:
    Michael Stephan

"Die Blockchain hat enorme Vorteile"

Michael Stephan, Geschäftsführer von iFunded, sieht in der Blockchain große Chancen, unter anderem für den weltweiten Handel von Immobilienanteilen. Doch rechtliche Vorschriften sind ein Hemmschuh.

Immobilien Zeitung: Herr Stephan, als digitale Investmentplattform kommt iFunded naturgemäß sehr schnell mit neuen Technologien in Berührung. Wie nutzen Sie diese für Ihre Unternehmensentwicklung?

Michael Stephan: Wir haben seit der Gründung im Jahr 2015 über 5.000 Entwicklerstunden in unsere Plattform gesteckt. Heute bieten wir viel mehr Anlagemöglichkeiten an als die anfänglichen Schuldscheindarlehen für Privatanleger. Als erste deutsche Plattform überhaupt haben wir börsennotierte Anleihen neben klassischen Nachrangdarlehen im Programm und bauen unsere Aktivitäten für Family-Offices und institutionelle Investoren weiter aus.

IZ: Seit einiger Zeit reden alle von der Blockchain. Welche Bedeutung spielt das Thema für iFunded?

Stephan: Als digitale Investmentplattform ist es quasi unsere Pflicht, dass wir uns mit jeder neuen Technologie befassen. Schon seit Mitte vergangenen Jahres sehen wir uns alle denkbaren Einsatzgebiete der Blockchain und von Smart Contracts an. Insgesamt sehe ich in der Blockchain enorme Vorteile für den Immobiliensektor.

IZ: Welche Chancen bietet die Technologie?

Stephan: Durch Smart Contracts, die Teil der Blockchain-Technologie sind, kann der gesamte Investment-Prozess schneller und sicherer gemacht werden. Dadurch werden auch Mittelsmänner wie Zahlungsdienstleister oder Treuhänder überflüssig, wodurch Kosten gespart werden. Statt in mehreren Tagen kann der Investment-Prozess innerhalb von wenigen Stunden abgewickelt werden. Dann gibt es den Sicherheitsaspekt der Blockchain: Zum Beispiel können bei Immobilientransaktionen Informationen fälschungssicher in Datenräumen hinterlegt werden. Eine sehr große Chance birgt die Umwandlung von Immobilien in sogenannte Tokens. Diese elektronischen Anteile sind dezentralisiert auf der Blockchain auf entsprechenden digitalen Börsen handelbar. Das bedeutet: Sie können 24 Stunden weltweit gehandelt werden - unabhängig von Börsen-Öffnungszeiten. Dadurch wird die Liquidität für diese ansonsten sehr illiquide Assetklasse immens erhöht. Da auch kleinere Immobilienprojekte ohne größeren Aufwand in Tokens umgewandelt werden können, wäre dies künftig eine sehr interessante Finanzierungsform für Projektentwickler.

IZ: Müssen alle, die von der Blockchain-Technologie profitieren wollen, jetzt anfangen, Entwickler und Programmierer einzustellen?

Stephan: Nein, wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Viele Lösungen lassen sich auf bestehende Blockchains, z.B. die Ethereum-Blockchain, aufsetzen, die extra für Smart Contracts konzipiert wurde. Das ist mit überschaubarem Aufwand machbar. Eine von Grund auf selbst entwickelte Lösung würde sehr kostspielig sein und zu lange dauern, zumal sie erst mal die nötigen Entwickler finden müssten, denn die sind zurzeit heiß begehrt. Die Anbindung einer eigenen Smart-Contract-Lösung an eine bestehende Blockchain sollte allerdings gesondert überprüft werden, um den Sicherheitsaspekt zu gewährleisten. Große Wirtschaftsprüfergesellschaften sind bereits in der Lage, sogenannte Smart Contract Audits durchzuführen.

IZ: Gibt es auch Entwicklungen im Blockchain-Bereich, die Sie kritisch sehen?

Stephan: Die meisten neuen Technologien werden nicht nur für gute Zwecke eingesetzt. So haben jüngst Eigenmittelfinanzierungen von Unternehmen über eigene Kryptowährungen, sogenannte Initial Coin Offerings oder ICOs, mittlerweile inflationären Charakter angenommen. Da wird im Moment ein Riesenhype drumgemacht, aber die Erfahrung zeigt, dass der Wert solcher Anteile sehr schnell gegen Null geht, sobald die ausgebenden Unternehmen sich in großem Stil von ihnen trennen. Oftmals stehen noch nicht einmal Unternehmen mit einem ernsthaften Geschäftsmodell dahinter. Unter anderem in China sind ICOs aus diesem Grund mittlerweile verboten.

IZ: Warum funktioniert dieser Hype dann trotzdem?

Stephan: Die Technologie ist nicht mehr wegzudenken und wird viele Prozesse auch in der Immobilienbranche auf den Kopf stellen. Es gibt bestimmte Anlegergruppen, die sehr blockchainaffin sind. Das sind zum einen die Anhänger der Kryptoszene, die eher den Kleinanlegern zuzurechnen sind, auch wenn manche mit Kryptowährungen ein beträchtliches Vermögen angehäuft haben. Das andere sind institutionelle Anleger, die mit eigenen Kryptofonds an den Markt gehen, um von der Marktentwicklung zu profitieren. Die Venture-Capital-Firma Andreessen Horowitz hat zum Beispiel unlängst einen 300 Mio. USD Kryptofonds angekündigt.

IZ: Wann können wir mit den ersten praktischen Blockchain-Anwendungen rechnen?

Stephan: Das hängt stark vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Der größte Flaschenhals sind nicht die technischen, sondern die rechtlichen Herausforderungen. Technisch wäre zum Beispiel eine Smart-Contract-Lösung zur Investmentverwaltung oder zur nahtlosen Abbildung der Immobilien-DNA, also der Kerndaten, sehr schnell umsetzbar. Die Frage ist, wie sich das rechtlich so strukturieren lässt, dass damit verbundene Transaktionen von den Aufsichtsbehörden auch akzeptiert werden.

IZ: Und was ist Ihrer Ansicht nach eher Zukunftsmusik?

Stephan: Alles, was rechtlich historische Eigenheiten berührt, wird sich nicht unmittelbar ändern lassen. Nehmen Sie eine Mietvertragszahlung, bei der der Vermieter Kryptowährung akzeptiert. Das ist eine Frage von vielleicht ein oder zwei Jahren. Gehen wir aber davon aus, dass auch die Eigentumsverhältnisse an einer Immobilie technisch ohne Weiteres auf der Blockchain abgebildet werden können, so wird die rechtliche Übertragung ohne Notar in Deutschland vermutlich wesentlich länger dauern. Hierfür ist unser Rechtssystem noch nicht ausgelegt und die Notariatslobby viel zu stark.

IZ: Herr Stephan, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.

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