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Digitales | 09.08.2018

Aus IZ32/2018, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Die große Blockchainskepsis

Während die einen hoffen, mittels Blockchain das Geschäftsleben neu erfinden zu können, halten andere sie bestenfalls für nutzlos, schlimmstenfalls für gefährlich. Für eine endgültige Einschätzung ist es zu früh, findet IZ-Redakteur Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung
Ulrich Schüppler.

Quelle: Immobilien Zeitung

An der Blockchain scheiden sich die Geister. Die einen schreiben der Technologie der verteilten Datenbanken geradezu magische Fähigkeiten zu, andere halten sie für einen vorübergehenden Hype. Damit könnten beide falsch liegen.

Blockchain scheint im öffentlichen Diskurs zurzeit wie eine Religion zu funktionieren, die Anhänger ebenso kennt wie Ungläubige. Anwendungsfälle werden zwar zuhauf diskutiert, der für alle sichtbare Nutzen der Technik fehlt jedoch bisher. Viele sehen die Blockchain daher als amüsante, aber gleichzeitig teure und eher ineffiziente Spielerei an. Besondere Beliebtheit erfreut sich die Technologie vor allem bei Menschen, die anderen misstrauen. In den USA steht sie bei Verschwörungstheoretikern hoch im Kurs, die öffentliche Institutionen gerne abschaffen möchten, bevor es durch externe Katastrophen zu einem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung kommt. In Ländern wie China wiederum sind es die Mächtigen, denen eine Blockchain mit unveränderlich gespeicherten Transaktionen aller Art als Heiliger Gral der ultimativen Überwachung und Wohlverhaltenslenkung erscheinen muss. Letztlich sind beides Horrorvisionen.

Damit weist der heutige Umgang mit der Blockchain überraschende Parallelen zur Raketenforschung Mitte des 20. Jahrhunderts auf. Auch diese wurde damals von vielen Menschen zwar als technisch anspruchsvoll, doch praktisch nutzlos erachtet. Die Großmächte hingegen erkannten sofort die Möglichkeit einer neuen Waffengattung, was von den eigenen Bürgern zu Recht als Bedrohung wahrgenommen wurde. Der Kalte Krieg endete schließlich zum Glück, ohne dass die entwickelten Interkontinentalraketen jemals praktisch zum Einsatz kamen. Was blieb, waren die Nachrichtensatelliten, gleichsam als Abfallprodukt des Rüstungswettlaufs, ohne die unser modernes Kommunikationszeitalter nicht möglich wäre. Damit war aus einer ursprünglich zu destruktiven Zwecken forcierten Technologie am Ende etwas entstanden, was deren Vordenker weder vorausgesehen noch beabsichtigt hatten.

Es wäre zu wünschen, dass sich in Bezug auf die Blockchain weder die Freunde des ungezügelten Anarchismus noch die des Orwellschen Überwachungsstaats durchsetzen. Dazu ist es notwendig, auch spinnerte Ideen zuzulassen und auszuprobieren. Das Mondflugprogramm als solches war ja weitgehend sinnfrei. Aber es hat die technischen Entwicklungssprünge möglich gemacht, von denen heute jeder profitiert, der ein Smartphone in der Tasche trägt.

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