Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Märkte | 26.07.2018

Aus IZ30/2018, S. 5

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Berlin, Hamburg, Köln, München
  • Unternehmen:
    Immowelt AG
  • Organisationen:
    Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Personen:
    Carsten Schlabritz, Katarina Barley
  • Immobilienart:
    Wohnen

Mietpreisbremse wirkt - vielleicht

Wirkt die Bremse gar nicht, ein bisschen oder hat sie in Großstädten tatsächlich spürbar die Preisentwicklung gedämpft? Drei Jahre nach ihrer Einführung im Sommer 2015 (Wirksamkeit August) gehen die Meinungen stark auseinander. Einen moderaten Effekt sieht jetzt das Internetportal Immowelt.

In den meisten deutschen Metropolen hält die Mietpreisbremse die explodierenden Wohnkosten nicht auf. Aber es gibt Ausnahmen, wenn die Städte im Wohnungsneubau sehr aktiv sind. Zu diesem Ergebnis kommt Immowelt. Das Internetportal hat die Effekte drei Jahre nach Inkrafttreten der Bremse anhand inserierter Nettokaltmieten bei Neuvermietung untersucht. Exemplarisch wurden die Millionenstädte Berlin, Hamburg, München und Köln betrachtet.

In Berlin, so heißt es in der Analyse von Immowelt, zeigt die Bremse überhaupt keine Wirkung. Dort sind die angebotenen Mietpreise seit August 2015 sogar noch stärker gestiegen als vorher. Sie kletterten von 8,50 Euro/m2 im Median auf 11,40 Euro/m2. Diese Steigerungsrate von 34% liege damit deutlich über der Rate im Dreijahreszeitraum zwischen 2012 und 2015 von 25%. In München hat die Bremse laut Immowelt die Preiserhöhung zumindest nicht gedämpft. Die Angebotsmieten haben sich seit Einführung um 19% auf jetzt im Mittel 17,90 Euro/m2 erhöht. In der Dreijahresspanne vor dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes waren es 20%. Anders sieht es dagegen in Köln am Rhein aus. Dort sind laut der Untersuchung von Immowelt die Mieten in den vergangenen drei Jahren um 7% auf 10,70 Euro/m2 gestiegen. Von 2012 bis zur Einführung der Bremse lag die Steigerungsrate noch bei 15%. In Hamburg zeigt sich offenbar auch ein Effekt. Von 2015 bis 2018 sind dort die Preise um 9% auf 11,90 Euro/m2 angewachsen. Zuvor lag die Steigerungsrate bei 14%.

Immowelt-CEO Carsten Schlabritz sieht die Ursache für diese positiven Entwicklungen allerdings weniger in der Bremse als vielmehr in der Politik einer besonders aktiven Wohnungsbauförderung in diesen Städten begründet. So kämpfe Hamburg mit einem Bündnis für das Wohnen seit 2011 gegen die Wohnungsknappheit, dadurch entstünden Tausende neue Wohnungen jährlich, etwa ein Drittel für Menschen mit niedrigerem Einkommen. Köln wolle durch sein 2014 geschaffenes Stadtentwicklungskonzept Wohnen bis 2029 66.000 neue Wohnungen schaffen.

Die meisten bisherigen Untersuchungen bezweifeln irgendeinen spürbaren Effekt der Bremse. Eine Ausnahme bildet das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) Berlin in einer Studie mit der Universität Nürnberg-Erlangen. Diese hatte nach umfangreichen Untersuchungen festgestellt, dass die Bremse dann greift, wenn die Neuvertragsmieten vor ihrer Einführung um mindestens 3,9% im Jahr gestiegen waren. Bei einer Steigerungsrate von 4,8% sei ein Rückgang von einmalig 2,9% nachzuweisen. Fazit: "Die Bremse ist besser als ihr Ruf." Zumindest in Teilen bestätigen die Erfahrungen von Immowelt diese Einschätzung.

Die Bremse gilt derzeit in 313 von rund 11.000 Kommunen, in denen etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt. Sie begrenzt die Mieterhöhungen auf 10% über dem Mietspiegelwert. Neubau und umfangreiche Sanierungen sind ausgeschlossen. Vermieter, die vor Einführung der Bremse die Grenzwerte überschritten, genießen gewissermaßen für ihre Miethöhe Bestandsschutz. Linke und Grüne im Bundestag fordern in Anträgen, diese Ausnahmen abzuschaffen. Justizministerin Katarina Barley (SPD) will durch eine Gesetzesänderung erreichen, dass Vermieter mit Bremsen-Ausnahmen dies dem Mieter sofort bekennen müssen. Aber bereits diese "Verschärfung" (Barley) ist in der Union umstritten. Noch in diesem Jahr soll laut Koalitionsvertrag die Wirksamkeit der Bremse evaluiert werden. Auf welchem Weg das geschehen soll, ist noch nicht bekannt.

Weitere kostenfreie Marktberichte finden Sie im IZ-Shop:

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!