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Finanzen | 11.05.2018

Aus IZ19/2018, S. 2

Von Daniel Rohrig

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    HSBC, Quantum Research
  • Organisationen:
    Europäische Zentralbank (EZB), Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
  • Personen:
    Michael Voigtländer, Mario Draghi, Stefan Schilbe, André Scharmanski

Die vertagte Zinswende

Schwebte im vergangenen Jahr noch das Damoklesschwert einer Zinswende der Europäischen Zentralbank über der Branche, scheint es mittlerweile zu einem Plastikmesser mutiert zu sein. So sieht es zumindest IZ-Redakteur Daniel Rohrig.

Quelle: Daniel Rohrig
Daniel Rohrig

Quelle: Daniel Rohrig

Die "Ära einer neuen Normalität niedriger Zinsen" scheint angebrochen zu sein, wie es André Scharmanski, Leiter von Quantum Research, jüngst nannte. Während es bei der Mipim in Cannes noch eher so wirkte, als ob das Thema verdrängt würde, treten mittlerweile immer mehr Fachleute auf, die das neue Zinszeitalter mit Prognosen und Zahlenmaterial unterfüttern. Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Deutschland, geht von keinem nennenswerten Zinsanstieg bis mindestens Ende 2019 aus. Die zehnjährige Bundesanleihe sieht er in den kommenden Monaten bei etwa 1%.

Eine offenbar realistische Einschätzung, sanken die Zinssätze auf die Papiere doch jüngst wieder leicht. Noch viel deutlicher lehnt sich da Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft aus dem Fenster: "Es wird in absehbarer Zeit keine Zinswende geben." Die Fundamentaldaten der südlichen Euroländer seien einfach noch nicht stabil genug. Letzteres ist ohne Frage absolut zutreffend. Wenn das aber so bleibt, müssen sich Mario Draghi und seine Kollegen allerdings Gedanken um die Wirksamkeit der Nullzinspolitik machen. Und der Druck aus Deutschland würde weiter wachsen. Die Immobilienbranche täte also gut daran, Ohren und Augen offen zu halten.

Kritisch zu sehen ist die große Bedeutung, die Quantum den dämpfenden Zinseinflussfaktoren wie beispielsweise dem generell rückläufigen Wirtschafts- und Produktivitätswachstum in den Industrieländern und höheren Sparquoten durch den größeren Anteil der arbeitenden Menschen an der Gesamtbevölkerung in der Welt beimessen. Dabei handelt es sich jedoch um Entwicklungen, die sich bereits seit Ende der 70er Jahre abzeichneten. Bis vor einigen Jahren hatten diese Faktoren die Zinspolitik der EZB nur in sehr geringem Maße beeinflusst. Das wird aktuell kaum anders sein.

Ist die Zinswende also vertagt worden? Aktuell spricht tatsächlich einiges dafür, was sogar die Zahl kurzfristiger Baudarlehen bereits wieder wachsen lässt. Doch Obacht. Von einer langfristigen Nullzins-Normalität kann weiterhin nicht die Rede sein. Wirklich hieb- und stichfeste Prognosen über Ende Oktober 2019 hinaus sind schwierig. Dann geht die Ära Draghi zu Ende. Da die EZB de facto nicht unpolitisch im Raum steht und Personalentscheidungen auf EU-Ebene - vorsichtig gesagt - nicht immer transparent ablaufen, werden die Zinskarten ab diesem Zeitpunkt wohl neu gemischt. In den kommenden Monaten wird sich aber an der Zinsschraube im Euroraum gar nichts bewegen.

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