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Märkte | 08.05.2014

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Aus IZ18/2014, S. 1

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:

Angst um die Existenz

Drei Viertel der Makler fürchten Einbußen beim Umsatz, wenn das Bestellerprinzip greift. Fast ein Viertel bangt gar um die eigene Existenz. Nicht zuletzt deshalb lehnen 73,7% der Vermittler die Plä [...]

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Pro Bestellerprinzip

"Auch für den Verkauf"

Roland Kampmeyer ist Makler in Köln. Er wünscht sich das Bestellerprinzip auch für den Verkauf von Immobilien.

      
         Bild: Privat
Roland Kampmeyer ist der Meinung: Wer bestellt, soll auch bezahlen.

Bild: Privat

      
Immobilien Zeitung: Herr Kampmeyer, Sie sprechen sich als einer der wenigen Makler offen für das Bestellerprinzip aus. Warum?

Roland Kampmeyer: In der Mundart meiner Heimat lässt sich sagen, dass jede kölsche Kaschemm dem Bestellerprinzip folgt: Wä de Musik bestellt, dä bestemp wat se spillt. Schließlich bezahlt er ja auch dafür, und beim Maklergeschäft bestimmen Eigentümer, was gespielt wird. Warum sollte der Gesetzgeber es also zulassen, dass andere dafür bezahlen? Und warum sollen wir nicht endlich etwas ändern, was schon viel zu lange hingenommen, aber nie wirklich akzeptiert wurde?

IZ: Aber was bringt das dem Markt?

Kampmeyer: Das Bestellerprinzip führt zunächst einmal dazu, dass für den bloßen Nachweis der Gelegenheit zum Abschluss eines Vertrags kein unverhältnismäßiger Maklerlohn mehr gezahlt wird. Eigentümer dürfen ihre Vermarktungskosten nicht mehr durch die Außenprovision auf Interessenten abwälzen. Dadurch werden gleichwertige Tauschverhältnisse geschaffen. Die könnten sich aber in höheren Preisen niederschlagen, da Vermarktungskosten in der Kalkulation berücksichtigt werden.

IZ: Wird das Image des Maklers besser?

Kampmeyer: Ob das Bestellerprinzip eine Verbesserung des Images bewirkt, hängt zu 100% davon ab, wie wir Makler damit umgehen. Die derzeitige Aufregung und Schreierei unter den Kollegen trägt jedenfalls nicht dazu bei. In erster Linie wird unser Image von uns selbst und unserer eigenen Leistung geprägt. Deshalb geht mir das Bestellerprinzip auch nicht weit genug. Die Qualifizierung der Makler durch Zulassungsbeschränkungen muss endlich umgesetzt werden. Wir sollten heute die etwas kuriose, dem Wahlkampf geschuldete Vorlage der Politik nutzen, um etwas Sinnvolles daraus zu machen.

IZ: Wie weit soll das Bestellerprinzip gehen?

Kampmeyer: Ich wünsche mir das Bestellerprinzip auch für den Verkauf. Erst dann wären die Verhältnisse vollständig geklärt. In Zeiten höchster Mobilität kann ich die unterschiedlichen Provisionsregelungen, die es quer durch die Republik für den Verkauf gibt, überhaupt nicht verstehen. Eigentümer und Nachfrager bestimmt auch nicht.

IZ: Wenn Vermieter selbst vermarkten, bricht dann nicht ein großes Stück vom Kuchen unwiederbringlich für die Makler weg?

Kampmeyer: Unwiederbringlich nicht. Wenn Eigentümer ihre Vermarktung selbst in die Hand nehmen, werden sie merken, dass das gar nicht so leicht ist. Nach ein paar Fällen wird sich mancher fragen, ob er wirklich dauerhaft auf die Maklerleistung verzichten sollte. Am Anfang wird es aber sicher zu Umsatzeinbußen und einer Marktbereinigung kommen.

IZ: Das sehen Sie ziemlich locker. Viele Ihrer Kollegen haben Angst um ihre Existenz, oder?

Kampmeyer: Ich antworte mit einer Frage: Wie überlebe ich als Makler die Disruption meines Geschäftsmodells in der Wohnraumvermittlung? Mit der Digitalisierung fallen bei vielen Prozessen Barrieren einfach weg. Vieles, was vorher mit Kosten verbunden war, ist heute nahezu ohne Kosten machbar. Es gibt bereits einige Plattformen, die Immobilientransaktionen ohne Vermittler abbilden, aber auf der Detailebene einfach noch nicht gut genug sind. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Makler könnten bald von den Möglichkeiten der Wohnraumvermittlung, die die digitale Welt insbesondere in der Vermietung heute schon bietet, verdrängt werden. Verglichen damit sind die Herausforderungen, die das Bestellerprinzip an uns stellt, deutlich einfacher. pdi

Contra Bestellerprinzip

"Markt driftet ins Chaos"

Jan Kulicke ist Makler in Sinsheim. Mit einer eigenen Homepage macht er Front gegen das Bestellerprinzip.

      
         Bild: Privat
Jan Kulike ist der Meinung: Der Immobilienmarkt reguliert sich selbst am besten.

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Immobilien Zeitung: Herr Kulicke, Sie haben unter www.makler-bestellerprinzip.de eine Internetseite gegen das Bestellerprinzip ins Leben gerufen. Wie ist die Resonanz?

Jan Kulicke: Seit 31. März ist die Seite online, bis Anfang Mai gab es rund 780 Zugriffe. Ich habe auch nette Mails mir völlig unbekannter Maklerkollegen erhalten, die sich sehr über die Aktion freuen. Insgesamt sind die Makler aber in der Masse wohl eher mit dem täglichen Geschäft befasst und kümmern sich weniger um die neue Regelung, die kommen soll. Etwas Geld verdienen vor dem Aus ist auch keine schlechte Idee.

IZ: Das klingt resigniert. Was ist denn so schlimm am Bestellerprinzip?

Kulicke: Durch das Bestellerprinzip werden Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt. Zumindest in den ersten Monaten nach Umsetzung werden die Vermieter selber versuchen, ihre Wohnimmobilien ohne Makler zu vermieten. Und das bedeutet: Dort, wo kein zwingender Grund besteht, sind die Immobilienmakler außen vor. Das aber wird sehr viele Veränderungen mit sich bringen, die Makler und Vermieter, aber auch Mieter nachteilig treffen werden.

IZ: Auch die Mieter werden leiden?

Kulicke: Da viele Vermieter es zunächst ohne Makler versuchen werden, wird sich viel auf einem unübersichtlichen privaten Markt abspielen. Für Mietinteressenten wird es wesentlich schwieriger, sich einen Überblick zu verschaffen. Mieter werden künftig oft auf unorganisierte Vermieter mit falschen Vorstellungen treffen, die Angebote müssen mühsam zusammengesucht werden. Auch muss auf den Service und die Flexibilität vor allem bei Besichtigungsterminen verzichtet werden. Als Makler bereinige ich viele Angebote erst mal, bevor sie von mir angeboten werden. Dies hat den Mietern im Vorfeld geholfen, ohne dass sie es bemerkt haben. Zudem werden die in der Regel qualitativ besseren Anzeigen von Maklern verschwinden. Bei Anzeigen von Vermietern sind ausführliche Beschreibungen, Fotos und Grundrisse nicht so vorhanden, die Interessenten müssen also mehr Besichtigungen einplanen.

IZ: Dafür muss der Mieter aber keine Courtage mehr zahlen.

Kulicke: Das ist zu kurz gedacht. Vermieter, die auf einen Makler nicht verzichten können, werden versuchen, die Kosten in der Kaltmiete unterzubringen. Dies ist für den Mieter bei längerer Mietzeit teurer als die jetzige Lösung mit der direkten Maklerprovision. Der bereits angeführte unübersichtliche Wohnungsmarkt führt zu einer gefühlten Verknappung der Mietangebote, was wiederum den Anstieg der Mieten begünstigt. Außerdem wird es ohne die Vermittlung des Maklers mehr Rechtsstreitigkeiten geben.

IZ: Ohne Makler geht es also nicht?

Kulicke: Zumindest wird mit Einführung des Bestellerprinzips der durch die Maklerarbeit halbwegs organisierte Mietmarkt mit in den teilweise sehr chaotischen Markt der privaten Vermietungen eingehen.

IZ: Wenn die Makler so wichtig sind, warum haben sie dann so ein mieses Image?

Kulicke: Makler als arbeitsscheue Parasiten darzustellen, ist leicht. Wir werden gerne als teurer Schlüsseldienst beschimpft, der für eine zwanzigminütige Wohnungsbesichtigung oft eine vierstellige Maklergebühr kassiert. Aber vielleicht sollte man betrachten, was wirklich alles dahintersteckt, um als Immobilienmakler eine Wohnung zu vermieten. Ein Spielfilm mit einer Laufzeit von zwei Stunden wird auch nicht in zwei Stunden gedreht, sondern ist das Produkt monatelanger Arbeit vieler Beteiligter. pdi