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Unternehmen | 25.07.2013

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Aus IZ29/2013, S. 1

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

Ein deutsches Denkmal wankt

Die schwer angeschlagene Gewerbe- AG IVG verhandelt dieser Tage über einen Milliarden-Sanierungsplan. Die Gläubiger sollen dabei auf Verbindlichkeiten im Gesamtwert von 1,75 Mrd. Euro verzichten, v [...]

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Die IVG 1993 bis 2012: Irrwege, Höhenflüge, Absturz

1993: Privatisierung der vormals bundeseigenen Industrieverwaltungsgesellschaft durch Platzierung der Aktien an Privatanleger zum Preis von 615 DM je Aktie.

1994: Beteiligung an der Transwaggon-Gruppe, Ausbau des Schienen-Transportgeschäfts. Einstieg in das technische und kaufmännische Facility-Management (FM).

1995: IVG steigt mit der Übernahme der Kleesattel-Gruppe in das Geschäft mit Flughafendienstleistungen ein. Gründung der Projektentwicklungs-Tochter Tercon. Außerdem äußert IVG Interesse am Geschäft mit Immobilienfonds. Eckart John von Freyend, seit April IVG-Vorstandschef: "Die IVG wandelt sich vom Immobilienunternehmen hin zu einem Facility-Manager, zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen."

1996: Vollständige Übernahme der KID Facility Management.

1997: Erstes Auslandsinvestment: zwei Bürogebäude in Paris.

Erwerb einer 25%igen Beteiligung an der Hannover Leasing. Diese wird 2006 verkauft. Übernahme der Jenoptik Bauentwicklung, diverser Tankstellenspeditionen und der Wißkirchen Cargo Handling, die ein Frachtzentrum am Frankfurter Flughafen betreibt.

Einstieg beim Berliner Wohnungsbauträger Botag. 50/50%-Joint-Venture mit Dorsch Consult, Geschäftszweck: Beratung öffentlicher Auftraggeber bei Immobilienprojekten, Generalübernehmer. Übernahme des FM-Managers AEG Unternehmensdienste. Ziel: Präsenz in den bedeutenden deutschen Ballungsräumen als FM-Manager. Eckart John von Freyend: "Einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung der IVG 1997 sehen wir in der Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder."

1998: IVG kündigt an, ihr Portfolio stärker international diversifizieren zu wollen.

IVG gibt ein Angebot für die zur Privatisierung anstehenden 118.000 Eisenbahnerwohnungen ab.

IVG gibt ein Angebot zur Übernahme der bundeseigenen Tank & Rast ab.

Ausstieg aus der Gebäudereinigung und Ausgliederung der Flughafenaktivitäten. Facility-Management nur noch als "hochwertige Dienstleistung".

Die Logistiksparte soll ausgebaut werden. Übernahme des Börsenmantels Stodiek mit dem Ziel, diese als paneuropäische Immobilien-Holding zu positionieren und dann 50% der Aktien an Anleger weiterzuverkaufen.

1999: Im Januar steigt dank Übernahmegerüchten die IVG-Aktie auf neuen Höchstwert. WCM, Clemens Vedder, Klaus-Peter Schneidewind und einige andere Privatinvestoren haben 32% der IVG-Anteile erworben.

IVG steigt beim Berliner Fondsinitiator Wert-Konzept ein.

IVG kauft 50% des Baudienstleisters CI Projektmanagement, einer Tochtergesellschaft der Corpus-Gruppe.

Mit der Deutschen Telekom wird die Venture- Capital-Gesellschaft bonn-Innova gegründet. Sie soll Neugründungen finanzieren, die Technologiekonzepte für Immobilien entwickeln. Übernahme von 75% der Dortmunder Beteiligungs- und Immobilien-AG (DBI). Ziel ist es, sie zu einer Beteiligungsgesellschaft "im Spannungsfeld von Gewerbeimmobilien, E-Commerce und Internet" zu positionieren.

IVG kauft 30% am spanischen Entwickler Indexa, der auf großflächige Einzelhandelsentwicklungen in Spanien spezialisiert ist.

IVG übernimmt für rund 800 Mio. DM die europäische Immobilien-AG Asticus. Sie soll zum europäischen Arm der IVG ausgebaut werden. Eckart John von Freyend: "IVG hat sich als größte deutsche und bedeutende europäische Gewerbeimmobilien-AG etabliert."

Der IVG-Bestand ist nun je zur Hälfte in Deutschland und Europa investiert. Neue Zielmarke ist eine Auslandsquote von 66%. Auch der Zukauf von Wohnimmobilien ist weiterhin gewünscht. "Ein Wohnungsunternehmen zu managen, ist für einen Konzern wie den unseren kein Problem", sagt John von Freyend.

Als Projektpartner der ECE ist die IVG bei der Entwicklung von Einkaufszentren in Breslau und Lodz aktiv, mit der Deutschen Telekom realisiert sie einen Technologiepark in Budapest.

Das Projektentwicklungsvolumen soll sich die kommenden Jahre auf 1 Mrd. Euro verdoppeln, schwerpunktmäßig in Deutschland. Planungsstart für das Airrail am Frankfurter Flughafen. IVG ist zu 33% am Projekt beteiligt. Die Fertigstellung ist für 2003 geplant. 2000: Verkauf von Tankstellenspedition, Waggonlogistik, Aviapartner und der technischen Anlagen-Dienstleistung. Das FM steht zum Verkauf.

IVG beteiligt sich mit 45% an der Interport, die Immobilien mit IT- und Kommunikationstechnik ausstattet. "Wir sind Partner von Unternehmen der New Economy."

Als neue Geschäftsfelder werden Corporate Real Estate Management und der Handel mit Immobilienportfolios definiert.

IVG ist jetzt in zehn europäischen Immobilienmärkten investiert.

2001: IVG verkauft die Indexa-Beteiligung. Die Interport existiert nicht mehr.

Der Börsenmantel der DBI wird verkauft. IVG trennt sich von der Botag.

Der Finanzinvestor WCM übernimmt die Mehrheit bei der IVG.

2002: Symbolischer erster Spatenstich für das Airrail. Die Projektkosten sind auf 600 Mio. Euro veranschlagt, geplanter Baubeginn ist 2003. Bund und Ländern verhandeln mit dem Konsortium Hochtief/IVG über den Bau des neuen Berliner Großflughafens. Frühestens Anfang 2010 könne der Airport in Betrieb gehen.

IVG beteiligt sich mit 30% an einem Development-Joint-Venture mit AXA. Es geht um Gewerbe- und Wohnimmobilien in der Region Paris im Volumen von 800 Mio. Euro. 2007 sollen die Projekte fertig sein.

Der IVG-Geschäftsbericht erhält den ersten Epra- Award für Transparenz. 2003: Berlin erteilt dem geplanten Verkauf seiner Berlin Brandenburg Flughafen Holding an IVG/Hochtief endgültig eine Absage.

IVG räumt ein, die ursprünglich für 2006 geplante Eröffnung des Airrails werde sich "wegen einer Vielzahl von Genehmigungs- und Sicherheitserfordernissen" verschieben.

Im laufenden Jahr sollen erste Europa-Fonds aufgelegt werden.

Gründung der IVG Immobilien KAG, um in das Geschäft mit Spezialfonds einzusteigen.

2004: Sal. Oppenheim übernimmt zusammen mit anderen Banken das 50%-IVG-Aktienpaket der WCM. Kurz darauf verkauft Sal. Oppenheim die Mehrheit ihrer Spezialfonds-KAG für 125 Mio. Euro an die IVG und holt damit die Hälfte des Aktienkaufpreises wieder herein. Das betreute Immobilienvermögen der IVG steigt auf 15 Mrd. Euro. "Wir spielen jetzt nachhaltig in der europäischen Liga", freut sich der Vorstand.

2005: Die bonn-innova ist liquidiert. IVG gründet das spanische Gemeinschaftsunternehmen IVG Iberia.

Einstieg in den italienischen Immobilienmarkt durch 50%-Beteiligung am 240 Mio. Euro schweren Aedes-Büroportfolio. Geplant ist die Weiterplatzierung an Institutionelle.

Die Aktivitäten in London und Paris werden ausgebaut, Verkaufsgewinne tragen 130 Mio. Euro zum Jahresergebnis bei.

2006: Die Europa-AG Stodiek soll zur Deutschland-AG umgebaut und als Kandidat für einen deutschen Reit aufgestellt werden. Die Pläne werden aber nie umgesetzt Aufbau einer Niederlassung in Prag.

Wolfhard Leichnitz übernimmt im Juni den Vorstandsvorsitz von John von Freyend. Grundsteinlegung für das Airrail, die IVG hält jetzt 80% am Projekt.

Für 880 Mio. Euro kauft die IVG den offenen Fonds von Westinvest und Credit Suisse Immobilien ab.

2007: Im Februar erreicht die IVG-Aktie mit knapp 37 Euro ihren historischen Höchststand. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 4 Mrd. Euro ist der Konzern so viel wert wie nie zuvor in seiner Geschichte.

Verkauf des Tanklagergeschäfts. Offene Fonds der Union Investment verkaufen an IVG Immobilien für 500 Mio. Euro.

Zum Preis von 1,3 Mrd. Euro "plus 40 Mio. Euro Nebenkosten" kauft IVG das Core-Portfolio der Allianz. Die Deutschland-Quote des IVG-Immobilienbestands steigt auf 73%.

Dank einer "substanziellen Überzeichnung" interessierter Banken erhöht sich der neue unbesicherte IVG-Unternehmenskredit von 1,2 Mrd. auf 1,35 Mrd. Euro. Die freien Mittel des Konzerns übersteigen jetzt 1 Mrd. Euro.

IVG kauft 50% am Londoner Prestigeobjekt The Gherkin und platziert 224 Mio. Euro an Kleinanleger. IVG Private Funds ist 2007 platzierungsstärkster Immobilienfondsinitiator.

Planung eines Reit-Börsengangs für 2008.

2008: Erster (und letzter) IVG-Asienfonds wird aufgelegt.

Der Wert des Immobilienbestands erreicht 5,35 Mrd. Euro.

Leichnitz beschließt den Ausstieg aus dem Kavernengeschäft bis Jahresende.

Gerhard Niesslein löst den zurücktretenden Wolfhard Leichnitz als IVG-Vorstandschef ab. Ende 2008 ist die Marktkapitalisierung der IVG auf 661,2 Mio. Euro gefallen.

Jahresverlust: 452 Mio. Euro.

2009: Mit 31% Marktanteil ist IVG Nummer eins im institutionellen Fondsgeschäft.

Zur Liquiditätssicherung werden Immobilien im Wert von rund 1 Mrd. Euro verkauft.

Das Geschäftsjahr endet mit 158 Mio. Euro Verlust.

2010: Positives Jahresergebnis von 23,2 Mio. Euro - die IVG sieht eine Trendwende zum Besseren.

2011: Das Frankfurter Squaire eröffnet. CFO Wolfgang Schäfers wird Vorstandschef. Das Geschäftsjahr endet mit einem Verlust von 126 Mio. Euro.

2012: Der Vorstand stellt für 2012 ein ausgeglichenes, für 2013 ein "deutlich positives" Ergebnis in Aussicht: dank Ausbau des Kavernengeschäfts, neuen Co-Investments und innovativen Fondsprodukten. Ankündigung eines neuen IVG-Geschäftsfelds: Betrieb von Windparks.

Das Geschäftsjahr 2012 endet mit einem Verlust von knapp 100 Mio. Euro.

Quelle: Unternehmen, eigene Recherchen