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Märkte | 20.11.2020

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen
  • Personen:
    Axel Gedaschko
  • Immobilienart:
    Einzelhandel, Wohnen

Corona verschärft Konflikte in Wohnquartieren

Quelle: imago images, Urheber: Michael Schick
In Wohnquartieren mit sozialen Problemen, hier das Spessartviertel im hessischen Dietzenbach nach einem Brandanschlag im Mai 2020, kann die Corona-Pandemie die Situation weiter verschlechtern.

Quelle: imago images, Urheber: Michael Schick

In gesellschaftlichen Ausnahmesituationen wie dem aktuellen Teil-Lockdown nehmen soziale Spannungen in Wohnvierteln zu. Das belegt eine Untersuchung im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs-und Immobilienunternehmen (GdW) im Verlauf der Pandemie. Allerdings war bereits vor dem Lockdown die Stimmung in vielen Siedlungen angespannt.

Der soziale Zusammenhalt in vielen Wohnvierteln in Deutschland stand schon vor Beginn der Pandemie vor großen Herausforderungen. Konkret haben Unternehmen mit einem Anstieg von Gewalt, Ruhestörungen und Missachtung der Hausordnung sowie kulturellen Konflikten und Streit zwischen den Generationen zu tun. Das hatte die Studie des Instituts Minor ("Herausforderung: Zusammenleben im Quartier") im Auftrag des GdW im Jahr 2019 ergeben. Die Studie, basierend auf Umfragen in Wohnungsunternehmen, wurde nun noch einmal vertieft und durch weitere Befragungen ergänzt. Das Ergebnis: "Die Corona-Pandemie wirkt in den Wohnvierteln Deutschlands wie ein Katalysator: In belasteten Quartieren drohen sich die sozialen Probleme weiter zu verschärfen, in wenig belasteten Quartieren verstärken sich die sozialen Netzwerke infolge der Ausnahmesituation", sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Nicht nur Innenstädte, auch Wohnviertel unterstützen

Zwar sehen laut der Studie 40% der Unternehmen keine Veränderungen oder sogar eine Abnahme von Nachbarschaftskonflikten in der Pandemie, dagegen 49% eine leichte Zunahme und 10% sogar eine starke Zunahme. "Entscheidend für die weiteren Entwicklungen ist ein gut funktionierendes Quartiersmanagement", urteilt Gedaschko. Weit über die Bemühungen zur Unterstützung des Einzelhandels hinaus müssten angesichts der Corona-Pandemie auch Lösungen für die Wohnviertel abseits der Zentren und Einkaufsstraßen geschaffen werden. Ganz konkret sollte zum Beispiel schnell ein bundesweites Kompetenzzentrum "Zusammenleben im Quartier" eingerichtet werden, das durch Bundesmittel gefördert wird, fordert der GdW von der Politik.

Bei der Hybrid-Veranstaltung Tag der Wohnungswirtschaft des GdW am 23. November diskutieren zu diesem Thema Experten und Politiker. Infos unter https://tagderwohnungswirtschaft.berlin/