Sie verwenden iz.de als Gastnutzer

Projekte | 26.10.2020

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Elbtower: "Vorstellung einer Investitionsruine ist Unfug"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Jürgen Bruns-Berentelg bei der Vorstellung des Elbtower-Konzepts von Signa im Hamburger Rathaus im Februar 2018.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Dass der Elbtower als Investitionsruine an den Elbbrücken halbfertig stehen bleiben könnte, bezeichnet HafenCity-Chef Jürgen Bruns-Berentelg als "absoluten Unfug". Nach Baubeginn seien Hochhäuser diesen Formats in Mitteleuropa immer fertig gebaut und voll vermietet worden - nicht durchweg rentabel allerdings für die Bauherren.

Im Nachtrag zum Kaufvertrag für das 2,1 ha große Grundstück an den Elbbrücken, auf dem bis 2026 der Elbtower entstehen soll (s. Artikel Elbtower: mehr Bürofläche, weniger für Hotels) wird der finanzierenden Bank die Option geöffnet, auf die Vorvermietungsquote von 30% zur Auszahlung der Kreditsumme zu verzichten - sofern die Politik zustimmt.

In Mitteleuropa wird zu Ende gebaut

Dass es sich um eine Aufweichung der strengen Rahmenbedingungen zur Vermeidung einer Investitionsruine handelt, weist Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hafen City Hamburg, zurück: "Der Begriff und die Vorstellung einer Investitionsruine ist in diesem Zusammenhang, mit Verlaub, absoluter Unfug."

In Mitteleuropa sei bisher noch jedes hohe Hochhaus zu Ende gebaut worden - "selbst wenn der Bauherr dabei im Einzelfall viel Geld verloren haben mag". An sehr gut erschlossenen Standorten und mit sehr guter Konzeption - wie beim Elbtower - seien diese Projekte - früher oder später - immer voll vermietet worden.

"Das wirkliche Risiko ist, dass es nicht zu einem Baubeginn kommt"

Eine verlässliche Finanzierung durch ein Bankenkonsortium sei für die Realisierbarkeit bedeutsamer, "als eine reine Vorvermietungsquote fünf bis sechs Jahre vor Bezugsmöglichkeit." Mietverträge könnten in dieser Frist durch veränderte Marktbedingungen "leicht zur sprichwörtlichen Makulatur werden". Auch eine Eigenkapitalquote könne "in volatilen Märkten für einzelne Unternehmen sehr schnell evaporieren" - verdunsten.

"Das wirkliche Risiko eines so großen Bauvorhabens liegt vielmehr darin, dass es nicht zu einem Baubeginn kommt, weil Kosten und zu erwartende Erträge sich nicht in ein angemessenes Erwartungsgleichgewicht bringen lassen."

91.000 qm Büros schaffen kritische Masse

Der HafenCity-Chef würdigt die Erhöhung des Büroanteils auf 91.000 qm als "ideal", weil so "die kritische Masse eines neuen Angebots am Hamburger Bürostandort" geschaffen werde. Die Verknüpfung mit 40.000 qm öffentlicher Nutzungen sei „in Mitteleuropa nach unserer Kenntnis einmalig. Der Elbtower wird somit ein sehr öffentliches Hochhaus."

Und es sei umweltbewusst. "Der Elbtower nutzt zudem den Luftraum und nicht Landflächen der Stadt für Arbeitsplätze - und erschließt mit dem S- und U-Bahn-Anschluss somit Umweltbewusstsein in doppelter Weise".