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Unternehmen | 23.03.2020

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:

„Beobachten interessiert, wie 40% der Umsätze wegbrechen"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber. Robin Göckes
Viele Flex-Office-Standorte haben mit zurückgehenden Buchungen für Besprechungsräume zu kämpfen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber. Robin Göckes

Wer flexibel kündbare Bürolösungen anbietet, hofft darauf, dass seine Vertragspartner nie in die Situation kommen, von der ihnen gebotenen Flexibilität auch wirklich Gebrauch machen zu müssen. Genau das könnte nun mit der Corona-Krise aber passieren. Bislang fallen die Einschnitte bei den Betreibern aber noch vergleichsweise glimpflich aus.

Tobias Kollewe schnauft kräftig durch. "Die Auswirkungen der Epidemie spüren wir schon jetzt gewaltig", berichtet der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens cowork ag sowie Vorstand der German Coworking Federation. Besonders ein Geschäftsfeld von Coworkinganbietern und Flex-Office-Betreibern sei bislang betroffen. "Es hagelt Absagen von Meetingraumbuchungen und Events. Dabei sind für viele Betreiber gerade das wichtige Einnahmequellen, die bis zu 40 oder 50% des Umsatzes ausmachen", sagt er. Betroffen seien alle Betreiber, egal ob groß oder klein. Als Reaktion auf die geltenden Hygienerichtlinien seien einige Betreiber den Schritt gegangen, ihre Standorte nur noch für die Stammkunden mit fest gebuchten Plätzen zu öffnen. Andere Angebote wie etwa Tagestickets seien gestoppt worden.

Beschränkter Zugang

So verfährt etwa das Super7000 in Düsseldorf. Die Veranstaltungs- und Konferenzräume des 3.500 qm großen Spaces sind geschlossen. Bestandsmieter haben eine spezielle Zugangskarte erhalten. "Mit einem Coworkingspace betreiben wir eines der denkbar blödesten Geschäftsmodelle in einer solch turbulenten Zeit und beobachten interessiert, wie uns gerade 40% der Umsätze wegbrechen. Mal gucken, was wir machen", sagt Geschäftsführerin Silke Roggermann. Doch es gibt nicht nur Hiobsbotschaften. "Momentan sind wir noch in einer Situation, in der viele Nutzer sich sogar aktiv in den Centern melden und sagen, dass sie bleiben. Das ist eine schöne Solidarität", berichtet Kollewe. Wie das Ganze in ein paar Wochen oder Monaten aussehe, wisse aber natürlich niemand. "Ich traue mir keine Prognose zu", mahnt er.

Das Risiko wird minimiert

Auch Thomas Schulz, Managing Partner beim Flex-Office-Berater und Vermittler AllOfficeCenters, sieht das Positive. "Es gibt in vielen Unternehmen recht große Bereiche, die einfach nicht aus dem Homeoffice arbeiten können. Da wird jetzt geschaut, wie solche Teams auf mehrere Standorte verteilt werden können, um das Risiko zu minimieren. Da sehen wir recht starke Anfragen", berichtet er von Fällen, in denen sogar gerade wegen der Corona-Krise neues Geschäft entsteht. Manche Anfragen, die jetzt reinkommen, stammten auch von Unternehmen, die eigentlich zum 1. April in ein eigenes neues Büro ziehen wollten. "Bei denen stockt es jetzt aber auf den Baustellen und die Unternehmen brauchen eine kurzfristige Zwischenlösung." Eine Konsequenz, die jetzt schon zu beobachten sei, ist allerdings, dass Mietvertragslaufzeiten noch flexibler werden. "Wer jetzt sucht, will vielleicht für drei Monate abschließen, nicht für sechs Monate oder ein Jahr", sagt Schulz.

Vertragspausen werden angefragt

Die Einschätzungen von Schulz und Kollewe werden auch durch die Erfahrungswerte gestützt, die Sebastian Schmidt, Gründer des Flex-Office-Vermieters SleevesUp, in den vergangenen Tagen gemacht hat. Auch er verzeichnet einen großen Einbruch bei den Meetingräumen. "Allerdings möchte ein Großteil der Kunden Meetings verschieben und nachholen, sobald die Lage etwas klarer ist. Kündigungen verspüren wir aktuell nicht in signifikantem Umfang", berichtet er. Lediglich ein Unternehmen, das bei ihm Mieter war, sei aufgrund von Corona in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und musste seinen Betrieb deshalb gänzlich einstellen. "Einzelne Nutzer unserer Flex- und Fix-Desk-Tarife im Open-Space fragen nach Pausierung des Vertrags für einen Monat, da sie während dieser Zeit ohnehin nicht ins Büro kommen wollen, was wir im Rahmen unserer flexiblen Modelle natürlich umsetzen können", berichtet Schmidt. Neuanfragen gingen leicht zurück, "allerdings sprechen wir aber derzeit auch mit ersten Großinteressenten, die gerade wegen Corona nach kurzfristigen und flexiblen Backup-Flächen suchen, um Teams zu dezentralisieren und für die kommenden Monate breiter aufgestellt zu sein."

Der wirkliche Test kommt erst noch

Die Frage, die bleibt, wird aber sein, was danach kommt. Die Corona-Krise und mit ihr der wirtschaftliche Abschwung könnte für die Flex-Office-Branche zu jenem Lackmustest werden, auf den Marktbeobachter seit Beginn des Coworkingbooms in Deutschland vor etwa zwei oder drei Jahren hingewiesen haben. Flüchten sich die Unternehmen in einer Rezession erst recht in flexibel kündbare Büroangebote, oder sind diese die ersten, die abgebaut werden? Noch sei es zu früh, die weitere Entwicklung wirklich abschätzen zu können, meint Thomas Schulz. "Dafür ist das jetzt noch zu frisch. Bis jetzt ging es für die meisten Unternehmen erst einmal darum, den Betrieb neu zu organisieren und am Laufen zu halten", erklärt er. Immerhin: "Eine Kündigungswelle sehe ich derzeit noch überhaupt nicht." Ob das auch noch nach der jüngst am Wochenende verkündeten bundesweit verschärften Kontaktbeschränkung gilt, wird sich allerdings erst noch herausstellen müssen.

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