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Veranstaltungen | 10.03.2020

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Cannes
  • Personen:
    Corvin Tolle, David Lisnard

Cannes’ Wirtschaft trauert der Mipim nach

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Das Palais des Festivals - ohne die Mipim-Werbeplakate und den roten Teppich kaum zu erkennen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Kaum einer in der südfranzösischen Stadt bleibt von der Absage der Immobilienmesse Mipim unberührt. Die lokale Wirtschaft hat die große Messe im März fest im Portemonnaie eingeplant. Immerhin: Nicht alle Immobilienprofis ließen sich davon abhalten nach Frankreich zu reisen und unterstützen nun auf ihre Weise die in Cannes ansässigen Gewerbe. Immobiliengeschäfte werden auch gemacht.

Ein Blick auf die Croisette, die Lebensader der Stadt Cannes, zeigt: Auch ohne die Mega-Messe Mipim, die tausende von Gästen eine Woche im März in den Badeort lockt, ist die Stadt keineswegs tot. Wohlhabende Damen in Designersneakern führen ihre winzigen Hunde aus, Jogger nutzen die Strecke für ein Workout, und in den Strandrestaurants lassen es sich die Sonnenanbeter gutgehen. Eine beliebte Küstenstadt im Vorfrühling, könnte man denken.

Doch in den Geschäften vor Ort sieht die Lage weniger sonnig aus. „Natürlich merken wir es ganz heftig, dass diesen Monat keine Mipimgäste gekommen sind", sagt die Managerin einer Boutique an Cannes' Haupteinkaufsmeile Rue d'Antibes. „Viele Gäste reisen mit ihren Frauen an oder kaufen selbst ein kleines Mitbringsel. Auch unser Geschäft trifft es hart."

"Auch Manager brauchen Maniküre"

Wo man hinhört – kein Geschäftszweig scheint von den Auswirkungen des Corona-Banns, den das französische Gesundheitsministerium über Großveranstaltungen gelegt hat, verschont. Sei es die Angestellte des kleinen Nagelstudios in der Innenstadt („auch Manager brauchen Maniküre"), seien es die Betreiber der Luxushotels, die ihre erhofften Mondpreise von um die 5.000 Euro pro Nacht auf moderate dreistellige Summen herunterschrauben mussten – in der zweitgrößten Messe- und Kongressstadt Frankreichs lebt die gesamte lokale Geschäftswelt von den internationalen Branchentreffs.

Für den Bürgermeister David Lisnard kommt die Verschiebung der März-Messe zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Diesen Monat muss er sich bei den Kommunalwahlen der Wiederwahl stellen. Schon trat er mit der Forderung nach einem Konjunktur-Sonderprogramm an die Öffentlichkeit. Bis zu 150.000 Jobs an der Côte d'Azur, angefangen bei der Hotellerie über das Transportgewerbe, die Messebauer und das Taxigewerbe, hingen direkt oder indirekt vom Messegeschäft ab, dessen ist sich Lisnard bewusst. Für sie brauche es mehr als die bereits beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der Sozialversicherung, sondern z.B. einen Nothilfefonds aus öffentlichen Kassen. Ob ein solcher Fonds mehr als eine politische Forderung sein kann und eine realistische Chance auf eine Umsetzung hat, hierzu kamen die Vertreter des lokalen Tourismusverbands der Bitte um eine Stellungnahme nicht nach.

Netzwerken auch ohne Messe

Unterstützung erhält die lokale Gastronomie und Hotellerie dennoch – nämlich aus der Immobilienwirtschaft. Laut dem Fachmagazin propertyEU rechnen sie vor Ort mit bis zu 500 Vertretern aus der Branche, die trotz der geschlossenen Messehallen ihre gebuchten Flüge antreten und den März-Termin wie geplant zum Netzwerken nutzen. Darunter sind viele Briten, die sich über die sozialen Netzwerke zusammengeschlossen haben und nun in den Restaurants und Cafés rund um das Palais des Festivals treffen.

Zu den wenigen deutschen Cannes-Treuen, die die Umsätze der Gastronomen am Strand stützen, zählt der Berliner Immobilienmakler Corvin Tolle. In einem Strandrestaurant ist er dort in der ursprünglichen Mipimwoche drei Tage lang für jeden, der Geschäfte machen oder anbahnen möchte, ansprechbar. Gelohnt habe es sich schon nach einem Tag, meint Tolle. „Durch Zufall habe ich hier einen Investor getroffen, dem ich schon einmal eine Immobilie vermitteln konnte. Jetzt sieht es so aus, als ob das nächste Geschäft gleich folgt."

In der Immobilienbranche sei trotz allem Gerede über die Digitalisierung der persönliche Kontakt extrem wichtig. „Als Makler ist es für mich sinnvoll, dort zu sein, wo Menschen zusammenkommen. Und schöner als zuhause in der Telefonkonferenz zu hängen ist es auch."

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