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Unternehmen | 14.02.2020

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

real-Verkäufer Olaf Koch: "Die Teams sitzen beim Notar"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Metro-Vorstandschef Olaf Koch (rechts) mit Finanzvorstand Christian Baier.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender von Metro, konnte auf der heutigen Hauptversammlung den Aktionären immer noch keinen Kaufvertrag für real präsentieren. Es gebe aber eine "kommerzielle Einigung" mit dem Finanzinvestor SCP. An die Adresse der Mitarbeiter, die durch den Verkauf ihre Arbeit verlieren oder den Arbeitgeber wechseln, sagte Koch: "Es ist sichergestellt, dass mit den Menschen an den Standorten ordentlich umgegangen wird."

Olaf Koch hat den Verkauf des SB-Warenhausgeschäfts real verteidigt, konnte den Aktionären aber immer noch keinen Vollzug melden. Es gebe noch "letzte Details" zu klären, sagte der Vorstandsvorsitzende des Handelskonzerns Metro, u.a. einen "Gremienvorbehalt" von SCP. Es sei aber so gut wie alles geklärt: "Die Teams sitzen beim Notar." Gleichzeitig verschickte die Presseabteilung von Metro einen Pressetext, in dem es heißt: "Wir haben mit dem Finanzinvestor SCP Group eine kommerzielle Einigung über den Verkauf der Real GmbH." Joint-Venture-Partner von SCP ist die Frankfurter Investmentgesellschaft x+bricks.

Koch reißt zum wiederholten Mal eine von ihm selbst gesetzte Frist. Im Dezember 2019 hatte er verkündet, der real-Verkauf werde zum 31. Januar 2020 abgeschlossen.

Koch: "Real-Verkauf ist schmerzhaft, auch für mich"

Koch verteidigte die Entscheidung, sich vom SB-Warenhausgeschäft zu trennen. Die Entscheidung sei "schmerzhaft, auch für mich". Real sei nie ein "organisch gewachsenes Unternehmen" gewesen, sondern durch Akquisitionen entstanden. "Es war darum für das Management immer schwer, ein konsistentes Geschäftsmodell zu entwickeln." Metro habe durch real im Geschäftsjahr 2018/19 "250 Mio. Euro Cash verloren" und sei als Konzern ins Minus gedrückt worden.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
real-Filiale in Wiesbaden.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Mit 60.000 Artikel sei real "der Vollsortimenter im deutschen Lebensmitteleinzelhandel". Es gebe für dieses Format auch einen Bedarf, das hätten Marktforschungen ergeben. "30% der Bevölkerung wollen einen Vollsortimenter, aber nicht in Selbstbedienung. Sie wollen Beratung und Kuratierung." Man habe alles versucht, real zu neuem Leben zu erwecken, u.a. durch den Bau der Markthalle in Krefeld. Aus Kundensicht sei die Markthalle mit 30% Frequenzsteigerung ein großer Erfolg, allerdings ein teuer erkaufter, wie Koch einräumte. Bei allen weiteren Markthalle-Bauten (Braunschweig, Aschaffenburg, Balingen) sei die "Investitionseffizienz aber deutlich günstiger" gewesen. "Ja, es gibt im deutschen Lebensmitteleinzelhandel die Möglichkeit, einen Vollsortimenter zu platzieren", stellte der Metro-Lenker fest.

Verhandlungen mit Ver.di mündeten in "Niederlage"

Koch erklärte, man habe für den Turnaround von real gekämpft, zuletzt u.a. durch die Bildung einer Einkaufskooperation und den Versuch, die Personalkosten zu senken. Große Hoffnungen habe er mit dem 2016 geschlossenen "Zukunftstarifvertrag" verbunden. Letztlich sei es dann aber doch nicht gelungen, mit der Gewerkschaft ver.di entweder einen "modernisierten Flächentarifvertrag" oder einen "Haustarifvertrag" abzuschließen. "Das war eine Niederlage." real habe darum immer zu deutlich höheren Lohnkosten arbeiten müssen als die Konkurrenz. Koch bezifferte den Nachteil auf 300 Mio. Euro jährlich. "Man mag das nicht hören, aber es ist ein Fakt."

Koch zufolge fiel die endgültige Entscheidung real zu verkaufen, nachdem die Tarifverhandlungen mit ver.di final gescheitert waren. Im September 2018 habe man darum den Verkauf des Unternehmens angekündigt. Dazu sei man gezwungen gewesen, da der geplante Verkauf von 7 Mrd. Euro Umsatz "kapitalmarktrelevant" sei. "War diese Ankündigung für den Verkaufsprozess hilfreich? Natürlich nicht."

"Mit den Menschen an den Standorten ordentlich umgehen"

Koch bezifferte den Unternehmenswert von real (80 Immobilien, operatives Geschäft, Onlinemarktplatz) auf rund 1 Mrd. Euro. Aus dem Verkauf würden Metro 300 Mio. Euro zufließen. Es sei sichergestellt, dass bei der Übergabe von real-Standorten an andere Händler die Verträge der real-Beschäftigten "übergehen". Für Mitarbeiter, die ihren Job verlören (z.B. durch Schließungen von Märkten) seien Abfindungen vereinbart worden. "Es ist sichergestellt, dass mit den Menschen an den Standorten ordentlich umgegangen wird."

Metro-Chef Olaf Koch sprach in seiner Rede vor der Hauptversammlung ausführlich über die Aussichten des Metro-Konzerns und ging dabei auch auf die Immobilien ein. Dem Konzern gehören 355 seiner weltweit 678 Großmärkte (Stand 1. September 2019). Koch zufolge wurden in der Vergangenheit viele Immobilien verkauft, es werde auch weitere Verkäufe geben. "Bei der Vermarktung der Immobilien geht es aber immer mehr um Projektentwicklung." Er gehe davon aus, dass dem Konzern in den kommenden Jahren aus Immobilienverkäufen jährlich etwa 100 Mio. Euro zufließen werden.

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