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Politik | 10.02.2020

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Hamburgs SPD will jetzt auch eine autoärmere Innenstadt

Quelle: BSW, Urheber: moka-studio 2020
Über dem südlichen Gleisfeld des Hauptbahnhofs soll ein Stadtplatz entstehen.

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Weniger Auto, mehr Stadt - so lässt sich das am vergangenen Freitag vom Bürgermeister, der Stadtentwicklungssenatorin und vom Oberbaudirektor vorgestellte Maßnahmenprogramm zur Aufwertung der Hamburger Innenstadt zusammenfassen. Jungfernstieg autofrei, Mönckebergstraße busfrei, grüner Deckel über dem südlichen Gleisfeld am Hauptbahnhof, mehr Wohnungen in der City. Ein Budget oder einen Zeitplan gibt es noch nicht.

Zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl stellten der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher und die Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt, beide SPD, mit Oberbaudirektor Franz-Josef Höing ein Maßnahmenkonzept für die Innenstadt vor. Kernthemen sind: weniger stehende und fahrende Autos, mehr Aufenthaltsqualität durch mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer, für grüne Flanierräume und städtische Plätze. Die Erreichbarkeit soll durch den Ausbau des ÖPNV und mehr Radwege sichergestellt werden. Tschentscher: "Dazu sollen der öffentliche Raum an vielen Orten neu gestaltet und neben den schon bestehenden autofreien Zonen weitere Straßen vom Autoverkehr freigehalten werden."

Quelle: BSW, Urheber: moka-studio 2020
In Zukunft soll es am Jungfernstieg nur noch zwei Spuren für Busse und Taxis geben.

Quelle: BSW, Urheber: moka-studio 2020

Jungfernstieg autofrei

Der Jungfernstieg wird für den motorisierten Individualverkehr gesperrt, die Fahrbahn auf zwei Spuren für Busse und Taxis reduziert. Die anschließenden Bereiche von Neuer Wall und Große Bleichen werden zu Fußgängerzonen und beide Straßen am Wochenende in Gänze autofrei. Auch das Ost- und Westufer der Binnenalster wird autofreier und neugestaltet.

Der Busverkehr aus der Mönckebergstraße soll in die parallele Steinstraße verlagert werden. Seit Jahrzehnten wird die Nutzung des Burchardplatzes als Parkplatz kritisiert. Nun soll der Kernbereich des Unesco-Welterbes Kontorhausviertel ein urbaner Platz werden - ebenso wie der Hopfenmarkt.

CDU will Tunnel für Willy-Brandt- und Ludwig-Erhard-Straße

Der Hopfenmarkt grenzt an die frühere Ost-West-Straße, einer nach dem Krieg durch die Altstadt geschlagenen Verkehrstrasse, die heute Willy-Brandt-Straße und Ludwig-Erhard-Straße heißt. Die CDU hatte jüngst noch einmal den Vorschlag der Handelskammer aufgegriffen, die Trasse zwischen Deichtorplatz und Millerntorplatz für 1,1 Mrd. bis 1,7 Mrd. Euro unter die Erde zu legen und durch den Deckel City und Hafencity besser zu verknüpfen. Das hatte Rot-Grün als unrealistisch verworfen. Stattdessen sollen Querungen - etwa am Hopfenmarkt oder zwischen Großneumarkt und dem Michel - geschaffen werden.

Vis-à-vis dem Kontorhausviertel soll das südliche Gleisfeld des Hauptbahnhofs überdeckelt werden, um die City mit St. Georg und dem Münzviertel besser zu verknüpfen. Die Idee eines Gleisdeckels mit grünen Dünen hat die Initiative Altstadt für alle! bereits im Oktober 2018 vorgestellt – nach einem Entwurf der Architekten ReichwaldSchultz.

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Nach langer Diskussion soll der Burchardplatz im Kontorhausviertel zum Stadtplatz werden.

Quelle: BSW, Urheber: moka-studio 2020

Ideen ähneln dem grünen Konzept zur autoarmen Innenstadt

Andere Ideen erinnern recht deutlich an das im August 2019 von den Grünen vorgestellte Konzept einer im Kernbereich autofreien, insgesamt autoarmen Innenstadt. "Wir freuen uns wirklich sehr, dass die SPD unser Konzept für eine weitestgehend autofreie Innenstadt quasi eins zu eins übernommen und dazu noch schön illustriert hat", reagiert Anjes Tjarks, Vorsitzender der grünen Bürgerschaftsfraktion, ironisch.

Tschentscher und Stapelfeldt bezogen sich bei der Konzeptvorstellung jedoch auf das von Handelskammer, Handels-, Hotel- und Tourismusverbänden geknüpfte Bündnis für Innenstadt. Das Bündnis hatte im Oktober 2019 konkrete Maßnahmen zur Aufwertung der Innenstadt gefordert. Und Schuhhändler Ludwig Görtz, im Trägerverbund Innenstadt aktiv, der ebenfalls zum Bündnis gehört, hatte Anfang Februar 50 Mio. Euro vom Senat zur Aufwertung der City binnen der nächsten drei Jahre gefordert. Die Oppositionsparteien in der Bürgerschaft kritisierten, dass es weder ein Budget noch einen Zeitplan zum Konzept gebe.

70 Wohnungen statt Parkhaus

Stapelfeldt betonte zudem die Bedeutung von mehr Wohnungen für die Innenstadt. In aktuellen Projekten werden 706 Wohnungen geplant. Künftig soll es einen Anteil von Wohnungen bei allen Bauprojekten in der Innenstadt geben. Musterprojekt für weniger Autos und mehr Wohnen ist die Entwicklung der Neuen Gröninger Straße 12 in der Altstadt. Hier steht bis dato ein Parkhaus. Das Areal wurde an die Genossenschaft Gröninger Hof vergeben, die aus der Initiative Altstadt für Alle! entstanden ist. 70 Wohnungen plus sozialer Infrastruktur und Einzelhandel sollen hier entstehen.

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