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Politik | 28.01.2020

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Engel & Völkers, Dahler & Company
  • Organisationen:
    Immobilienverband Deutschland (IVD), Bundestag, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss
  • Personen:
    Sun Jensch, Kai Enders, Christian Osthus, Daniel Ritter, Annika Zarenko, Christine Lambrecht
  • Immobilienart:
    Wohnen

Sachverständige votieren für die Teilung der Maklercourtage

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: ASDF
Wohnung verkauft, die Courtage des Maklers wird geteilt. So dürfte demnächst bundesweit die Praxis aussehen.

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: ASDF

Die Teilung der Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer von Wohnimmobilien wird wohl bald per Gesetz festgeschrieben. In einer öffentlichen Anhörung vor dem Rechtsausschuss des Bundestags begrüßten Vertreter der Immobilienwirtschaft am Montag den Plan der Großen Koalition.

Im Oktober hatte sich die Große Koalition in Berlin von einem echten Bestellerprinzip beim Verkauf von Wohnraum verabschiedet und einen Kompromiss auf den Weg gebracht. Laut dem Entwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) werden sich Käufer und Verkäufer die Courtage für den Makler in der Regel teilen müssen. "Eine Vereinbarung zur Abwälzung der Maklerprovision ist zukünftig nur wirksam, wenn die Partei, die den Makler beauftragt hat, zur Zahlung der Provision mindestens in gleicher Höhe verpflichtet bleibt", lautet das Prinzip des Gesetzentwurfs.

Diesen Grundsatz billigten Anfang der Woche sowohl Vertreter der Immobilienwirtschaft als auch geladene Rechtsexperten bei einer Anhörung des Rechtsausschusses. Zwar bemängelten einige Stimmen aus der Maklerbranche, dass in ihre Vertragsfreiheit eingegriffen werde. Letztlich aber war die Mehrheit der Vermittler schlicht froh, das Schlimmste verhindert zu haben. Denn ein echtes Bestellerprinzip – wie bei der Vermietung von Wohnraum längst vorgeschrieben – hätte auch beim Verkauf dazu geführt, dass zahlreiche Eigentümer ihre Immobilie selbst vermarktet und auf einen Makler verzichtet hätten.

ZIA fordert Aufnahme einer deklaratorischen Maklerklausel

"Wir befürworten grundsätzlich die vorgesehene Teilung der Maklerprovision bei beidseitiger Beauftragung", betonte denn auch ZIA-Geschäftsführerin Sun Jensch in der Anhörung. "Mit diesem Gesetz wird die Teilung der Maklerkosten konsequent in ganz Deutschland angewendet, das schafft Vertragssicherheit und Transparenz." Auch die Teilung der Maklerprovision bei einseitiger Beauftragung sehe der Verband positiv. Durch die flexiblere Regelung könne etwa dem Gefälle der Nachfrage zwischen Metropolen und plattem Land Genüge getan werden.

Kritisch bewertete der ZIA jedoch, dass der Teilanspruch des Maklers gegenüber dem Nichtbeauftragenden, also in der Regel gegenüber dem Käufer, erst mit Nachweis der Zahlung durch den Verkäufer fällig wird. Der Makler gehe mit seinen Diensten immer in Vorleistung und müsse den Ausfall der kompletten Provision fürchten, wenn etwa der Auftraggeber wegen Insolvenz oder Tod ausfalle. "Alternativ schlagen wir die Aufnahme einer deklaratorischen Maklerklausel in den Kaufvertrag vor", sagte Jensch. Damit würde der Anspruch auf einen Maklerlohn rechtssicher gestaltet und mehr Transparenz gegenüber Käufern und Verkäufern hergestellt.

IVD-Justitiar Christian Osthus erklärte, im Ergebnis werde der Entwurf gebilligt, da er weiterhin eine Doppeltätigkeit des Immobilienmaklers zulasse. Der geplante Verteilungsmechanismus im Hinblick auf die Provision werde die Branche aber vor große Herausforderungen stellen. Osthus betonte, dass aus Sicht des IVD eine umfassende Entlastung der Käufer nur durch eine generelle Absenkung der Grunderwerbsteuer oder zumindest durch Freibeträge möglich ist.

Die Vermittler schätzen die geplante Reform als gerecht ein

Auch beim Franchisemakler Engel & Völkers wird das Ergebnis positiv bewertet. "Unsere Immobilienberater sind Mittler zwischen zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen", sagte CEO Kai Enders der Immobilien Zeitung: "Es ist daher fair, dass in Zukunft auch beide für die erbrachten Leistungen zahlen. Das neue Gesetz sehen wir als Chance, da es die Rolle des Maklers als neutralen Vermittlers zwischen Käufer und Verkäufer stärkt."

Von Poll-Chef Daniel Ritter bezeichnet die Regelung als fair. "Für die meisten unserer Partner und Makler ändert sich wenig, denn in vielen Bundesländern wird die Courtage auch bisher schon geteilt." In den anderen Bundesländern werde sich die Praktikabilität des Gesetzes mit all seinen Implikationen erst nach Inkrafttreten zeigen. "Wir halten die Teilung der Courtage für eine gute Lösung, um die Bedürfnisse beider Zielgruppen abzudecken", ergänzt Annika Zarenko, Chefin von Dahler & Company. Sie geht davon aus , dass die Reform das Geschäft nicht wesentlich beeinflussen wird, da die Zielgruppe des Maklerhauses sich sehr bewusst für die Kompetenz eines Vermittlers entscheide.

Beim IVD rechnet man damit, dass der Bundestag das Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten am 13. Februar verabschieden wird. Die Regelung sehe eine sechsmonatige Übergangsfrist vor, die mit Verkündung im Bundesgesetzblatt beginnt. Damit würde die Neuregelung erst im Herbst dieses Jahres greifen.

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