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Märkte | 17.12.2019

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Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
  • Personen:
    Markus Eltges, Anja Diers
  • Immobilienart:
    Wohnen

Deutschland droht keine Immobilienpreisblase

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Deutschlands Gutachter sind sich einig. Die Preise auf den Immobilienmärkten steigen weiter.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Deutschland droht keine Preisblase. Dafür sind die Fundamentaldaten noch zu dnyamisch, sagte Markus Eltges, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus Bonn, heute Morgen in Berlin. Gemeinsam mit den amtlichen Gutachterausschüssen hat der BBSR den 6. Immobilienmarktbericht Deutschland vorgestellt.

Eine Überproduktion von Wohnungen, "wie wir das beispielsweise in Spanien bei der letzten Immobilienmarktkrise gesehen haben, ist hier nicht abzusehen", beruhigt so Eltges. Auch die Immobilienfinanzierung gebe noch keinen Grund zur Besorgnis: "Die Kreditausweitung ist nach wie vor sehr verhalten und hat noch nicht zu einer massiven Verschuldung der deutschen Haushalte geführt."

Der These einer Blasenentwicklung stehe auch der Trend zu langfristigen Zinsbindungen bei aktuellen Kreditverträgen entgegen. Dadurch würde die Tilgungsfähigkeit der Haushalte nicht überfordert, wenn die Zinsen doch einmal steigen sollten oder schwanken. Last but not least beobachtet das BBSR keinen Trend zu schnellen Wiederverkäufen von Wohnungen oder Wohnungsbeständen, die die Preisentwicklung weiter beschleunigen würden.

Kein Ende des Preisauftriebs in Sicht

Quer durch das Land konstatierten die Gutachter "bei konstanten Transaktionszahlen anhaltende Preissteigerungen auf allen Immobilienmärkten". Und das wird so bleiben, gibt sich die Vorsitzende des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse, Anja Diers, überzeugt: "Ich sehe aktuell keine Anzeichen für eine Trendumkehr."

Rekordinvestitionsvolumen von 269 Mrd. Euro

Der Bericht, der auf notariellen Kaufverträgen basiert, zeigt ein Rekordinvestitionsvolumen. Zwischen 2016 und 2018 stieg dieses auf einen neuen Höchststand von 269 Mrd. Euro - und das bei stark steigenden Preisen. Denn während sich der Gesamtgeldumsatz binnen zehn Jahren mehr als verdoppelte, blieb die Anzahl der Abschlüsse stabil und lag im Jahr 2018 bei rund einer Million.

Wohnungen sind Anlegers Liebling

Der Investitionsschwerpunkt bleibt dem Bericht zufolge der Wohnungsmarkt. Dafür gaben Käufer im Jahr 2018 bundesweit 180,5 Mrd. Euro aus. Eigenheime wechselten für gut 70 Mrd. Euro den Besitzer, Eigentumswohnungen für knapp 64 Mrd. Euro. Allerdings stießen die Gutachter auf große regionale Unterschiede. "Insbesondere in ohnehin teuren Lagen steigen die Preise weiter stark an", so Diers.

Beispiel Eigenheime: Gebrauchte Häuschen kosten quer durch die Republik seit zehn Jahren im Schnitt 4,3% mehr. Die teuersten stehen mit 10.200 Euro/qm rund um München, im Kyffhäuserkreis in Thüringen dagegen gibt es Bauland bereits für 410 Euro/qm. Ähnlich das Bild bei Eigentumswohnungen: Hier stiegen die Preise seit 2009 um 4,4% per annum auf einen Bundesschnitt von 1.550 Euro/qm. Münchner Verkäufer konnten im Schnitt 7.150 Euro/qm aufrufen, wohingegen ein Erwerber im thüringischen Saale-Ostra-Kreis nur 400 Euro/qm ausgeben musste.

Die Mieten steigen in teuren Städten nicht mehr so stark

Bei den Mieten hat Eltges in einigen teuren Städten eine "gewisse Entspannung festgestellt. In fünf der sieben größten Städte verlangsamte sich der Anstieg der Angebotsmieten." Besonders stark sei dies in München und Hamburg zu spüren gewesen. Aber auch in Stuttgart, Berlin und Köln zogen die Preise die Bremse. "Das ist ein positives Zeichen", so Eltges, "wenngleich es noch zu früh ist von einer Trendwende zu sprechen." Im ersten Halbjahr 2019 lagen die Mieten inserierter Wohnungen den Gutachtern zufolge in 48 von 401 Stadt- und Landkreisen durchschnittlich bei über 10 Euro/qm. In 99 Kreisen – also einem Viertel – wurden weniger als 6 Euro/qm verlangt. "Das zeigt die große Spannbreite, in der wir uns auch bei den Mieten bewegen", hieß es bei Vorstellung des stolze 261 Seiten starken Immobilienmarktberichts.