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Politik | 27.12.2019

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Dr. Lübke & Kelber
  • Personen:
    Jürgen Kelber, Ulrich Jacke, Marc Sahling
  • Immobilienart:
    Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe allgemein

"Vertrauen in die Verlässlichkeit von Politik ist verloren"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Sophie Deußing
Jürgen Kelber hat sich gut vorbereitet für mögliche Wechselfälle im neuen Jahr.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Sophie Deußing

Jürgen Kelber, Gesellschafter und Geschäftsführer von Dr. Lübke & Kelber, hat ein Jahr der Umstrukturierungen hinter sich. Ein neuer Partner sollte gefunden und die Arbeitswelt innerhalb des Unternehmens kreativ erneuert werden, um für die raren jungen Kräfte attraktiv zu sein. Im neuen Jahr gibt es, auch angesichts von möglichen politischen Umbrüchen, vor allem einen Schwerpunkt: Neubau von Wohnungen.

Immobilien Zeitung: Herr Kelber, das Jahr war nicht arm an politischen Turbulenzen auf dem Wohnungsmarkt allgemein. Aber auch in ihrem Unternehmen, Dr. Lübke & Kelber, gab es einige Unruhen wegen Umstrukturierung. Wie haben Sie sich neu organisiert?

Jürgen Kelber: Sie wissen ja, Ulrich Jacke, ein langjähriger Gesellschafter von Dr. Lübke & Kelber, hatte sich Ende 2018 in den Ruhestand zurückgezogen. Es wurden 25% der Anteile frei, die wollten wir verbunden mit einer Wachstumsstrategie einem neuen Partner anbieten. Allerdings haben wir da nicht den richtigen Partner gefunden. Es passte einfach nicht und wir wollten als Marke Dr. Lübke & Kelber bestehen bleiben, das hätte sich aber so nicht realisieren lassen. Daraufhin haben die verbleibenden beiden Gesellschafter jetzt komplett die Anteile. Und, wie Sie wissen, ist ja bei uns Marc Sahling im März 2019 als Geschäftsführer für den Bereich eingestiegen.

IZ: Das heißt, es läuft jetzt alles wieder ruhig und routiniert?

Kelber: Also ruhig ist es ja nie. Intern geht es bei uns auch darum, neue Führungsstrukturen einzurichten. In dem Sinne, dass sich der Führungsgedanke schlicht und einfach geändert hat. Da geht es nicht mehr von oben nach unten in einem eher autoritären Stil, wie wir das von früher kennen. Zu uns kommen Leute, die sind fachlich hervorragend ausgebildet, haben – anders als zum Beispiel ich – ein immobilienwirtschaftliches Studium hinter sich. Sie haben sehr eigene Vorstellungen und Ansprüche. Die Aufgabe der Führung ist es zunehmend, ein Umfeld zu schaffen, wo sich diese Leute wohlfühlen, um kreativ und erfolgreich sein zu können.

IZ: Die werden ja ganz schön verwöhnt! Bestimmt, weil sie so rar sind.

Kelber: Natürlich sind sie rar, da haben wir doch alle in der Branche, ob groß oder mittelständig, zu kämpfen. Das ein oder andere, was da personell in der Branche geschieht, geht nach meiner Einschätzung bestimmt auch darauf zurück.

IZ: Sie meinen JLL?

Kelber: Grundsätzlich müssen Unternehmen innovativ und einfach spannend sein, um Mitarbeiter für sich zu begeistern. Und natürlich, um auf dem sich verändernden Markt zu bestehen.

IZ: Welche Wege gehen Sie da?

Kelber: Wir werden mit der neugegründeten Crowdinvestment-Plattform German Crowd Estate eine dritte, digitale Vertriebsschiene eröffnen.

IZ: Crowdinvesting machen ja mittlerweile nicht wenige und immer erfolgreich ist es auch nicht...

Kelber: Wie werden das in einer ganz anderen Weise machen. Wir haben mit OneCrowd einen etablierten und breit aufgestellten Mezzanin-Finanzierungspartner, der sich um diesen Sektor als Digitalexperte kümmert. Die Dr. Lübke & Kelber wiederum bringt ihr ganzes Wissen bei Akquise und Asset-Management ein. Der Unterschied zu vielen anderen ist: Jeder von uns stellt sein ganzes Profi-Know-how zur Verfügung. Und wir haben das Investment zu 100% finanziert und bleiben immer mit einem gewissen Prozentsatz beteiligt. Wer mitmachen will, kann mitmachen, wenn nicht, dann machen wir das alles selbst. Möglich wird das vorerst für die Geschäftsfelder Wohnimmobilien, Einzelhandel und andere Gewerbe-Assetklassen.

IZ: Fühlen Sie sich damit gut vorbereitet für die künftigen Zeiten, wenn der Boom vorbei ist?

Kelber: Natürlich wird es Marktbereinigungen beim Wohnen geben. Und 15 Euro/qm werden dann nicht mehr zu erzielen sein. Allerdings: Gewohnt wird immer, egal, wie die Konjunktur ist. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und ein soziales Gut, das alle brauchen. Ich bin überzeugt, dass wir da noch einige besondere Entwicklungen erleben werden. Ich glaube, es wird eine Wiedergeburt der Werkswohnungen geben, weil Unternehmen bezahlbare Wohnungen für ihre Mitarbeiter brauchen. Jedenfalls wird der Neubaubedarf so schnell nicht abebben. Deshalb werden wir auch Anfang des kommenden Jahres zu den herkömmlichen Vertriebswegen Selbstnutzern und Kapitalanlegern einen digitalen Vertrieb ausschließlich für Neubauwohnungen anbieten. Auch hier ist wieder alles von uns vorher durchfinanziert. Weitere Details werden wir dann zu Anfang des Jahres mitteilen.

IZ: Mit Neubau sind Sie dann auch auf der sicheren Seite, was das ganze Thema Mietmarktregulierung angeht. Was das neue Jahr in der Hinsicht bietet, ist ja eher ungewiss. Es kann einen Bruch der Großen Koalition geben, neue Bündnisse mit anderen wohnungspolitischen Vorstellungen. Wie stellen Sie sich darauf ein?

Kelber: Ganz grundsätzlich: Was immer da auch geschehen wird, das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Politik ist verloren, auf Jahre hin verloren. Woher wollen wir denn so genau wissen, dass es nicht auch noch bald weitere Regulierungen gibt? Ein Mietendeckel, der vielen Menschen schadet, auch denen, die sich auf eine sichere Altersvorsorge über Wohnimmobilien verlassen hatten, ist ja offenbar auch möglich. Es geht auch um die Art und Weise, wie da Politik gemacht wird. Ständig wurde beschlossen, dann noch mal nachgelegt, eine Regulierung jagte die nächste. Das ist einfach nicht tragbar.

IZ: Welches politische Szenario erwarten Sie nun?

Kelber: Normalerweise müsste man denken: Das neue Führungsduo der SPD ist ja wegen des Ausstiegs aus der Großen Koalition gewählt worden. Also sollten und müssten sie das dann auch tun – oder was meinen Sie? Danach könnte es vielleicht ein schwarz-grünes Bündnis geben. Ob dies dann dem Wohnungsmarkt aus unserer Sicht Besseres bringt? Ich kann es Ihnen nicht sagen.

IZ: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Jutta Ochs.

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