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Projekte | 12.12.2019

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Wasserstadt Limmer darf Conti-Bauten nicht abreißen

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Nach dem Urteil sollen die denkmalgeschützten, aber nitrosaminbelasteten Conti-Gebäude hinter dem Conti-Turm zunächst stehen bleiben.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Das Verwaltungsgericht Hannover hat eine Klage der Wasserstadt Limmer verworfen. Sie will die nitrosaminkontaminierten Industriedenkmale des Reifenherstellers Continental abreißen, weil eine Umnutzung unwirtschaftlich sei. Das Gericht weist auf Alternativen hin.

Vor 20 Jahren hat Continental seine Reifenproduktion in Hannover-Limmer aufgegeben. Im Frühjahr wurde der erste Kran auf dem 24 ha großen Areal aufgestellt, um die ersten von 2.000 Wohnungen zu bauen, die hier in den nächsten zehn Jahren entstehen sollen. Neben dem 60 m hohen, als Schornstein entstandenen Conti-Turm im Zentrum des Areals finden sich lediglich noch im Süden bauliche Zeugen der nahezu 100-jährigen Reifenfertigung.

Mauerwerk ist mit N-Nitrosaminen belastet

Unstrittig ist der Erhalt des Verwaltungsgebäudes an der Wunstorfer Landstraße. Hingegen will die Wasserstadt Limmer, die Grundstücksgesellschaft in Händen des Bauunternehmers Günter Papenburg, die Produktionsgebäude am Stichkanal Hannover-Linden abreißen. Papenburg begründet sein Abrissbegehren mit der Verseuchung des Mauerwerks mit N-Nitrosaminen in Folge der Reifenherstellung. Eine Nachnutzung sei unwirtschaftlich.

"Wenn wir 30 Mio. Euro hätten, könnten wir das Dach durch 3.000 qm Wohnen ersetzen und die Geschosse darunter als Parkhaus nutzen", hatte Jörg Jungesblut, Geschäftsführer der Wasserstadt Limmer Projektentwicklung, im Mai gegenüber der Immobilien Zeitung erklärt. "Aber da brauchen wir noch 10 Mio. Euro Zuschüsse." Die Anteile der Wasserstadt Limmer Projektentwicklung gehören zu je 50% Günter Papenburg sowie der blue orange, einer Projektentwicklungstochter der Volksbank Braunschweig Wolfsburg (BraWo).

Die Stadt Hannover hatte das Abrissbegehren im August zurückgewiesen, die Wasserstadt Limmer klagte gegen diese Ablehnung. Am Dienstag hat das Verwaltungsgericht Hannover das Abrissbegehren zurückgewiesen und die Klage auch. Der Vorsitzende Richter Andreas Kleine-Tebbe begründete die Klageabweisung mit zwei Argumenten.

Kaufangebot eines Projektentwicklers nicht geprüft

Die Klägerin könne sich auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit schon allein deshalb nicht berufen, weil sie diese bereits in Kenntnis der Belastung und des Denkmalschutzes 2005 erworben habe. "Wenn ich aber sehenden Auges eine Schrottimmobilie kaufe, kann ich Jahre später nicht mangelnde Wirtschaftlichkeit geltend machen", zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) den Richter.

Eine Genehmigung zum Abriss eines Denkmals gebe es zudem nur, wenn der Erhalt nicht wirtschaftlich zumutbar sei und auch eine Verwertung nicht möglich. Letzteres stellte der Richter in Frage, weil es ein Kaufangebot der bekannten hannoverschen Projektentwickler Dirk Felsmann und Gert Meinhof aus dem Sommer gebe. Tatsächlich hatten die Projektentwickler angeboten, die Industriebauten für einen Euro zu übernehmen und durch Abschirmung der schadstoffbelasteten Wände innen eine Wohnnutzung möglich zu machen.

Laut HAZ stellte der Anwalt der Wasserstadt Limmer, Christoph Eichhorn, die Ernsthaftigkeit des Kaufangebots in Frage. Der Richter hingegen wies darauf hin, dass es denkmalrechtlich die Verpflichtung der Wasserstadt Limmer sei, die Verhandlungen über ein solches Angebot aufzunehmen. Das sei nicht erfolgt.

Stadt lehnt Nutzung als Stadtarchiv ab

Papenburg hatte der Stadt Hannover im Oktober angeboten, die Fabrikbauten für ihr Archiv zu nutzen, für das neue Räume gesucht werden. Doch gegenüber dem Gericht lehnte die Verwaltung diesen Vorschlag auf Basis einer Reihe von Gründen ab.

Der Bauunternehmer kündigte nach HAZ-Angaben eine Berufung an, die vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg erfolgen müsste. Auch will er die Gebäude nicht verkaufen. Er habe Millionen für Entkernung und Absicherung investiert. Zudem: "Ich will das ganze Gelände bebauen und kann da keine Störenfriede gebrauchen."

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