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Projekte | 04.12.2019

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Berlin: Bebauung am Checkpoint Charlie auf den Weg gebracht

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
An der ehemaligen Sektorengrenze Checkpoint Charlie tummeln sich an 365 Tagen im Jahr die Touristen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Für Wohnungen, einen öffentlichen Stadtplatz sowie ein Museum, das an die Schrecken des Kalten Krieges erinnert, ist am ehemaligen innerstädtischen Grenzübergang Checkpoint Charlie der Weg frei gemacht. Der Berliner Senat hat gestern beschlossen, den Entwurf des Bebauungsplans 1-98 dem Abgeordnetenhaus zur Zustimmung vorzulegen. Der Entscheidung ist ein jahrelanges Tauziehen vorweggegangen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Stimmt das Parlament dem Papier zu, könnten auf dem 9.100 qm großen Areal 300 Wohnungen entstehen; 30% davon gemäß dem Kooperativen Baulandmodell der Stadt Berlin mit günstigen Mieten. Ferner ist der Bau eines 1.100 qm großen öffentlichen Stadtplatzes vorgesehen sowie ein 800 qm umfassendes Museum. Summa summarum sehen die Pläne gut 40.000 qm Fläche vor.

Haarscharf am Atomkrieg vorbei

Am Checkpoint Charlie, dem Herzen des heutigen Stadtteils Mitte, schrammte die Welt vor gut 58 Jahren haarscharf an einem Atomkrieg vorbei. Die Welt hielt den Atem an als sich am Sektorenübergang sowjetische und US-amerikanische Panzer gefechtsbereit gegenüberstanden. Auslöser war, dass DDR-Grenzer einen US-Gesandten nicht ungehindert in die Ostberliner Staatsoper gehen lassen wollten.

Heute schieben sich an 365 Tage im Jahr Heerscharen von Touristen über den geschichtsträchtigen Ort. Bratwurststände, Trabi-Taxis und Verkäufer von DDR-Memorabilia bestimmen das Bild. Schon lange ist der Stadt das Disneyland ein Dorn im Auge. Verboten sind mittlerweile Statisten in Uniformen der alliierten Siegermächte, die sich gegen Geld von Touristen fotografieren ließen.

Schulden gekauft

Entwickelt werden sollten die Filetgrundstücke ursprünglich schon Anfang der 1990er Jahre von CEDC, einer Gesellschaft, hinter der Ronald S. Lauder, milliardenschwerer Sohn der US-Kosmetikmagnatin Estée Lauder, stand. Lauder verabschiedete sich 1997 von dem Vorhaben. Und auch seine Nachfolger scheiterten. Ende 2015 nahm Heskel Nathaniel, Chef des Projektentwicklers Trockland, das Areal von der irischen Immobiliengruppe Cannon-Kirk in die Bücher. Der Entwickler sicherte sich die Grundschulden und ließ sich als Eigentümer vormerken.

Planen ließ er ein Hotel und das Museum – "auf Wunsch der Stadt" sowie Büros und Wohnungen. Die Entwürfe stammten aus dem Hause Graft Architekten. Doch schnell gab es Streit um die vorgestellten Pläne auf den Grundstücken in bester Citylage. Stadtplaner und Architekten kritisierten die Ideen des seit gut 30 Jahren in Berlin tätigen Entwicklers mit israelischen Wurzeln. Und forderten herausragende städtebauliche Entwürfe an einem herausragenden Ort. Auch das Unternehmen Trockland selbst wurde kritisiert. Die Zeitungen schrieben über Investoren mit komplizierten Firmennetzwerken in Steueroasen wie Luxemburg und Zypern.

Im Sommer 2018 stellte das Landesdenkmalamt das Areal dann unter Schutz. Danach müssen 1.000 qm frei und unbebaut bleiben damit der Schrecken des Ortes nicht mit 08/15-Architektur in Vergessenheit gerät.

Nun hat das Abgeordnetenhaus das Wort

Ende vergangenen Jahres dann entschied der Berliner Senat neu zu planen. Ob das Hotel gänzlich vom Tisch oder mittels Zusatzvereinbarungen doch noch möglich wird, scheint offen. "Es ist gelungen, den Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie in nur einem Jahr zu erstellen und damit die öffentlichen Ziele planungsrechtlich zu sichern", freute sich Berlin Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linken) gestern.

Nun hat das Abgeordnetenhaus das Wort. Bis zum 14. Februar muss der B-Plan das Landesparlament passiert haben. Dann nämlich läuft eine sogenannte Veränderungssperre aus. Anders ausgedrückt: Im Raum steht, dass Nathaniel auf Teilen des Areals dann bauen darf was er will. Büros statt Wohnungen zum Beispiel.

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