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Märkte | 19.11.2019

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Wo lauert die Gefahr für den Cityhandel?

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Theda Eggers
Das Theo in Husum wurde am 9. Oktober geöffnet und sorgt bisher für überdurchschnittliche Umsätze.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Theda Eggers

Das Theo in Husum gehört zu den ganz wenigen Shopping-Centern, die 2019 in Deutschland eröffnet wurden. Weil die Konkurrenz für den stationären Innenstadthandel nicht mehr auf der grünen Wiese liege, sondern ganz woanders, will Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz durchsetzen, dass die Beschränkungen für innenstadtrelevante Sortimente bei peripheren Einzelhandelsagglomerationen aufgegeben werden.

"Der Umsatz der Mieter im Theo ist über Plan und die benachbarten Geschäfte verzeichnen eine mindestens 10% höhere Frequenz." Gut vier Wochen nach der Eröffnung des 12.000 qm großen Shopping-Centers Theo in Husum zieht Peter Cohrs beim Live City Summit zur Entwicklung des Einzelhandels eine positive Bilanz für die eingeschossige Mall mit 35 Geschäften an der 1a-Lage Großstraße. Cohrs ist Geschäftsführer und mit seiner Familie Eigentümer des Modehauses CJ Schmidt und zudem Initiator und Investor des Theo.

"...bei allem Genöle im Einzelhandel..."

"In Husum kann man sehen, dass - bei allem Genöle im Einzelhandel - sich jemand traut, direkt gegenüber seinem gut laufenden Hauptgeschäft so ein Projekt anzupacken", würdigt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) etwas flapsig den Unternehmergeist von Cohrs. Daher gebe es Mittelstädte, die "so aussehen wie Husum, und solche, die aussehen wie Schleswig". Die Hertie-Immobilie in Schleswig steht seit 2009 leer.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Peter Cohrs besitzt mit seiner Familie mehrere Modegeschäfte in Husum und ist Miteigentümer des Theo.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

"Wenn wir den städtischen Erlebnisraum als Mix von Wohnen, Kultur, Gastronomie und Handel erhalten wollen, müssen wir uns auf der gesetzgeberischen Ebene fragen, was zu tun ist", verweist Cohrs auf den Wettbewerb durch den Onlinehandel. Er kritisiert die Dominanz von Amazon, das als Händler und Plattform über 50% des deutschen Online-Umsatzes kontrolliere. Der Husumer Einzelhändler regt an, die Kartellgesetzgebung aus den 1950er Jahren zu modernisieren. "Keine Standards akzeptieren und keine Steuern zahlen" sei zudem unfair gegenüber dem stationären Handel.

"Experimentieren, um mit der unvorhersehbaren Zukunft umzugehen"

Der frisch gekürte Vorsitzende der Geschäftsführung der Drogeriekette dm, Christoph Werner, betont hingegen: "Der Erfolg von Amazon ist nicht, dass es sich nicht an die Gesetze hält, sondern die konsequente Kundenorientierung." Werner berichtet von einem digitalen Pilotprojekt bei dm. Wenn Kunden sich nicht die Zeit nehmen wollen, ihre Einkäufe im Laden selbst zusammenzustellen, können sie ihren Einkaufszettel online abgeben und ihre Ware nach vier Stunden abholen. Diese Idee müsse nicht der Weisheit letzter Schluss sein. "Grundsätzlich geht es darum, zu experimentieren, um mit der unvorhersehbaren Zukunft umzugehen."

Buchholz bestätigt, dass es bei "Amazon Richtung Marktbeherrschung geht. Das muss man kontrollieren." Weniger kontrollieren hingegen will der frühere Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr die Sortimente peripher angesiedelten, großflächigen Einzelhandels. Für die Neufassung des Landesentwicklungsplans (LEP) plant Buchholz, die Regulation des Angebots innenstadtrelevanter Sortimente für periphere Einzelhandelsagglomerationen aufzugeben.

Dissens über Sortimentsbeschränkungen

"Sortimentsbeschränkungen sind anachronistisch, wo die eigentliche Konkurrenz heute doch ganz woanders liegt." Die These, dass großflächiger Einzelhandel an der Autobahn den Tod für den Innenstadthandel bedeute, werde durch das 2012 eröffnete Designer Outlet Neumünster widerlegt. "Der Einzelhandel in Neumünster floriert seitdem."

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Christoph Werner, Chef von dm (l.) und Bernd Buchholz, Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Buchholz' Ansatz und Beispiel wird umgehend widersprochen. "Meine Erfahrung ist nicht, dass große Fachmarktzentren hilfreich für die Innenstadt sind", betont Martin Mörl, Geschäftsführer von Prelios Immobilien Management, die das Theo betreiben. Er verweist auf den starken Wettbewerb für die Kieler Innenstadt durch den Citti-Park und den Ostseepark Schwentinental oder für die Lübecker Altstadtinsel durch Citti-Park und den von Ikea betriebenen Centerstandort LUV. "Es geht vielmehr heute darum, die Innenstädte zu stärken."

Theo steht an der besten Stelle der Stadt

Nach der Diskussion war zu hören, dass Buchholz die Rolle der 2015 von ECE eröffneten Neumünster Galerie unterschlagen habe. Zudem mache im Einzelhandel in Neumünster aktuell keiner Luftsprünge. Auch Cohrs sagt: "Ich stimme Minister Buchholz nicht zu." Es sieht durch die stärkere Verdichtung von Innenstädten durch mehr Wohnen vielmehr eine wachsende Bedeutung für zentral gelegenen Einzelhandel.

Der Architekt des Theo, Ekkehard Voss von Tchoban Voss Architekten, würdigt zunächst, dass man das Theo "an der besten Stelle der Stadt" bauen durfte - "maximale Zentralität" - und merkt an, dass "Factory-Outlets für Frequenz Potemkinsche Dörfer erzeugen müssen. Warum auf der grünen Wiese? Warum nicht zentraler? Wie beim Designer Outlet Wolfsburg etwa." Ein Standort in Husum könne etwa im Quartier Norderstraße liegen, wo es Leerstände in den Erdgeschossen gibt und Pläne zur Nachverdichtung seitens der Stadt.

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