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Unternehmen | 11.11.2019

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Dortmund
  • Unternehmen:
    Signal Iduna
  • Organisationen:
    Landgericht Dortmund
  • Personen:
    Anno August Jagdfeld, Thomas Fritsch, Willi Pawel, Edzard Bennmann, Hanno Weiberg
  • Finanzprodukte:
    Fundus Fonds 31

Jagdfeld-Klage gegen Signal Iduna wird zum Sitzungsmarathon

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld (r.) fordert von Signal Iduna Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Im Schadenersatzprozess des Immobilienunternehmers Anno August Jagdfeld gegen die Dortmunder Versicherung Signal Iduna gingen nach über einem Jahr Unterbrechung die Zeugenbefragungen weiter. Die Fronten zeigten sich verhärtet.

Der Prozess, den Adlon-Entwickler Anno August Jagdfeld wegen einer angeblichen Rufmordkampagne gegen die Versicherung Signal Iduna anstrengt, ging am heutigen Montag vor dem Landgericht Dortmund in die nächste Runde. Im Kern geht es um die Frage, inwieweit sich Signal Iduna das Handeln des 2012 verstorbenen Anlegeranwalts Thomas Fritsch zurechnen lassen muss. Dieser hatte als Vertreter einer Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger mit verbalen Ausfällen gegen Jagdfeld Stimmung gemacht, versucht ihn als Geschäftsführer des Adlon-Fonds abzusetzen und Strafanzeigen gegen ihn gestellt, die aber nicht zur Entscheidung angenommen wurden.

Jagdfeld und seine Anwälte sehen die Versicherung als treibende Kraft hinter den Handlungen des Anlegeranwalts. Der Immobilienunternehmer fordert daher in zwei getrennten Verfahren Schadenersatz, einmal als Geschäftsführer des Fundus-Fonds Nr. 31 (Adlon-Fonds) und einmal in eigener Sache. Die Gesamtsumme der Schadenersatzforderung wegen Rufmords beläuft sich auf über 1 Mrd. Euro, wobei der deutlich größere Anteil auf Jagdfeld selbst entfallen würde. Das laufende Verfahren ist jedoch lediglich eine Feststellungsklage, die über die Berechtigung der Forderung entscheidet. Über die Entschädigungshöhe müsste in einem möglichen zweiten Prozess entschieden werden.

Vernichtete Akten und ein toter Anwalt

Erschwert wird die Arbeit der Kammer unter dem Vorsitz von Richter Willi Pawel dadurch, dass die Akten der Schutzgemeinschaft nach dem Tod von Fritsch durch dessen Nachlassverwalter vor Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist vernichtet worden waren, wie sich im Rahmen einer separaten Klage auf Herausgabe durch eine Adlon-Anlegerin im vergangenen Jahr herausgestellt hatte. Arm an Akten ist der Prozess in Dortmund dennoch nicht: Am Montag wurde unter anderem aus Blatt 2.734 zitiert. Zwölf Zeugen waren seit Februar 2018 bereits gehört worden, mindestens elf weitere sollen noch aussagen.

Den Auftakt für die Fortsetzung der Zeugenaussagen bildete ein seinerzeit bei Signal Iduna im Beteiligungsbereich tätiger Prokurist, der mittlerweile pensioniert ist. Er wurde bereits zum dritten Mal zur Sache vernommen. Die Jagdfeld-Anwälte versuchten, dem Zeugen Widersprüche nachzuweisen, etwa wegen nicht erwähnter Telefonate oder Abweichungen in den zeitlichen Abläufen. Dieser gab zu bedenken, dass er sich nur unvollständig an teilweise zehn Jahre zurückliegende Vorgänge erinnern könne. Signal Iduna, so die Aussage des Zeugen, habe seines Wissens weder die Schutzgemeinschaft gegründet noch auf deren satzungsmäßige Ziele Einfluss genommen. „Den Zeitpunkt der Einreichung der Strafanzeige habe ich nicht mit Fritsch besprochen“, beharrte der Zeuge.

In diesem Moment ergriff Jagdfeld selbst das Wort: „Die Frage ist doch, ob Sie diese Strafanzeige hätten verhindern können!“ Signal-Iduna-Anwalt Hanno Weiberg warf ein, dass Jagdfeld die Anzeige seinerzeit als „Sturm im Wasserglas“ bezeichnet habe. Der wiederum konterte, es habe aufgrund der Anzeige „ein Riesentheater gegeben, ohne dass es dafür einen Grund gab“. Er und seine Familie hätten jahrelang unter den Folgen gelitten. „Und Sie hätten das stoppen können!“ Richter Pawel bemerkte, dass es sich bei den Ausführungen Jagdfelds um ein Plädoyer handeln würde und bat ihn, die Befragung des Zeugen fortzusetzen.

Rufmordkampagne oder Inszenierung?

Mit Blick auf den ersten Tag der Prozessfortsetzung erklärte Signal-Iduna-Sprecher Edzard Bennmann: „Der Zeuge wurde heute zum dritten Mal gehört und hat bestätigt, dass die Vorwürfe von Herrn Jagdfeld haltlos sind. Es handelt sich um eine weitere Episode der Jagdfeldschen Inszenierung, wobei die Vorwürfe immer absurder werden.“ Die Gegenseite sieht das naturgemäß komplett anders: Das nur selektive Erinnern des Zeugen mache ihn in hohem Maße unglaubwürdig.

Für die weiteren Zeugenaussagen sind 14 Verhandlungstage angesetzt. Da einmal die Woche verhandelt wird, wird sich der Prozess mindestens noch bis Frühjahr 2020 ziehen. Auf Richter Pawel und seine Kolleginnen kommt also noch einige Arbeit zu. „Worte und Realität sind immer zwei Paar Schuhe“, bemerkte der Vorsitzende trocken. Am Ende die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, bleibe die Aufgabe der Kammer.

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