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Politik | 07.10.2019

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesregierung Deutschland
  • Personen:
    Sebastian Grieme

"Eine klimaschädliche Wirtschaft hat keine Zukunft mehr"

Urheber: Patrick Mikulski
Sebastian Grieme bei einer Kundgebung von Fridays for Future in Berlin.

Urheber: Patrick Mikulski

Immobilieneigentümer müssen sich warm anziehen. Das macht ein Interview der Immobilien Zeitung mit Sebastian Grieme klar. Der Klimaaktivist ist eines der deutschen Gesichter von Fridays for Future und fordert die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Klimaschädliche Immobilien werden für ihn bald zu "stranded assets".

Herr Grieme, am 20. September hat das Klimakabinett der Bundesregierung sein Maßnahmenpaket gegen den Klimawandel vorgestellt. Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen?

Sie sind nicht nur enttäuschend, sondern ein schlechter Witz. Erst wird monatelang beraten und dann kommt so etwas dabei heraus. 10 Euro pro Tonne CO2 sind als Einstiegspreis viel zu wenig. Nach wissenschaftlichen Berechnungen müssten es anfänglich 50 Euro sein, um die Klimaziele der Regierung einzuhalten, die selbst schon viel zu schwach fürs Pariser Abkommen sind. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist der Preis nochmal höher anzusetzen und schnell auf 180 Euro pro Tonne CO2 anzuheben.

Aber eine CO2-Bepreisung ist für Sie grundsätzlich das richtige Instrument?

Ja, begleitet von anderen Maßnahmen. Wir favorisieren jedoch eine CO2-Steuer gegenüber dem von der Bundesregierung vorgeschlagenen Zertifikathandel, weil sie schneller umsetzbar wäre.

Welche flankierenden Maßnahmen wünschen Sie sich im Gebäudesegment?

Die genaue Gestaltung muss die Politik übernehmen. Wir wollen da keine konkreten Vorgaben machen. Aber klar ist: Bei einer energetischen Sanierungsrate im deutschen Gebäudebestand von derzeit 1% pro Jahr müssen wir eine Vervielfachung erreichen. Es ist noch nicht unattraktiv genug, auf uralte Technologien zu setzen. Außerdem müssen die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Es wäre möglich, unsere Energieversorgung bis zum Jahr 2035 vollständig klimaneutral zu gestalten. Doch noch immer werden Milliardensummen in fossile Energieträger investiert. Dieses Geld fehlt dann später für Klimaschutzmaßnahmen.

Was erwarten Sie von der Immobilienwirtschaft?

Mehr Engagement. Klimaschutzmaßnahmen sollten nicht nur als bloße Zwänge betrachtet werden. Immobilieneigentümer können sicher sein, dass klimaschädliche Gebäude in der Zukunft als stranded assets massiv an Wert verlieren werden. Das kann ganz schnell gehen. Vieles ist schon mit den heutigen technischen Möglichkeiten zu erreichen. Neben den Emissionen ist auch die Klimafreundlichkeit der Baustoffe relevant. Weiter abzuwarten ist jedenfalls keine Option für die Immobilienbranche. Wir hören nicht damit auf zu kämpfen, bis die Politik endlich auf das 1,5-Grad-Ziel einschwenkt. Bis 2035 muss der Immobiliensektor dekarbonisiert sein. Eine klimaschädliche Wirtschaft hat keine Zukunft mehr.

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