Anfang des Jahres sorgt eine Meldung für Aufsehen. Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet will die Expo Real, Deutschlands wichtigste Immobilienmesse, ins Revier holen. Schnell erteilen die Münchner Messegesellschaft und viele Aussteller diesem Plan eine Absage: München ist schön, kurz vor der Messe lädt das Oktoberfest zu einem Besuch ein und an schönen Tagen sind vom Messegelände sogar die Gipfel der Alpen zu sehen.

In Gipfelregionen befindet sich auch die Expo Real in diesem Jahr. Mit 2.127 Ausstellern kommen so viele Unternehmen, Institutionen, Kommunen und Länder auf die Messe wie nie zuvor. Ganz oben zu sein bedeutet allerdings auch, dass es ein paar Schritte weiter oft steil bergab geht. So wird das Thema Abschwung wohl in den Diskussionen einen breiten Raum einnehmen. In vielen Branchen sind Abkühlungstendenzen deutlich erkennbar – nicht so in der Immobilienwirtschaft.

„Was die Beteiligung angeht, spüren wir nicht im Ansatz eine krisenhaften Entwicklung", sagt Messechef Klaus Dittrich. Auch geschäftlich läuft es nach wie vor. Fast 80% der Immobilienunternehmen erwarten für dieses Jahr ein eher gutes Ergebnis, 14% sogar ein Rekordjahr. Das ergab eine Umfrage der Messe unter 1.880 Messeteilnehmern im Juli. Allerdings geht nur noch etwas mehr als die Hälfte der Befragten von steigenden Investitionssummen aus. Vor zwei Jahren waren es 62%. „Die Stimmung ist weiterhin positiv, allerdings steigt die Wachsamkeit gegenüber der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung", meint Dittrich. Seit Jahren begleite die Messe die Frage nach dem Ende des Booms. „Zumindest bei der Beteiligung an der Expo Real sehen wir keine Trendwende.

Neu hinzukommende Unternehmen bestätigen diese Einschätzung. Zum ersten Mal dabei ist beispielsweise der Discounter Aldi Süd. Auf einem mehr als 250 m2 großen Stand präsentiert das Lebensmittelunternehmen seine Immobilienstrategie auf der Grand Plaza in der Halle C2. Premiere auf der Messe feiert ebenso das ägyptische Unternehmen Orascom. Die Orascom Development Holding baut Freizeitimmobilien wie Golfplätze, Yachthäfen und Hotels, ist auch im Wohnungsmarkt aktiv. Nach eigenen Angaben betreibt die Gruppe 33 Hotels mit fast 7.200 Zimmern und kontrolliert rund 101 Mio. m2 Land. Auf der Messe wird Orascom unter anderem sein Projekt in Montenegro vorstellen. An der Adriaküste entsteht ein Ferienort mit Wohnungen, Stadthäusern, sieben Hotels, zwei Yachthäfen, Golfplatz, Restaurants und Geschäften.

Das Thema Coworking darf natürlich nicht fehlen. Mit WeWork ist einer der größten Anbieter in diesem Bereich erstmals vertreten. Grund für Gespräche mit dem Büroraumanbieter dürfte es genug geben. Zum einen haben die sich Coworker zu einer starken Nachfragekraft entwickelt, zum anderen kommen vor allem in den USA Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells auf. WeWork schreibt rote Zahlen und hat seinen Börsengang verschoben, weil Investoren offenbar nicht bereit sind, den geforderten Preis für die Aktien zu bezahlen. Im ersten Halbjahr stand immerhin ein Verlust von 690 Mio. Dollar in den Büchern.

Die zunehmende Bedeutung von Pflege- und Gesundheitsimmobilien hat die französische Orpea-Gruppe bewogen, dieses Jahr als Neuling an der Expo Real teilzunehmen. Das Unternehmen betreibt 950 Pflege- und Gesundheitseinrichtungen mit rund 96.500 Betten in ganz Europa, Brasilien und China. Auch der Berliner Entwickler Terragon, der sich auf die Entwicklung von altengerechten Wohnungen spezialisiert hat, wird zum ersten Mal auf der Expo Real vertreten sein. Dazu passt, dass bei der Juli-Umfrage der Messe 64% der Teilnehmer angaben, dass Gesundheits- und Pflegeimmobilien in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen. Erst danach folgt das Wohnen, das auf der Expo Real seit Jahren seinen festen Platz hat. Die Themen Stadtentwicklung, Mieten und bezahlbares Wohnen spiegeln sich im Konferenzprogramm wider.

Die Messe trägt dem wachsenden Flächenbedarf mit einer Erweiterung Rechnung. In der Nova3 getauften Halle A3 haben digitale Zukunftsthemen ihren Platz. Auf der sogenannten Tech Alley finden Besucher 75 Start-ups aus dem Immobilienbereich – zehn mehr im Vergleich zum Vorjahr. Von den etablierten Unternehmen sind zum Beispiel Drees & Sommer und ImmobilienScout in die neue Halle umgezogen, die zudem ein eigenes Forum mit den dazugehörigen Konferenzen bekommt.

Auslöser für die Erweiterung sei die Enge in den bestehenden Hallen gewesen, erläutert Dittrich. Das gute Wetter in den vergangenen Jahren habe eine Überfüllung etwas vermieden, da sich viele Messebesucher im Freien aufhielten. Auch die neuen Aussteller und die Nachfrage nach mehr Flächen von manchen etablierten Ausstellern hätten eine weitere Halle notwendig gemacht. Damit umfasst die Messe nun sieben Hallen mit zusammen 72.250 m2 Fläche. Münchens Anziehungskraft ist also ungebrochen, wer will da ins Ruhrgebiet umziehen?