Eine solche Vorgabe hat die Messe München dieses Jahr erstmals in ihre Bestimmungen für Ausstellerveranstaltungen aufgenommen. Dort wird um Beachtung der Tatsache gebeten, dass es sich bei der Expo Real um eine "reine Arbeitsmesse" handele: "Tagesveranstaltungen sollen reine Arbeitsveranstaltungen sein. Veranstaltungen, die als Empfang oder Get-Together durchgeführt werden sollen, werden nicht genehmigt". Alle Veranstaltungen bis 19 Uhr sind Tagesveranstaltungen.

Die Messe München erklärt ihre Maßnahme mit dem Bemühen, die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse aller Aussteller zu vertreten. Größere Standparties, die schon nachmittags anfingen, seien in angrenzenden Ständen oft als Störung empfunden worden. Mit der neuen Verordnung wolle man bei den feierfreudigeren Ausstellern mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse anderer Aussteller schaffen und einen Rahmen bilden, in dem alle zufrieden sein könnten, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Gegen das eine oder andere Sektglas sei sicher weiterhin nichts einzuwenden.

Der Praxistest steht noch bevor

Wie hart die Messe ihre neuen Regeln durchsetzt, wird sich erst vor Ort in München zeigen. Thomas Beyerle, Professor an der Hochschule Biberach - die auf der Messe traditionell einen Sektempfang abhält -, äußert Verständnis für die Bemühungen der Organisatoren um mehr Ruhe im Betrieb: "Teilweise ist auf der Expo Real ab vier Uhr nachmittags in einigen Gängen wirklich kein einfaches Durchkommen mehr." Dass man jedoch selbst seine Hochschule angewiesen habe, den Sektempfang in den Abend zu verlegen, geht ihm zu weit. Schließlich entstehe die nachmittägliche Drängelei eher aus dem Bedürfnis nach Networking und Kommunikation als nach Alkoholkonsum. Letzterer sei wiederum oft auch fester Bestandteil eines Messeauftritts: "Dem Stand der Stadt München beispielsweise würde mit einem Verbot des Alkoholausschanks zur Mittagszeit fast schon die kulturelle Identität entzogen."

Den Veranstaltern rät Beyerle, mit einer strengen Auslegung ihrer Bestimmungen erst im kommenden Jahr zu beginnen: "2020 wird es nicht nur weniger Erfolge geben, sondern auch weniger Besucher, denn die konjunkturelle Situation wird nicht besser. Aber vielleicht braucht dann der eine oder andere umso dringender ein Glas Nervennahrung...".