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Märkte | 18.09.2019

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:
  • Personen:
    Claudia Boymanns, Klaus Dittrich
  • Immobilienart:
    Wohnen, Einzelhandel, Logistik, Senioren-/Pflegeimmobilien, Büro

Branche verliert beim Wohnen das Vertrauen in den Markt

Quelle: Immobilien Zeitung
Das aktuelle Stimmungsbarometer der Münchner Messe zur Expo Real zeigt, dass die Branche nach wie vor keinen Abschwung erwartet.

Quelle: Immobilien Zeitung

Zum dritten Mal hat die Messe München für ihr Stimmungsbarometer Teilnehmer der Expo Real nach ihren Einschätzungen gefragt. Im Fokus stehen die Themen bezahlbares Wohnen, Zinsen und der Brexit. Vor allem beim Wohnen vertrauen immer weniger Unternehmen auf die Marktwirtschaft.

Mit 2.127 Ausstellern kommen so viele Unternehmen, Institutionen, Kommunen und Länder auf die Messe wie nie zuvor. Damit wächst die Zahl der Aussteller gegenüber dem Vorjahr um 32. "Was die Beteiligung angeht, spüren wir nicht im Ansatz eine krisenhafte Entwicklung", sagt Messechef Klaus Dittrich. Die Stimmung sei weiterhin positiv, allerdings steige die Wachsamkeit gegenüber der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wider, die die Messe im Juli unter 1.880 Messeteilnehmern durchgeführt hat. Fast 80% der Immobilienunternehmen erwarten für dieses Jahr ein eher gutes Ergebnis, 14% sogar ein Rekordjahr. Allerdings geht nur noch etwas mehr als die Hälfte der Befragten von steigenden Investitionssummen für Immobilien in Deutschland aus. Im vergangenen Jahr waren es noch 62%.

Fast 40% wollen mehr Regulierung

"Gleichwohl verunsichert das Brexit-Chaos und wir sehen, dass die Niedrigzinspolitik polarisiert", sagt Dittrich. Er rechnet damit, dass die politischen Entwicklungen in den Diskussionen auf der Messe dieses Jahr mehr Raum einnehmen werden. Insbesondere die Frage nach bezahlbarem Wohnraum haben die Messeteilnehmer in der Vorabumfrage der Messe als das Topthema in diesem Jahr gesetzt.

Bemerkenswert dabei ist, dass die Immobilienakteure in diesem Bereich nicht mehr auf die private Marktwirtschaft vertrauen. Jeder zweite Befragte glaubt nicht, dass der Markt und die privaten Unternehmen das gesellschaftliche Problem lösen können. Vielmehr würden 39% eine zielführende Regulierung in diesem Bereich unterstützen. Zwei Drittel empfehlen zudem, verstärkt mit den Kommunen und der Politik zu kooperieren. Die Regulierung scheint demnach kein Teufelszeug mehr zu sein. Nur 7% der Befragten wollen wegen zu viel Regulierung künftig mehr in Büroimmobilien anstatt in Wohnungen investieren.

Pflegeimmobilien gewinnen an Bedeutung

Gefragt nach den Nutzungsarten, die in Deutschland zukünftig eine größere Bedeutung erlangen werden, landet der Wohnungsbau ohnehin nur noch auf Platz zwei. Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sehen in Gesundheits- und Pflegeimmobilien den weitaus interessanteren Markt der Zukunft. Im Vorjahr reichte es für diese Assetklasse nur für den dritten Platz.

Etwas mehr als 50% sehen gemischt genutzte Immobilien als kommende Nutzungsart, dahinter folgen das Mikrowohnen und die derzeitige Trend-Assetklasse Logistikimmobilien. Handelsimmobilien spielen dagegen nach dieser Befragung künftig keine große Rolle mehr.

Wohnungen und Zinsen sind die Topthemen

Uneinig sind sich die Messebesucher nach wie vor über den Fluch oder den Segen der Nullzinspolitik. Jeweils die Hälfte freut sich über die niedrigen Zinsen oder verflucht sie, wohl in der Gewissheit, dass das dicke Ende noch kommen kann.

Ansonsten spielen die Zinsen nicht die wichtigste Rolle in der Branche. Auf die Frage nach den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Immobilienbranche in Europa nannten 57% das momentane Thema bezahlbares Wohnen. Erst danach kommen die Zinsen, der Flächenmangel, die fehlenden Fachkräfte und die Digitalisierung.

Das zweite gesellschaftliche Aufregerthema, der Klimaschutz, landet dagegen mit 37% aller Nennungen auf dem siebten und letzten Platz, noch hinter dem Liquiditätsdruck internationaler Investoren. Noch hat die Klimadiskussion also wenig Einfluss auf die Branche. Künftig könnte sich das ändern. Claudia Boymanns, Projektleiterin der Expo Real, beobachtet schon heute immer mehr Anfragen etwa zum Thema Holzbau.

Der Brexit wird langsam zum Thema

Wenn die Messe startet, dauert es nur noch knapp einen Monat, bis die Briten wahrscheinlich ohne Netz und doppelten Boden aus der Europäischen Union ausscheiden werden. So langsam macht sich der Brexit auch bei den deutschen Immobilienunternehmen bemerkbar. In der neuesten Umfrage gaben immerhin 20% der Messeteilnehmer an, dass sie im Falle eines No-Deal-Brexits mit massiven Folgen für ihr Geschäft rechnen. Für fast 20% hat das britische Chaos immerhin Auswirkungen auf das Geschäft und knapp ein Drittel der Befragten gab an, ihre Investmentstrategie bereits angepasst zu haben. Vor zwei Jahren hatten sich nur 13% der Unternehmen auf den Brexit eingestellt.

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