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Märkte | 18.09.2019

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Statistisches Bundesamt (Destatis), Bundesverband der Regionalbewegung (BRB)
  • Personen:
    Heiner Sinde
  • Immobilienart:
    Einzelhandel, Industrie

2039 macht der letzte deutsche Bäcker dicht

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke
Künftige Generationen werden Metzger, Bäcker, Bauern und Wirte nur noch im Wachsfigurenkabinett bewundern können, befürchtet die Regionalbewegung.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke

Im Jahr 2037 macht in Deutschland der letzte Metzger dicht, 2039 sind die Bäcker ausgestorben, 2036 die Bauern und bereits 2034 alle Wirtshäuser hierzulande. Hochgerechnet anhand der aufgegebenen Betriebe der vergangenen Jahre hat das der Bundesverband der Regionalbewegung (BRB). Um das Szenario zu verhindern, fordert der Verband ein milliardenschweres Bundesprogramm Regionale Wertschöpfung.

Um auf die drohenden Tode der Handwerksberufe und seine weitreichenden, negativen Folgen hinzuweisen, stellte der Verband heute Morgen je einen Vertreter der bedrohten Handwerksberufe öffentlichkeitswirksam in einen Plexiglaskasten auf den Pariser Platz am Brandenburger Tor in Berlin zur Schau. Schnell versammelten sich Heerscharen von Touristen um diese "Attraktion", zückten die Handys und schossen mit dem Fleischer und seiner Wurst, der hübschen Bäckerin und dem Vollkornbrot, dem Gastwirt mit Bier in der Hand sowie dem Landwirt mit Mistforke ihre Selfies.

Rote Liste Nahversorger

Doch die Aktion Rote Liste Nahversorger sei kein Passantengaudi, betont
Verbandsvorsitzender Heiner Sinde. Fleischer, Bäcker, Gastwirte und Landwirte seien Garanten lebenswerter Städte. Und akut bedroht. Basierend auf Zahlen des Statistischen Bundesamts ergibt sich für die vier ausgewählten Bereiche der Nahversorgung eine alarmierende Realität, schüttelt Sindel, Betreiber eines fränkischen Gasthauses, betrübt den Kopf. Die Zahl der Bäcker hat sich von 1998 bis 2018 um 49% reduziert. Im Fleischerhandwerk sind im gleichen Zeitraum ebenfalls 49% der Betriebe geschlossen worden. Die Anzahl kleiner landwirtschaftlicher Betriebe (bis 50 ha Fläche) ist seit Mitte der 1990er Jahre um 48% zurückgegangen. Für Wirtshäuser ist der Rückgang mit 59% seit 1994 am dramatischsten. "Wenn kein Umdenken und entsprechendes Handeln stattfindet, dann sind diese Berufe in 15 bis 20 Jahren Geschichte."

Ohne Handwerker keine lebenswerten Städte

"Kleine Lebensmittelhandwerker seien aber ein unerlässliches Element im regionalen Wirtschaftskreislauf", betont Heiner Sindel. Ohne ihre Arbeit gäbe es keine lebenswerten Städte.
"Todesursachen" seien zu wenige Fachkräfte, fehlende Nachfolge, zeitfressende Bürokratie, steigende Preise für Pacht und Kauf von landwirtschaftlichen Flächen sowie fehlende Wertschätzung von Handwerksberufen. Ein Ausweg aus dem Dilemma seien strikte regionale Strukturen, erläutert der Gastwirt. Jede Großstadt und jeder Landkreis einen Schlachthof, eine Mühle, eine Brauerei zählt der Vorsitzende auf, denn kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher sorgen für weniger Verkehrsströme und sparen Energie.

Bundesprogramm Regionale Wertschöpfung

Dazu sei "ein rigoroses Umdenken in der Förderpolitik nötig, von der heute wenige Alphatiere der Lebensmittelindustrie auf Kosten des Handwerks und der bäuerlichen Landwirtschaft profitieren". Damit sich Kleinbetriebe in diesem "Haifischbecken" behaupten können, müssten überbordende bürokratische Auflagen zurückgefahren werden.

Gleichzeitig fordert die Regionalbewegung, ein "Bundesprogramm Regionale Wertschöpfung" aufzulegen, das nicht nur Lippenbekenntnis für die kleinen Handwerksbetriebe ist, sondern adäquat mit Finanzmitteln in Milliardenhöhe ausgestattet ist, um über eine Gießkannenförderung hinaus tatsächlich Teil zukünftiger Klimaschutzmaßnahmen zu werden.

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