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Projekte | 07.08.2019

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Flughafen in Parchim ist pleite

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Die Betreibergesellschaft des Flughafens ist pleite.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Die Betreibergesellschaft des Flughafens Schwerin-Parchim ist pleite. Die Pläne für ein Airport Village mit Luxus-Shoppingcenter, Hotel, Wellness, Gastronomie und einem neuen Terminal sind damit Makulatur.

3.000 Touristen aus Fernost. Jeden Tag. In Jumbos mit mehr als 300 Passagieren. Das war der Plan am zukünftigen Parchim International Airport in der Weite des südlichen Mecklenburg-Vorpommerns.
Initiator der hochtrabenden Pläne war Jonathan Pang, ein chinesischer Geschäftsmann und Chef der Speditionsfirma Henan Link Global International Logistics aus der chinesischen Hauptstadt Peking.

Im September 2007 hatte Pang dem Landkreis Parchim das 850 ha große Areal für 30 Mio. Euro abgekauft. Zuvor waren nach Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1992 alle Versuche, den Airport mit neuem Leben zu füllen, gescheitert. Die Touristenmaschinen nach Bulgarien und Mallorca blieben leer. Es gab einfach zu viele kleine Regionalflughäfen, um mit normalem Passagierbetrieb ausreichend Geld zu verdienen. Doch Pang versprach, erst ein internationales Luftfrachtdrehkreuz zwischen Asien und Europa am Rande der rund 18.000 Einwohner zählenden Stadt einzurichten.

Luxus-Outlet-Center für Chinesen

Als das nichts wurde folgte die Idee für den ganz großen Wurf - mit Luxus-Outlet-Center für Bekleidung, Schuhe, Handtaschen, Uhren und Schmuck auf 12.000 qm Fläche plus Hotelanlage.
Shoppingtourismus nach Europa stehe bei wohlhabenden Chinesen hoch im Kurs, lautete die Begründung für das Husarenstück. Der Stadt Parchim würden dadurch keinerlei Kosten entstehen, beteuerten beide Seiten. Das wurde in einem städtebaulichen Rahmenvertrag festgeschrieben. Parchims Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) glaubte tapfer an das Gelingen der hochfliegenden Ideen. "Die Pläne sind von allen Beteiligten professionell und strukturiert angegangen worden. Der Investor zeigt großes Interesse an der Umsetzung", hieß es seinerzeit aus dem Rathaus.

"Die Ära Pang ist in Parchim beendet"

Mittlerweile ist der Christdemokrat klüger. Ernüchtert sagt er ins Telefon: "Die Ära Pang ist in Parchim beendet." Doch ganz so einfach ist das nicht. Insolvenz angemeldet hat die Gesellschaft Baltic Airport Management, die Betreibergesellschaft des Flughafens Schwerin-Parchim, erläutert Bettina Schmudde. Die Anwältin von der Kanzlei White & Case ist vom Amtsgericht Schwerin als Insolvenzverwalterin bestellt worden. In dieser Gesellschaft, die Schmudde retten und verkaufen soll, ist das größte Pfund des kleinen verschlafenen Airports zu Hause: Der Flughafen Schwerin-Parchim ist im Besitz einer Nachtflugerlaubnis. 24 Stunden am Tag dürfen Flugzeuge starten und landen.

Wo ist Jonathan Pang?

Nicht pleite, und das ist das Problem, ist die Pang-Gesellschaft, der der Flughafen gehört. "Damit hat die Insolvenzverwalterin eine 24-Stunden-Flugerlaubnis, aber keinen Flughafen", seufzt Flörke. Doch Schmudde hat Trost parat. "Ja", sagt sie, die Aufteilung von Genehmigung und Liegenschaften auf zwei Gesellschaften, von denen nur die eine Insolvenz angemeldet hat, stimmt. Es gäbe aber juristische Möglichkeiten, auch an den Airport zu gelangen. "Den Zugriff auf das Grundstück habe ich", sagt die Insolvenzverwalterin selbstbewusst. Derzeit versucht die Fachfrau, die das Gericht mittlerweile von der vorläufigen zur endgültigen Insolvenzverwalterin bestimmt hat, die Fäden zusammenzuführen. Gut und hilfreich dazu wäre, mit Herrn Pang reden zu können. Doch wo der steckt, weiß sie genauso wenig wie Dirk Flörke.

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