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Transaktionen | 16.07.2019

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Berlin: Deutsche Wohnen gibt klein bei

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
Vehement wehrten sich die Bewohner der Karl-Marx-Allee gegen den Verkauf an Deutsche Wohnen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

670 Wohnungen an der Berliner Karl-Marx-Allee gelangen ins Eigentum des Landes Berlin. Deutsche Wohnen hat dabei klein beigegeben. Statt dem börsennotierten Unternehmen kann beim Verkauf der Wohnblöcke C-Nord, C-Süd sowie D-Nord nun die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag zum Zuge kommen.

Gewobag hat das Vertragsangebot für den Erwerb von drei von fünf Wohnblöcken gemeinsam mit dem Verkäufer Predac beurkundet, teilte das Presse- und Informationsamt des Landes mit. Inhalt des Kontrakts ist die unverzügliche Übernahme aller Wohnungen und Gewerbeeinheiten, die noch nicht von Mietern erworben worden sind. Die Deutsche Wohnen unterstütze den Vertrag.

Als im vergangenen November bekannt geworden war, dass Deutsche Wohnen fünf Wohnblöcke von Predac an der Karl-Marx-Allee erwerben wollte, hatte sich Widerstand gegen den Abschluss des Geschäfts erhoben. Während nun drei der Blöcke an Gewobag gehen, hat für einen vierten Block die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) ihr Vorkaufsrecht ausgeübt, da er im Millieuschutzgebiet liegt. Für den fünften Block hat das Land Berlin eine einstweilige Verfügung erstritten, die den Verkauf an Deutsche Wohnen verhindert. Über diesen Block sollen noch Gespräche stattfinden.

Die Berliner Politik verkauft den Erwerb durch Gewobag als Erfolg gegen rasant steigende Mieten in der Stadt. Der regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) freut sich, dass der Kauf ein erster Schritt zum Gelingen seiner Strategie "Bauen, Kaufen, Deckeln" sei. Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) lobt die "unkonventionellen Wege" die die Mieter in ihrem Kampf gegen eine Übernahme der Bestände durch die Deutsche Wohnen seit Anfang des Jahres gegangen seien.

Juristische Winkelzüge der Vergangenheit führten zum Dilemma

Ursprünglich waren die in den 1950er Jahren errichteten sozialistischen Prestigebauten Eigentum des Volkes. Doch nach der Wende verkaufte die WBM die schmucken Wohngebäude an der ehemaligen Stalinallee, um mit dem Erlös einen Teil der Altschulden abzutragen. Ein Gutteil der Blöcke, die sich vom Strausberger Platz bis über das Frankfurter Tor hinaus erstrecken, ging damals an Depfa Immobilien Management, aus welchem Unternehmen Predac hervorging. Die damaligen Mieter wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Vorkaufsrecht, das ihnen zustand, nahm kaum jemand wahr. Vertraglich wurde jedoch vereinbart, dass die Mieter im Falle einer erneuten Veräußerung weiterhin das Vorkaufsrecht haben. Ein Vorkaufsrecht hätte eigentlich auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, auf dessen Terrain sich die Blöcke befinden. Dieses wurde allerdings offenbar dadurch ausgehebelt, dass Predac zwischenzeitlich die Wohnungen in Wohnungs- und Teileigentum umwandeln ließ. Die Genehmigung dafür erteilte das zuständige Bezirksamt, wohl nicht ahnend, dass damit im Falle einer Veräußerung das Vorkaufsrecht des Bezirks nicht greifen würde. Denn das gilt nur für den Kauf eines bebauten oder unbebauten Grundstücks, nicht aber für Eigentumswohnungen.

Durch die Filetierung der Blöcke konnte Predac in das Bieterverfahren zum Verkauf einsteigen, ohne Gefahr zu laufen, dass der Bezirk dem Unternehmen in die Quere kommen würde. Das ist das Ergebnis der Recherchen der eifrigen Mitstreiter vom Mieterbeirat der Karl-Marx-Allee. Die Mieter befürchten höhere Preise und eine Verdrängung durch neue Eigentümer der Eigentumswohnungen.

Ein guter Tag für Berlin

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) ist nach langen rechtlichen Prüfungen der Gemengelage froh, verhindern zu können, dass "Siedlungen oder Blocks von Fonds zu Fonds oder von Konzern zu Konzern herumgereicht werden." Das sei ein guter Tag für Berlin. Das Land unterstützt Gewobag beim Erwerb finanziell. Über die Höhe des Kaufpreises wurden keine Angaben gemacht.

Nachtrag: Nach Informationen der Immobilien Zeitung verfügt der von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) erworbene Wohnblock D-Süd über 80 Wohn- und 8 Gewerbeeinheiten.

Transaktion: Berlin, Karl-Marx-Allee
Transaktion: Berlin, Karl-Marx-Allee 92

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