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Digitales | 03.07.2019

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Proptechs sind gekommen, um zu bleiben

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Über 2.000 Teilnehmer zog die Mipim Proptech Paris im zweiten Jahr ihres Bestehens an. Wie ein Ende des Proptech-Hypes klingt das nicht.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Wer gedacht hat, dass Proptechs eine Modeerscheinung sind, wurde auf der Mipim Proptech Paris eines Besseren belehrt. Die Besucherzahlen der Start-up-Events steigen kontinuierlich, die weltweiten Investitionsvolumina ebenso. Gute Geschäftsideen kommen durchaus aus Europa, das Geld aber vorwiegend aus den USA.

Rund 21 Mrd. USD an Wagniskapital wurden 2018 in Proptechs investiert, allerdings entfielen davon gut 6 Mrd. USD allein auf den Coworkinganbieter WeWork. Da zudem die Anzahl der Proptechneugründungen in einigen Regionen sank, spekulierte manch einer schon über ein Ende des Technologiehypes. Doch davon ist nichts zu spüren.

"Das weltweite Finanzierungsvolumen in Proptechs hat zur Jahreshälfte 2019 den Vorjahreswert weit überschritten. Das laufende Jahr dürfte besser werden als 2018, vermutlich sogar besser als 2017", sagte Roelof Oppermann, Manager beim kalifornischen Wagniskapitalgeber Fifth Wall, diese Woche auf der zweiten Mipim Proptech in Paris, die am Dienstag zu Ende ging.

Besucherzahlen der Proptechmessen steigen

Die Proptechmesse des Veranstalters Reed Midem ist mit über 2.000 Teilnehmern aus 41 Ländern das größte Netzwerkevent seiner Art auf dem europäischen Kontinent. Vergangenes Jahr fand sie zum ersten Mal an einem kleineren Austragungsort statt, damals waren es rund 500 Teilnehmer weniger.

In ähnlicher Größenordnung spielt die Londoner Future Proptech, die jährlich im Mai stattfindet. Sie begann vor vier Jahren, als kaum jemand den Begriff Proptech kannte, mit rund 50 Teilnehmern und erreichte dieses Jahr ebenfalls gut 2.000. Die Immobilienmesse Expo Real wiederum verlegt ihren Proptechbereich dieses Jahr in eine komplette zusätzliche Halle, die dem Thema Innovation gewidmet ist.

Stetiges Wachstum ist wahrscheinlicher als plötzliche Disruption

Die Beratungsfirma PwC stellte auf der Mipim Proptech Paris eine Studie vor, in der sie die Zukunftschancen der immobilienwirtschaftlichen Start-ups untersucht hat. Große Möglichkeiten sieht PwC unter anderem bei Software zur Koordination von Bauvorgängen, Plattformen für die private Hausfinanzierung, digitalen Maklermodellen, Programmen zur Immobilienverwaltung und zur Digitalisierung von Mietprozessen sowie für Plattformen zur Vermittlung von Mietgarantien.

Drei Szenarien hat PwC durchgerechnet: Dass die Proptechs heimlich, still und leise absterben, ist dabei das unwahrscheinlichste. Nicht viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie plötzlich der angestammten Immobilienwirtschaft das Geschäft wegnehmen. Dazu sind die Geschäftsmodelle der Proptechs zu kleinteilig, sie lösen oft nur einzelne Probleme innerhalb komplexer Wertschöpfungsketten. "Die kontinuierliche digitale Transformation ist das wahrscheinlichste Szenario", sagte Mathilde Hauswirth, Partnerin bei PwC Frankreich, die mit ihren Kollegen die Studie vorstellte.

Europa hat die Ideen, aber die USA haben das Geld

Dass die Europäer nicht den nötigen kreativen Geist mitbringen, um ihren Beitrag zur digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft zu leisten, glaubt auf der Mipim Proptech in Paris niemand. Wieso aber kommen dann die milliardenschweren Proptechs bisher alle aus dem Ausland? "Wir haben eine Finanzierungslücke", sagt Rudy Aernoudt. Der Wirtschaftsprofessor berät als Chefvolkswirt die EU-Kommission unter anderem in Start-up-Fragen und hat das europäische Business-Angel-Netzwerk Eban gegründet.

"Es ist sehr leicht, mit der richtigen Idee bis zu 10 Mio. Euro Kapital in Europa zu bekommen", ergänzt Aernoudt. "Aber darüber hinaus wird es schwierig. Deswegen werden 45% aller erfolgreichen europäischen Start-ups am Ende mit US-amerikanischem Geld finanziert. Das wollen wir ändern." Die EU hat dazu im April das Programm Escalar auf den Weg gebracht, das mit einem Fördertopf von 410 Mio. Euro private und öffentliche Start-up-Investitionen von bis zu 6,5 Mrd. Euro anschieben will, quer über alle Sektoren. Aernoudt fordert die Immobilienbranche aber auch dazu auf, sich selbst stärker europäisch zu vernetzen und ihre Anliegen in Brüssel vorzutragen. "Lobbyarbeit ist kein schmutziges Wort", fügt er schmunzelnd hinzu.

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