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Politik | 25.06.2019

Von Volker Thies

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Frankfurt am Main
  • Organisationen:
    Stadt Frankfurt am Main, Caritas, Hochschule Geisenheim
  • Personen:
    Martin Hunscher, Mike Josef, Gaby Hagmans, Constanze Petrow
  • Immobilienart:
    Wohnen, Gewerbe allgemein

Frankfurter Bürger streiten über die Ziele der Stadtplanung

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies
Die zukünftige Entwicklung ihrer Stadt brennt vielen Frankfurtern auf den Nägeln. Das zeigte der große Besucherandrang im Kasino des Stadtplanungsdezernats.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Nach jahrelanger Vorarbeit gibt es nun ein Konzept für die Frankfurter Stadtentwicklung in den kommenden rund zehn Jahren. Eine kommunalpolitische Mehrheit hat das Planwerk allerdings nicht, und die Einwohnerschaft stellt höchst unterschiedliche Anforderungen an die Stadtplanung, wie jetzt eine Bürgerversammlung zeigte.

"Es gibt viele Ideen und Interessen, aber am Ende gibt es nicht die eine reine Lehre." In seinem Schlusswort fasste der Frankfurter Stadtrat Mike Josef (SPD) treffend zusammen, was sich in den zweieinhalb Stunden zuvor im Kasino des von ihm geleiteten Stadtplanungsdezernats abgespielt hatte. Josef hatte zum Bürgerforum über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Istek) eingeladen und rund 400 Einwohner waren gekommen, um sich mit dem kürzlich aufgestellten Planwerk zu befassen, das die Leitlinien für die Stadtentwicklung bis mindestens zum Jahr 2030 vorgeben soll.

Neue Nachbarn als soziale Bedrohung?

Die Ideen und Interessen, die in den Redebeiträgen zu Wort kamen, klangen tatsächlich vielfältig und oft auch widersprüchlich. Da war der langjährige Bewohner aus der Nordweststadt, der soziale Probleme befürchtet, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft ein neues Stadtviertel gebaut wird. Ihm stand die Mitarbeiterin der Caritas gegenüber, die sich vehement für gemischte Quartiere aussprach, in der auch Bewohner mit geringem Einkommen ihren Platz haben und auch solche, die soziale Betreuung benötigen. Da waren die jungen Vertreter der Klimaprotestbewegung Fridays for Future, die anregten, dass die Frankfurter Innenstadt spätestens 2030 komplett frei von motorisiertem Individualverkehr sein sollte.

Da war auch die FDP-Vertreterin aus einem Ortsbeirat, die nach der Finanzierung der Pläne zur Stadtentwicklung fragte. Da waren andere Kommunalpolitiker, die Maximalforderungen grundsätzlich ablehnten, weil für diese keine Mehrheiten zu bekommen seien. Und schließlich saßen hier und da im Publikum Vertreter der Immobilienwirtschaft, die sich zwar nicht zu Wort meldeten, aber sicher überlegten, was das alles für ihre Geschäftsinteressen bedeutet.

Stadtplanung magnetisiert die Massen

Alleine der Teilnehmerzustrom, der die Dezernatskantine an den Rand ihres Fassungsvermögens brachte, zeigte, dass das eher sperrige Thema Stadtplanung inzwischen auf ein reges öffentliches Interesse stößt. Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamts, erläuterte die verschiedenen Schwerpunkträume, in denen die Stadt Frankfurt im kommenden Jahrzehnt nach außen wachsen und nach innen verdichtet werden soll. Gegenüber der bisher schon angestellten Planung seien im Istek noch einmal Flächen für 20.500 Wohnungen hinzu gekommen. Darüber hinaus betonte Hunscher die Bedeutung von zusätzlichen Gewerbeflächen: "So wie wir es für das Wohnen bereits haben, brauchen wir auch eine Entwicklungsgesellschaft für Gewerbeflächen", sagte Hunscher.

Für viele die drängendste Frage: "Hast du eine Wohnung?"

Dass beim Wohnen besonderer Leidensdruck herrscht, machte Gaby Hagmans klar, die Direktorin der Caritasverbands Frankfurt: "Hast du Arbeit? Das ist für viele Menschen, die wir betreuen, nicht mehr die drängendste Frage, sondern: Hast du eine Wohnung?" Josef konnte ihr nicht versprechen, dass das Istek den Wohnungsmangel verringern und die Mieten bezahlbar halten wird. "Aber wenn wir nichts tun, werden die Mieten garantiert nicht günstiger", sagte er. Hagmans forderte darüber hinaus, dass in Wohnobjekten Freiräume bestehen bleiben, die die Bewohner selbst mit Nutzungen füllen können, beispielsweise in den Erdgeschossen. Das schaffe ein Heimatgefühl und damit sozialen Halt.

Constanze Petrow, Professorin an der Hochschule Geisenheim, pochte auf einen Umbau der Stadt mit Blick auf das veränderte Klima. Kühlung und Systeme zur Abpufferung von großen Regenmengen seien nötig. "Wenn das nicht funktioniert, dann brauchen wir auch keine neuen Wohnungen mehr, weil Frankfurt dann nicht mehr lebenswert ist", sagte Petrow. Von einer Gruppe Aktivisten, die sich für den Erhalt der Kleingärten am Günthersburgpark einsetzen, bekam sie dafür lauten Beifall. Allerdings ging die Professorin auf Distanz zu der Gruppe: Nach ihrer Meinung werde in der Diskussion um das Areal der Naturschutz oft vorgeschoben, um Einzelinteressen der Gartennutzer zu verfolgen.

Josef will den Wertzuwachs abschöpfen

Die wirtschaftliche Seite der Stadtplanung blieb während des Bürgerforums weitgehend ausgeblendet. Nur Josef betonte, dass er nach dem Vorbild Münchens eine Abschöpfung von Wertsteigerungen erreichen will, die Flächen durch die Überplanung als Bauland erfahren. "Ein Drittel für den Eigentümer, zwei Drittel für die Allgemeinheit, die die Wertsteigerung durch das Schaffen von Planungsrecht überhaupt erst ermöglicht", nannte Josef sein Ziel. Was Eigentümer und Projektentwickler davon halten, blieb an diesem Abend ungesagt.

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