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Projekte | 01.04.2019

Von Brigitte Mallmann-Bansa

In diesem Artikel:

    Strabag plant Unterwasser-Wohnprojekt im Starnberger See

    Quelle: Strabag Real Estate GmbH
    Ein Taucherteam von Strabag Real Estate bei der Erkundung von Precontinent II vor Port Sudan im Roten Meer.

    Quelle: Strabag Real Estate GmbH

    April, April: Bei dieser Meldung handelte es sich um einen Aprilscherz. Weder im Starnberger See noch andernorts plant hierzulande ein Unternehmen zurzeit ernsthaft, unter Wasser Wohnraum zu errichten. Wir, die Immobilien Zeitung bedanken uns bei Strabag Real Estate für die gute Idee!

    Strabag Real Estate plant Unterwasserwohnungen in Deutschlands Binnengewässern zu errichten. Das erste Projekt soll im Starnberger See verwirklicht werden. Bereits seit Anfang der 1960er Jahr experimentieren zahlreiche Nationen, darunter auch Deutschland mit der Station Helgoland, mit dem Wohnen unter Wasser.

    Die Idee unter Wasser zu gehen sei im vergangenen Jahr im SRE Barcamp Innovation entstanden, so Rainer M. Schäfer, Geschäftsführer von Strabag Real Estate (SRE). Bei der Suche nach Mitteln, um den Baulandmangel in den deutschen Metropolen zu bekämpfen, sei man irgendwann auf den hohen Anteil an Wasserflächen in vielen Städten gestoßen. „6,73% beträgt der Anteil der Wasser- an den Bodenflächen in Berlin, in Bremen sind es sogar 12,41%“, rechnet Schäfer vor. „Was wäre, wenn man dieses Potenzial für den Wohnungsbau heben könnte?“ In der Folge sei ein fünfköpfiges Team unter Leitung von Detlev Neuhaus, Bereichsleiter Hannover bei SRE, damit beauftragt worden, die Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens zu prüfen.

    Cousteaus Precontinent II als Anschauungsobjekt

    „Wir haben uns vom Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau inspirieren lassen“, erklärt Neuhaus gegenüber der Immobilien Zeitung (IZ). Cousteau hatte bereits in den 60er Jahren mehrere Unterwasserwohnungen errichtet, um seine Forschungen zur Optimierung von Tauchgängen voranzutreiben. In der aus mehreren Gebäuden bestehenden Anlage Precontinent II zum Beispiel, die Cousteau vor rund 55 Jahren im Roten Meer vor Sudan errichtet hatte, konnten bis zu fünf Menschen wochenlang bis zu 25 m unter dem Meeresspiegel leben.

    Die Strabag-Arbeitsgruppe „Nautilus“ besuchte nicht nur die mittlerweile aufgegebene Anlage, sondern besprach die dort gewonnenen Erkenntnisse mit Ingenieuren der japanischen Baufirma Shimizu. Das Unternehmen, vor allem bekannt durch den Bau des dritten Terminals am Changi Airport Singapur, stellte bereits 2015 seine sogenannte Ocean Spiral - eine Art Unterwasserstadt - vor: ein aus Acrylglas gefertigtes Konstrukt mit einer Wohnkugel für rund 4.000 Menschen, mit einer Spirale am Meeresboden befestigt.

    Unterwasserstadt für 4.000 Menschen in Japan

    „Einen Komplex für 4.000 Menschen werden wir in Deutschland sicherlich nicht so bald sehen - wenn überhaupt“, fasst Neuhaus zusammen. Aber es sei klar geworden, dass auch kleinere Anlagen nicht nur technisch möglich seien, sondern dass man sie auch je nach Entwicklung der oberirdischen Grundstückspreise rentabel betreiben könne. „Wichtig ist dabei, nicht zu tief zu gehen, weil der Druckausgleich mit zunehmender Tiefe immer teurer wird und sich die Anbindung an die notwendige Infrastuktur verkompliziert.“

    In Deutschland habe man zwei Seen mit einer idealen Kombination aus naturgegebenen Rahmenbedingungen und steigender Baulandpreise gefunden: den Wannsee in Berlin und den Starnberger See in Oberbayern. Während in der Bundeshauptstadt die behördliche Zuständigkeit von offizieller Seite bislang nicht geklärt werden konnte, stieß man bei Eva John, Erste Bürgermeisterin Starnbergs, schnell auf offene Ohren. „Wir sind eine der reichsten Gegenden dieses Landes und dürfen uns Innovationen, die eine Antwort auf die drängendste Frage unserer Zeit, die Wohnungsknappheit, sein könnte, nicht verschließen“, sagt John gegenüber der IZ. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Anders als in Berlin wird bei uns nicht nur vom Bauen geredet, wir tun es auch.“

    Vier Gemeinden unterstützen das Projekt

    Der Starnberger See bietet an seiner tiefsten Stelle 127,7 m und ist damit nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen bestens für das Bauen unter Wasser geeignet. Die Strecke vom Grund bis zur Wasseroberfläche lässt genügend Raum für die notwendige Infrastruktur. Zudem ist der See bereits gut erforscht. Gefahrenstellen wie die Allmannshauser Wand, eine rund 80 m hohe Steilklippe unter Wasser an der im Schnitt jedes Jahr ein Taucher sein Leben lässt, sind bekannt und können in die Projektplanung einbezogen werden. Mit einer Fläche von gut 56 qkm ist der Starnberger See zudem nicht zu groß, um vom Ufer die Versorgung sowohl zunächst der Baustelle als auch später der Bewohner sicherzustellen.

    Unterstützung erhält Eva John von ihrer Amtskollegin Marlene Greinwald aus Tutzing. Die Chefin der etwas südlicher am See gelegenen 10.000-Einwohner-Gemeinde hat sich der von insgesamt vier Seegemeinden getragenen Arbeitsgruppe „Land unter“ angeschlossen, die gemeinsam mit der SRE und dem Bayerischen Heimatministerium die nächsten Schritte vorbereiten soll. „Wenn an Land kein Platz mehr ist, müssen wir Land eben an anderer Stelle suchen“, erklärt Greinwald. „Dabei gehen wir gerne voran. Bayern wird seiner Führungsrolle nicht nur an Land gerecht, sondern selbstverständlich auch unter Wasser.“

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