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Projekte | 05.02.2019

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Mediterraneo in Bremerhaven wird zum Outlet

Urheberin: Theda Eggers
Das Mediterraneo hat bereits den Village-Charakter vieler Outlets.

Urheberin: Theda Eggers

Das Einkaufszentrum Mediterraneo in den Havenwelten wird wohl noch in diesem Jahr zum Outlet umgebaut. Die Pläne von Eigentümer AVW Immobilien genießen die Unterstützung der Stadt Bremerhaven. Zwei Drittel der Outletflächen sind bereits reserviert.

Richtig gut ist die Shoppingmall Mediterraneo nie gelaufen. Im Oktober 2008 wurde das 45-Mio.-Euro-Projekt von AVW Immobilien mit rund 45 Läden auf 8.600 qm eröffnet - und sollte eigentlich an einen institutionellen Investor verkauft werden. Die Finanzkrise machte einen Strich durch die Rechnung. Gedacht war das im Stil eines mediterranen Städtchens mit Plaza unter großer Glaskuppel als Blaupause für weitere Projekte dieser Art.

Flächenzuschnitt passt für ein Outlet

Das hat nicht funktioniert, weil das Mediterraneo selbst nicht funktioniert hat. „Der Flächenzuschnitt ist für ein Center untypisch“, sagt Joachim Will, Geschäftsführer von ecostra, einem Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Standortentwicklung im Einzelhandel. „Alles klein, klein. Es fehlen große Flächen. So würde man ein Outlet machen.“

Darauf ist vor einiger Zeit auch AVW gekommen. Das Mediterraneo ist inzwischen die letzte Einzelhandelsimmobilie des in Hamburg-Rothenburgsort ansässigen Immobilienunternehmens. AVW hat sich in den letzten Jahren stärker auf Wohn-, Hotel- und Mixed-Use-Immobilien konzentriert.

Marken haben Bremerhaven nicht auf der Agenda

Michael Mertmann, seit zwei Jahren Vorstand bei AVW, verweist auf die verschiedenen Herausforderungen für das Mediterraneo, der Onlinehandel, aber auch die der Käuferschaft in Bremerhaven: unterdurchschnittliche Kaufkraft, überdurchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung und Arbeitslosigkeit. „Viele Marken haben Bremerhaven überhaupt nicht auf der Expansionsagenda. Factory-Outlet war bei vielen Gesprächen hingegen immer wieder Thema.“

Das Mediterraneo liegt inmitten der Havenwelten, die in den letzten 15 Jahren auf früheren Hafenflächen entstanden sind. zur Nachbarschaft gehört das Klimahaus, das Auswanderermuseum oder der Zoo am Meer. Aktuell gibt es erste Pläne, das 2009 eröffnete Edutainmentcenter Klimahaus für 11 Mio. Euro zu modernisieren und mit einer spektakulären Extremwetterabteilung zu versehen.

Shopping ist ausbaufähig

Mertmann erklärt, dass bei Umfragen unter Touristen zudem der hohe Stellenwert der Shoppingmöglichkeiten immer wieder betont werde. „Und da fällt die Resonanz für Bremerhaven am schlechtesten aus“. Das Outlet werde das Einkaufserlebnis stärken und Sortimentslücken füllen.

Dabei nutzt AVW eine Cima-Studie von 2016, die bestimmte Sortimente identifiziert hat, die in Bremerhaven fehlen. Das würdigt auch Stadtsprecher Volker Heigenmooser: „Mit dem Einzelhandelsgutachten ist keine Kollision zu erwarten.“ Danach gibt es Sortimentslücken etwa im Bereich Sportartikel und -bekleidung. „So gelingt es uns, Marken nach Bremerhaven zu holen, die sonst einen Bogen um den Standort machen“, so Mertmann. Zwei Drittel der Outletflächen sind bereits reserviert. Schwerpunkt des Angebots wird Mode sein, dazu Schuhe, Sportmoden, Haushaltswaren, Badtextilien und Süßwaren.

Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte

„Den Anteil der Gastronomie wollen wir von heute etwa 22% auf rund 15% reduzieren“, erläutert der AVW-Vorstand. „Dabei wollen wir aber die Potenziale der Wasserseite stärker nutzen.“ In der zweiten Jahreshälfte soll das Outlet eröffnet werden. Das kann auch deshalb so rasch klappen, weil „das aktuelle Baurecht eine Nutzung als Outletcenter zulässt“, bestätigt Heigenmooser und verweist darauf, dass der Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) ein Outlet im Zentrum der touristischen Aktivitäten begrüßt, zumal damit eine Belebung der Innenstadt erfolgen könnte.

„9.000 qm sind allerdings nicht sonderlich groß“, gibt Will zu bedenken. „Man bräuchte noch ein paar Quadratmeter.“ Das sieht Mertmann anders. „Wir wollen erst mal den Bestand zum Fliegen bekommen. Wir haben uns mit Oliver Maronna von 1A-Outlet zusammengetan. Die sind auf innerstädtische, kleine Outlets spezialisiert.“ Auch ein neuer Name soll her.

Modell für andere Center?

Wann der Umbau beginnen wird, hängt von den weiteren Verhandlungen mit den Bestandsmietern ab. „Einige Stores eignen sich für den Verbleib, wie etwa Eterna.“ Andere seien individuelle Boutiquen und für den Verbleib nicht geeignet. „Verfügbare Flächen gibt es in Bremerhaven genug - auch gegenüber im Columbus Center.“ Auch mit den Vertretern des 1971 eröffneten Hochhauskomplexes mit Wohnungen und Einkaufspassage will Mertmann den Kontakt suchen.

Die Umbaukosten liegen im einstelligen Millionenbereich - auch wegen der outletaffinen Struktur mit Village-Charakter und Komplettüberdachung. Eine Blaupause für andere Center, die AVW noch in der Verwaltung hat, sei das Projekt nicht, „einfach, weil jedes Center zu individuell ist“.

Will hingegen verweist darauf, „dass wir solche Umnutzungen noch häufiger sehen werden, weil immer mehr Shoppingcenter in die Krise kommen“. Wenn der B-Plan attraktiv sei und es keine Ausschlüsse zentrenrelevanter Sortimente gebe, „dann ist ein Outlet bei neun von zehn Betreibern eine Option“.

Verkaufsentscheidung fällt später

Ob AVW seine letzte Einzelhandelsimmobilie verkauft, soll entschieden werden, wenn das Outlet angelaufen ist. „Auch ein gutes Outlet wird ein bis drei Jahre benötigen, bis es richtig eingespielt ist“, sagt Mertmann. „Vorher ist die Entscheidung über einen Verkauf oder ein Halten meines Erachtens nicht sinnvoll zu beantworten.“

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