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Märkte | 14.01.2019

Von Robin Göckes

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesverband deutscher Baustoff-Fachhandel, Pestel-Institut
  • Personen:
    Matthias Günther, Stefan Thurn
  • Immobilienart:
    Wohnen, Senioren-/Pflegeimmobilien

Graue Wohnungsnot macht Investitionen von 50 Mrd. Euro nötig

Quelle: pixabay.com Urheber: Emanuele Crava
Wohl dem, der als Senior in einem Haus mit Aufzug wohnt. Der nachträgliche Einbau wird nämlich meist teuer.

Quelle: pixabay.com Urheber: Emanuele Crava

In einer Studie prognostiziert das Pestel-Institut einen dramatisch steigenden Bedarf an altersgerechten Wohnungen. Allerdings werden die Rentner von morgen weniger Geld zur Verfügung haben als noch heute, warnt das Institut.

Deutschland steuert in den kommenden Jahren auf einen erheblichen Mangel an altersgerechten Wohnungen zu. Das ergibt eine Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), die heute auf der Baumesse in München vorgestellt wurde. Nach den Daten des Instituts werden ab dem Jahr 2035 rund 24 Mio. Menschen zur Altersgruppe "65plus" gehören. Das sind etwa 6 Mio. mehr als heute. Bis 2030 müssten vor diesem Hintergrund bundesweit rund 3 Mio. altersgerechte Wohnungen zusätzlich gebaut werden, davon alleine in Bayern rund 470.000. Das mache insgesamt eine Investitionssumme von satten 50 Mrd. Euro aus.

Beim Neubau müsse der Fokus verstärkt auf altersgerechte Immobilien gelegt werden. "Ein Großteil der Seniorenwohnungen wird allerdings durch den Umbau vorhandener Wohnungen entstehen müssen: Deutschland steht vor einem neuen Baujahrzehnt des altersgerechten Sanierens", glaubt BDB-Präsident Stefan Thurn. Besonders der Bedarf an kleinen und bezahlbaren Seniorenwohnungen werde enorm steigen.

Umzugswelle von Senioren steht bevor

Das Pestel-Institut prognostiziert zudem eine Seniorenumzugswelle. Die kommende Rentnergeneration werde deutlich weniger Geld zur Verfügung haben als die heutigen Senioren. "Für die Senioren von morgen wird es finanziell eng. Eine ganze Generation mit deutlich niedrigeren Renten trifft dann auf steigende Wohnkosten", sagt Matthias Günther, Leiter der Pestel-Studie. In der Folge seien in Zukunft viele Senioren gezwungen, die eigene Wohnfläche mit Hilfe eines Umzugs zu reduzieren.

Derzeit liege die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf bei 46,5 qm. Senioren lägen heute oft oberhalb dieses Durchschnitts. So geht die letzte Mikrozensuserhebung zur Pro-Kopf-Wohnfläche bei Seniorenhaushalten sogar von 59 qm aus. Doch wenn Senioren heute bereit seien, aus ihrer Wohnung auszuziehen und eine kleinere Wohnung suchen, dann scheitere dies an den Mietkosten. "In der Regel finden sie keine kleinere Wohnung für eine niedrigere Miete. Und wer sich seine bisherige Mietwohnung nicht mehr leisten kann, wird gerade in den teuren Städten häufig gezwungen sein, nicht nur die Wohnung zu wechseln, sondern mit der Wohnung auch den Wohnort", sagt Günther.

Staat soll mehrere Milliarden Euro Fördermittel bereitstellen

Er und seine Kollegen plädieren in ihrer Studie dafür, in Städten ein bezahlbares Seniorenwohnen anzubieten. Für einkommensschwache Haushalte mit Wohneigentum müsse es Wohnberatungen geben, besonders auch im ländlichen Raum. Ältere Menschen bräuchten zudem bei der Organisation von Umbauten und Umzügen Unterstützung. Und auch neue Wohnformen wie etwa gemeinschaftliches Wohnen müssten propagiert werden. Der Staat müsse den "Grauen Wohnungsumbau" außerdem finanziell mit Fördermitteln in Höhe von 5,6 Mrd. Euro bis 2030 unterstützen, fordern die Wissenschaftler.

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