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Politik | 13.12.2018

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Hamburg
  • Unternehmen:
    Immobilienunternehmen Robert Vogel, Winking Froh Architekten
  • Organisationen:
    Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen, BFW-Nord, Bürgerinitiative SOS Mühlenkampkanal
  • Personen:
    Andreas Breitner, Franz-Josef Höing, Sönke Struck, Lars Hansen
  • Immobilienart:
    Wohnen

Bürger bremsen bezahlbares Wohnen in Winterhude

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Zwischen den drei 60 Jahre alten Hochhäusern und dem Mühlenkampkanal (grün) sollten 109 Wohnungen auf einer erneuerten Tiefgarage entstehen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

In einem Bürgerbegehren votierten über 71% gegen den Bau von 109 Wohnungen am Mühlenkampkanal in Hamburg-Winterhude. Das Immobilienunternehmen Robert Vogel plante hier frei finanzierten Wohnungsbau mit einer für fünf Jahre auf 9 Euro/qm begrenzten Miete. Die Gegner setzten sich für den Erhalt der Grünfläche ein

Selbst Oberbaudirektor Franz-Josef Höing hat sich in der Auseinandersetzung zwischen Anwohnern, der Bezirkspolitik und dem Investor Robert Vogel moderierend engagiert. Auf einem Grundstück am Mühlenkampkanal hatte das Immobilienunternehmen Robert Vogel 1961 drei Hochhäuser mit 200 Wohnungen auf einem früheren Fabrikgelände fertiggestellt. Entlang des Mühlenkampkanals entstand eine inzwischen marode und begrünte Tiefgarage.

Bezirkspolitik ist dafür, Anwohner dagegen

Im Rahmen des Neubaus beziehungsweise der Sanierung dieser Tiefgarage sollten auf dem Dach sieben versetzt zueinander entstehende Wohngebäude mit bis zu sieben Geschossen und über 100 Mietwohnungen entstehen. Der Clou: Für fünf Jahre sollten diese von den Winking Froh Architekten entworfenen Wohnungen für unter 9 Euro/qm Kaltmiete vergeben werden.

Während die Bezirkspolitik - bis auf die Linken - diesem Nachverdichtungsprojekt positiv gegenüberstand, organisierten sich Anwohner sowie Büronutzer des gegenüber liegenden Kanalufers in der Bürgerinitiative SOS Mühlenkampkanal und reklamierten den Erhalt des begrünten Kanalufers. Mit dem Bauprojekt würden etwa 100 Bäume fallen. Die für ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Grüns nötigen 7.115 Stimmen waren bis zum 8. Februar 2018 recht problemlos gesammelt worden. Während des Stimmensammelns konnte die Bezirkspolitik konnte eine Evokation des Projekts durch den Senat verhindern.

BI sieht Mogelpackung in fünfjähriger Befristung der niedrigen Miete

Begleitet vom Oberbaudirektor gab es im Sommer 2018 Verhandlungen. Die BI forderte eine maximale Höhe von drei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss. Höing steuerte das Konzept einer fünfgeschossigen Bebauung bei, einen Abstandsstreifen von fünf Metern zum Kanal, der - samt der vorgesehenen drei Steganlagen - öffentlich nutzbar sein sollte.

Die BI brach die Gespräche ab, weil man beim Investor keine Bewegung sehe. Zudem sei das Argument der auf fünf Jahre auf 9 Euro/qm begrenzten Mieten eine Mogelpackung. Der Vermieter werde die Mieterschaft so filtern, dass es nach fünf Jahren eine hohe Fluktuation geben werde und damit Neuvermietungen zu Marktpreisen. Da es sich um einen Neubau nach 2014 handele, gelte die Mietpreisbremse nicht.

Investor setzt auf weitere Gespräche

"Das Ergebnis zeigt, dass wir alle noch intensiver mit der gesamtgesellschaftlichen Frage befassen müssen, wo Wohnraum für wen entstehen soll", reagiert Lars Hansen, Geschäftsführer von Robert Vogel, diplomatisch auf die Abstimmungsniederlage, verweist aber auf drohende Gentrifikation. "Wenn wir auf diese Frage keine fairen und über alle Stadtteile verteilten Antworten finden, wird unsere Stadt den Städten folgen, in denen die Wohlhabenden in der Innenstadt wohnen und diejenigen, die es sich das nicht leisten können, in das Umland verdrängt werden." Hansen sieht den Bürgerbescheid nur als "Zwischenschritt". Man plane, "die Gespräche mit der Verwaltung, der Politik und den Bewohnern des Quartiers fortzusetzen".

Die Notwendigkeit intensiverer Gespräche mit Anwohnern durch Stadt und Wohnungsunternehmen betont auch Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). "Der Bau bezahlbaren Wohnraums in Hamburg und die Verdichtung innerstädtischer Quartiere werden nach dem Bürgerentscheid nun noch schwieriger."

Fatales Zeichen für den Wohnungsbau in Hamburg

Drastischer kommentiert Sönke Struck, Vorstandsvorsitzender des BFW Nord, das Ergebnis. "Das ist ein fatales Zeichen für den Wohnungsbau in Hamburg." Alle wollten Nachverdichtung. Hier habe es die Möglichkeit gegeben - samt Schaffung von Wohnraum für mittelständische Haushalte, deren Einkommen über der Fördergrenze liegen. "Wenn das Beispiel der Bürgerinitiative Schule macht, können wir bald sämtliche Nachverdichtungspläne für Hamburg vergessen."

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