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Politik | 30.10.2018

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:

Makler: Käufer und Verkäufer sollen sich Courtage teilen

Quelle: Fotolia.com, Urheber: ImmoPicture
Wer soll die Provision zahlen? Beide, meinen die Makler.

Quelle: Fotolia.com, Urheber: ImmoPicture

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will das Bestellerprinzip auch beim Verkauf von Wohnungen und Häusern einführen – und das rasch. Schnell reagiert haben nun Vertreter der Makler. Um Schlimmeres zu verhüten, fordert Engel & Völkers-Manager Kai Enders in einem Brief an die Politik eine Gesetzesreform, nach der sich Käufer und Verkäufer künftig die Courtage teilen müssen. Die Branchenverbände IVD und BVFI sollen ihre Unterstützung signalisiert haben.

Kai Enders sieht Handlungsbedarf. Die Praxis, wonach in Berlin, Hamburg und Hessen immer der Käufer die Maklerprovision zahlen muss, sei unfair, sagt er und fügt an: "Das gehört geändert." Ein Bestellerprinzip wie bei der Vermietung aber will er verhindern. Doch genau das droht.

Am vergangenen Donnerstag hatte die Rheinische Post Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit den Worten zitiert: "Ich werde dafür sorgen, dass dieses Bestellerprinzip für den Immobilienverkauf rasch eingeführt wird." Ein genaues Datum nannte sie zwar nicht. Doch der Druck wird größer – nicht zuletzt, weil sich auch die Grünen im Bundestag für eine solche Reform stark machen. Deren Fraktion hat einen entsprechenden Antrag eingereicht, der neben dem Bestellerprinzip beim Verkauf auch die Deckelung der Maklerprovision auf höchstens 2% des Kaufpreises vorsieht.

Nicht aussitzen, in die Offensive gehen

Enders will das Problem nicht länger aussitzen, er geht jetzt in die Offensive. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Politiker fordert er das Festschreiben einer Innen- und Außencourtage, nach der sich Käufer und Verkäufer künftig die Provision teilen müssen. Beide Parteien würden dann jeweils 3% des Kaufpreises an den Makler zahlen. "Die Übertragung dieser Regelung auf Bundesländer mit reiner Außencourtage würde dort unmittelbar zu einer spürbaren Entlastung der Käufer führen", argumentiert Enders. "Darüber hinaus entspricht diese Aufteilung unserem Selbstverständnis als fairer Mittler zwischen zwei Parteien." Laut Enders haben beiden Branchenverbände IVD und BVFI signalisiert, diese Initiative mitzutragen. Bei der Anhörung im Bundesjustizministerium am 7. November wolle man dieses Modell gemeinsam zur Diskussion stellen.


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Bisher hatte die Mehrzahl der Makler mit Ablehnung auf die Reformpläne reagiert. Das Bestellerprinzip auch beim Verkauf anzuwenden, sei "massiv verbraucherschädigend", mahnte etwa Wulff Aengevelt, Chef des gleichnamigen Düsseldorfer Maklerhauses. Es drohe ein "gigantischer Vermögensschaden" für die Käufer, eine Prozesslawine und ein Vertrauensverlust in den Immobilienmarkt. Und die Kollegen vom Maklernetzwerk Dave legten gleich nach: Die seit Jahren zunehmende Professionalisierung des Berufsstandes würde ausgebremst, die Existenz von Unternehmen sei in Gefahr und die Käufer stünden schutzlos da.

Die Makler haben noch gut die Folgen der Einführung des Bestellerprinzips bei der Vermietung im Juni 2015 in Erinnerung. Unmittelbar nach Einführung hatten zahlreiche Vermittler über massive Einbrüche bei den Aufträgen geklagt und sich auf den Verkauf von Immobilien konzentriert. In Deutschland sind rund 30.000 Maklerfirmen mit etwa 100.000 Beschäftigten tätig. Viele dieser Unternehmen hätten in qualifizierte Ausbildung investiert und damit die Professionalisierung der Branche vorangetrieben, sagt Dave-Geschäftsführer Peter Schürrer. Mit der Ausweitung des Bestellerprinzips werde die Immobilienwirtschaft wieder zu Unrecht stigmatisiert. Fachkräfte könnten nicht mehr angemessen honoriert werden, so dass die Gefahr einer Abwanderung bestehe.

Zustimmung bei der Union wahrscheinlich

Enders will nun in die Offensive gehen, um Schlimmeres zu vermeiden. "Während wir bei der Vermietung überwiegend für den Vermieter tätig sind, stellt sich die Situation beim Immobilienkauf völlig anders dar", sagt er. Auf der Verkäuferseite stehen die marktgerechte Bewertung der Immobilie sowie die Entwicklung eines Vermarktungskonzepts im Vordergrund. Für die Kaufkunden mache der Makler umfangreiche Bedarfsanalysen, um diese vor einem schwerwiegenden und kaum zu korrigierenden Fehlkauf zu bewahren. Die Vermittler würden zudem zwischen Käufer und Verkäufer moderieren und die Durchführung des Kaufs organisieren. "Sinnvollerweise sind wir bei dieser komplexen Transaktion, bei der oftmals weder Käufer noch Verkäufer über einschlägige Fachkenntnis und Erfahrung verfügen, für beide Seiten tätig. Die Aufteilung der Courtage entspricht dieser Konstellation und sollte bundesweit gelten", fordert Enders.

Auf Zustimmung könnte sein Vorschlag bei der Union stoßen. Schon im Vorfeld der Bundestagswahl hatten CDU und CSU das Bestellerprinzip beim Verkauf abgelehnt. Diese Position bestätigt nun auch die verbraucherpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion Elisabeth Winkelmeier-Becker. Die Maklerkosten würden in den meisten Bundesländern bei Verkauf üblicherweise geteilt, sagte sie in Reaktion auf Barleys Vorstoß. Das sei eine faire Regelung. Beide Seiten seien dann auch darauf bedacht, die Kosten im Rahmen zu halten. Wenn aber die Courtage nur vom Verkäufer aufzubringen ist, sei in Gebieten mit hoher Nachfrage zu befürchten, dass der Eigentümer die Maklerkosten über einen höheren Preis an den Käufer weitergibt.

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