IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE

Immobilien Zeitung vom 27.05.2010

Harburger Binnenhafen

"In Harburg sollten sich Projektentwickler tummeln"

Im Harburger Binnenhafen, dem so getauften Channel Hamburg, sind in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu ausschließlich Büroflächen entstanden. Nun werden Wohnungen auf der Schlossinsel gebaut, zwei Hotels sind geplant, und auch für den lange darbenden Hafencampus werden neue Pläne gemacht.

Schon 1968 formulierte der damalige Hamburger Bürgermeister Herbert Weichmann: "Hamburgs Zukunft liegt im Süden." Doch diese Perspektive setzt sich nördlich der Elbe nur langsam durch. Trotz der Erfolgsgeschichte des Channel Hamburg im Harburger Binnenhafen "müssen sich Verwaltung und Politik erst daran gewöhnen, dass etwas Innovatives auch in Harburg stattfinden kann, nicht nur in der Hafen­­­city"“, erklärte Jochen Winand, Vorstandsvorsitzender der Süderelbe AG, bei der IIR-Konferenz Hamburg.

Und auch Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg betont, Harburg sei erst seit 80 Jahren bei Hamburg, mit 155.000 Einwohnern quasi eine eigene Stadt und vermarkte sich auch als eigener Standort. Gerne wird darauf hingewiesen, dass der Channel Hamburg aus der Eigeninitiative mittelständischer Unternehmen (HC Hagemann, Aurelius, Lorenz) entstanden sei, während die Hafencity mit öffentlichen Mitteln "gepuscht" werde.

Raum für kreative Ideen

Achim Nagel, Geschäftsführer von Primus Developments, sieht die aktuelle Situation etwas freundlicher. "Das Engagement des Senats für IBA, IGS und die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße machen Mut, sich zu engagieren. Harburg und Wilhelmsburg gehören zu den Locations, wo sich Projektentwickler tummeln sollten." Nagel möchte sich zunächst mit einem kleinen IBA-Projekt engagieren. "Hier bieten sich bei überschaubaren Grundstückspreisen Möglichkeiten für kreative Ideen – und bessere Optionen, als sich in der City um die letzten Flächen zu schlagen."

In Harburg steht die Schlossinsel aktuell im Fokus der Entwicklung. Auf der Keimzelle Harburgs entwickeln Lorenz + Partner ab Sommer 2010 in fünf fünfgeschossigen Gebäuden sowie im Nachbau eines maroden, aber denkmalgeschützten Speichers 180 Miet- und Eigentumswohnungen. Lorenz + Partner, die bereits den Kaispeicher am Veritaskai entwickelt haben, planen, die Wohnungen Anfang 2012 schlüsselfertig und für 60 Mio. Euro an den Investor Provinzial Rheinland zu übergeben.
Uli Hellwig, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg, möchte Hafencity und Schlossinsel nicht miteinander vergleichen.

"Die Schlossinsel ist viel authentisch-maritimer mit Werften in der Nachbarschaft und Schiffen, die fahren." Die Schlossinsel biete zudem ein übersichtlicheres, intimeres Milieu – und tidefreie Wasserflächen. Das unterstreicht auch Frank Lorenz, Geschäftsführer von Lorenz + Partner: "Da würde ich meinen Sohn mit einer Schwimmweste in den Optimisten setzen." Hellwig kündigt für 2010 die Ausschreibung von 50 Wohneinheiten auf der Schlossinsel an.

Wohnen am Kaufhauskanal

Weitere 180 Wohneinheiten sollen 2011 am Kaufhauskanal ausgeschrieben werden. An seinem östlichen Ufer sollen auf einem 16.000 qm großen Areal Wohnungen entstehen. Die Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen und die Berliner Landschaftsarchitekten Topotek1 hatten im April 2009 mit ihrem Entwurf das Gutachterverfahren gewonnen. Die Grundstücksausschreibung verzögert sich durch ein Bodendenkmal.

Ingo Hadrych, HC Hagemann Real Estate, setzt auf einen Entwicklungsschub durch den Wohnungsbau: "Mit jeder Wohneinheit wird es einfacher, Dienstleister, Gastronomie und Einzelhandel anzusiedeln." Hadrych appellierte jedoch, die weitere Entwicklung nicht in ein enges Masterplan-Korsett zu zwängen. "Wir haben den Channel Hamburg seit 20 Jahren lediglich durch Befreiungen von der vorgesehenen industriellen Nutzung entwickelt und möchten auch künftig flexibel agieren können."

Zwei Hotels vis-à-vis

Sind in den letzten zwei Jahrzehnten zwischen Schellerdamm und Harburger Schlossstraße nahezu ausschließlich Büroflächen entstanden – mit heute 6.000 Arbeitsplätzen in 160 Unternehmen – treibt Frank Lorenz, neben dem Bau von Wohnungen, bereits seit einigen Jahren die Idee eines Hotels am Veritaskai voran. "Wir haben für das 180-Betten-Haus einen Betreiber gefunden, mit dem wir im Sommer um die Ecke kommen."

Direkt vis-à-vis auf dem früheren Areal der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH) soll ebenfalls ein Hotel entstehen. Die Lifestyle Hospitality & Entertainment Group (LH&E Group), die auch das Kameha-Grand-Hotel in Bonn betreibt, plant in Kooperation mit der RIMC International Hotel Resort Management & Consulting, hier den Prototyp der neuen Öko-Design-Hotelmarke "K Stars Living" zu bauen. RIMC tritt als Entwickler auf und die LH&E Group als Pächter des in Richtung Schlossinsel weisenden 167-Zimmer-Hauses.

Das Hotel mit einer integrierten Windturbine in den oberen Geschossen ist eingebunden in das Eco-City-Konzept der Schweizer Planer tec architecture, die das 30.000 qm große Industrieareal im Auftrag einer internationalen Investorengruppe beplanen (IZ 35/09). Knackpunkt ist der Erhalt der bis 150 Jahre alten Industriearchitektur, die jedoch produktionsbedingt mit Nitrosaminen gesättigt ist. Der Bezirk Harburg lehnte ein erstes Konzept ab, das lediglich den Erhalt einiger Fassaden als Kulisse für die Neubauten vorsah. Nun soll die gesamte denkmalgeschützte Bausubstanz erhalten bleiben – u.a. durch die Einrichtung einer Gläsernen Manufaktur der Kamm­fabrik Hercules Sägemann, die zur NYH gehört. NYH war 2009 nach Lüneburg umgezogen. Die Gläserne Manufaktur soll nun die Produktionsräume nutzen, in denen seit 1856 Kämme aus Ebonit hergestellt werden.

Aurelis vertreibt ab Juni

Keine Probleme mit denkmalgeschützter Bausubstanz hat die Aurelis Real Estate auf dem gegenüberliegenden Gelände des früheren Güterbahnhofs. Die 80 Jahre alten Güterhallen können abgerissen werden. Doch der vor über zehn Jahren mit der Stadt geschlossene städtebauliche Vertrag war von Beginn an strittig.

Wer trägt die Kosten für die Verlegung der oberirdischen 110-kV-Leitung, wer saniert die Kaimauer und finanziert die Altlastenbeseitigung? In einem außergerichtlichen Mediationsverfahren kam es zu einer Einigung: Aurelis bezahlt fast alles, bis auf die Kanalsanierung. Auf 61.000 qm Bauland sollen künftig viergeschossige Wohn- und Bürobauten mit einer BGF von etwa 100.000 qm entstehen. Baufelder ab 2.000 qm sind im Angebot. Genaueres erfahren Interessenten am 9. Juni, wenn der Vertrieb neu und offiziell aufgenommen wird. (ff)

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