11.06.2008
Marketing-Award "Immo Idee 2008"
Kundenfang mit Pillen, Geckos, Schaufenstern
Was lassen sich Vermarktungsstrategen nicht alles einfallen, um Aufmerksamkeit für ihre Produkte zu wecken. Beim Marketing-Award Immo Idee 2008 wurden jetzt die pfiffigsten Ideen aus der Immobilienbranche prämiert. Den ersten Platz belegte indes kein Werbeprofi, sondern der Starnberger Immobilienmakler Bernhard Blasig mit seiner Neuentwicklung Magicvote.
Jeder kennt die klassische Schaufenstergestaltung von Immobilienmaklern: Auf A-4-Blättern ausgedruckte Angebote mit einem mehr oder weniger guten Foto zieren recht unspektakulär die Front. Wer mehr über eine der ausgestellten Immobilien erfahren möchte oder wissen will, was es alternativ für Angebote in einem bestimmten Segment gibt, der muss schon persönlich vorsprechen oder sich auf die Homepage des Maklers klicken. Anders bei Magicvote, wo man sich quasi im Vorbeigehen über die aktuellen Angebote informieren kann. Die sind nämlich auf einem Bildschirm abrufbar, der hinter einer Schaufensterscheibe steht und sich von außen bedienen lässt.
Keine Magie, sondern moderne Technik
Welche Technik genau dahinter steckt, will Bernhard Blasig, der in seinem ersten Beruf als Ingenieur für Elektrotechnik Hightech-Forschung betrieben hat, nicht verraten. Nur so viel: "Wir haben verschiedene Komponenten so zusammengebracht, dass sie miteinander kommunizieren können." Dazu gehört ein Flachbildschirm, der die unterschiedlichen Angebote abrufbar macht.
Damit auch möglichst jeder versteht, wie das funktioniert, ist die Handhabung einfach. Das Bedienfeld besteht schlicht aus zwei Richtungspfeilen und einer Start-/Stopptaste und ist auf einer durchsichtigen Plastikfolie aufgedruckt, die am Schaufenster klebt. Weil mancher Mensch nicht gerne anfasst, was schon viele andere vor ihm betatscht haben, funktioniert das Ganze berührungslos über Bewegungssensoren.
Mehr als ein Jahr lang hat Blasig seine Erfindung im Schaufenster seines eigenen Verkaufsbüros getestet. Ein zweites Gerät läuft in einer Filiale der Dresdener Bank in Starnberg, und jetzt soll die inzwischen geschützte Entwicklung in Serie produziert werden. Was das Gerät am Ende kosten wird, ist derzeit noch nicht klar. "Doch auch eine kleine Maklerfirma wird es sich leisten können", sagt Blasig.
Wer bessere Ware hat, verkauft schneller
Das Ziel, das der Makler mit der Entwicklung von Magicvote verfolgt, ist zum einen, potenziellen Kunden einen besseren Service zu bieten. Die können sich, statt mit beliebigen Offerten konfrontiert zu werden, genau über das informieren, was sie wirklich interessiert. Die unterschiedlichen Angebote von Kauf- oder Miet- oder Anlageobjekten sowie Marktdaten und Finanzierungsmöglichkeiten lassen sich über die verschiedenen Menüpunkte abrufen. Positiver Nebeneffekt: "Die Gucker und Neugierigen sortiert man damit bereits aus", so Blasig. Wer sich auf eines der Angebote melde, habe ernsthaftes Interesse.
Doch viel wichtiger als dieser Aspekt ist für ihn der Informationsvorsprung, den Magicvote für den Vertrieb bietet. Denn der angeschlossene Computer liefert aktuelle Daten darüber, welche Art von Immobilien aktuell gesucht werden. Werden etwa vor allem Reihenmittelhäuser nachgefragt, kann man als Makler darauf reagieren und bevorzugt entsprechende Objekte akquirieren: "Wer bessere Ware hat als die anderen, verkauft schneller und macht mehr Umsatz", ist Blasig überzeugt.
Anwenden lässt sich Magicvote theoretisch nicht nur für den Immobilienvertrieb, sondern auch für andere Produkte und Dienstleistungen. Doch sich darum zu kümmern, daran hat Bernhard Blasig kein Interesse. Er will vielmehr seinem zweiten Beruf als Makler treu bleiben. Wer das von ihm entwickelte System beispielsweise für die Vermarktung von Autos nutzen wolle, könne eine entsprechende Lizenz erwerben.
Neonfarbene Geckos als Sympathieträger für die Platte
Darum, wie man besser und schneller ein Produkt, sprich eine Mietwohnung in einem Berliner Plattenbau, an den Mann bringen kann, ging es auch beim Berliner Geckohaus. Die schnöde Platte erhielt erst durch ein neues Gestaltungskonzept der in Berlin und Nürnberg ansässigen Agentur Kaller & Kaller eine unverwechselbare Identität. Und die sollte vor allem die angepeilte Zielgruppe der zwischen 20- und 30-Jährigen erreichen. "Jung, frech und punkig", beschreibt Chefdesigner Philip Kaller die grafische Linie für das Projekt. Der als Tatoo-Motiv unter jungen Leuten beliebte Gecko, der vor allem ein glückliches Dasein symbolisiert, wurde zur zentralen Gestaltungsfigur und tauchte in grellen Farben ausgemalt überall auf: Er klettert an den ansonsten weiß getünchten Fassaden entlang, findet sich auf Prospekten, Schlüsselanhängern und Türschildern aus neonfarbigem Plexiglas wieder oder ist in die Deckenbleche der Aufzüge gestanzt.
Um für die 60 leer stehenden Wohnungen in dem Plattenkomplex am Bersarinplatz in Friedrichshain möglichst schnell neue Mieter zu finden, ließ die Agentur Flyer und Gratispostkarten in ausgewählten Zielgebieten streuen. Promoter klebten Sticker, verteilten Türhaken und pinnten scheinbar handgeschriebene "Biete WG-Zettel" an die schwarzen Bretter der Berliner Unis.
Damit die so angesprochenen Interessenten nicht gleich beim Besichtigungstermin wieder auf dem Absatz kehrtmachen, wurden die beauftragten Makler gebeten, ihre junge Kundschaft zu duzen. "Das war die beste Idee von allen", freut sich Philip Kaller. Binnen drei Monaten nach dem Start der Kampagne im Frühjahr 2007 habe der britische Eigentümer International Real Estate die Hälfte der leeren Wohnungen vermieten können.
Das ungewöhnliche Werbekonzept würdigte die Jury des von der AIZ und Immonet ausgelobten Preises mit der Bronzenen Immo Idee 2008. Den zweiten Preis erhielt die Strategis, Berlin, für ihr Marketing auf der Expo Real 2007: "Mit Charme und Witz statt hohem Budget ist es der Strategis AG gelungen, trotz der steigenden Informationsflut auf der Messe positiv aufzufallen und Aufmerksamkeit bei potenziellen Kunden, Medien und anderen Multiplikatoren zu erregen", heißt es in der Begründung der Jury.
Das gelang der Strategis, indem sie auf der Messe 4.000 Medikamentenschachteln mit der Aufschrift "Perform-Acut - zur Leistungssteigerung ihres Immobilienportfolios" verteilen ließ. Darin befanden sich Traubenzucker und der obligatorische Beipackzettel, der Darreichungsform, Anwendungsgebiete sowie Neben- und Wechselwirkungen der Strategis-Dienstleistungen erklärte. Weil das gut ankam, wird das Give-away auch weiterhin verteilt. (mv)



