IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 20.12.2007
Stralsund
Ozeaneum kostet deutlich mehr
Mitte 2008 wird in Stralsund das Ozeaneum, das größte Meeresmuseum Deutschlands, seine Eröffnung feiern. Beim Richtfest Mitte Dezember wurde bekannt, dass das Projekt statt 50 Mio. nun rund 60 Mio. Euro kosten wird.
Als Gründe für den Kostenanstieg nennt Jens Oulwiger, Pressesprecher des als Bauherr fungierenden Deutschen Meeresmuseums Stralsund, in erster Linie die stark gestiegenen Baupreise (hauptsächlich beim Stahl) und die Mehrwertsteuererhöhung. Fehler seitens des Bauherrn seien nicht festgestellt worden.
Zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Bund laufen laut Oulwiger derzeit Verhandlungen, wer die Mehrkosten übernehmen wird. Die ursprüngliche Kostenaufteilung sah vor, dass die Bundesrepublik Deutschland 25 Mio. Euro, das Land Mecklenburg-Vorpommern 12,5 Mio. Euro, die Stiftung Deutsches Meeresmuseum 7,4 Mio. Euro und die Stadt Stralsund 5,1 Mio. Euro bezahlen. Ein Sprecher der Staatskanzlei in Schwerin bestätigte auf Anfrage solche Verhandlungen, konnte aber noch keine Details nennen.
7.000 Fische in 39 Aquarien
Eröffnet werden soll das Ozeaneum Ende Juni 2008. Es wird dann auf einer Fläche von 8.700 m2 eine Unterwasserreise durch die nördlichen Meere ermöglichen. 39 Aquarien mit 6 Mio. l Wasser und 7.000 lebenden Tieren (hauptsächlich Fischen) werden einen Einblick in Ostsee, Nordsee, Polarmeer und die Welt der Wale bieten. Bis es so weit ist, werden die Techniker erhebliche Herausforderungen bewältigt haben. So verfügt das größte Einzelbecken über nicht weniger als 30 cm starke Acrylscheiben. Eine Besonderheit stellt auch die frei tragende Rolltreppe im Foyer dar, die nach Angaben des Bauherrn mit einer Länge von 31 m die längste ihrer Art in ganz Deutschland ist.
Nach Worten von Reinhard Meyer, dem Chef der Schweriner Staatskanzlei, handelt es sich beim Ozeaneum um den größten Museumsneubau in Norddeutschland. Das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten (vormals Behnisch & Partner), das sich 2002 in einem Architekturwettbewerb durchgesetzt hatte, entwarf einen Komplex, der vier Baukörper mit einem zentralen Foyer umfasst und auch Teile historischer Speichergebäude integriert. Das Ozeaneum, dessen Haupteingang dem Meer zugewandt ist, befindet sich auf der nördlichen Stralsunder Hafeninsel. Das Grundstück stellte die Stadt zur Verfügung.
550.000 Besucher erwartet
Die Hansestadt Stralsund wird nach Überzeugung der Verantwortlichen von dem Neubau, der laut Meyer zu den zehn bedeutendsten Aquarien der Welt gehört, in erheblichem Umfang profitieren. "Die Stadt wird nach der Rügenbrücke mit dem architektonisch auffallenden Ozeaneum ein weiteres Glanzlicht hinzubekommen", sagt der Staatskanzleichef. Das Deutsche Meeresmuseum rechnet mit jährlich 550.000 Besuchern des Ozeaneums - fast zehn mal so viel, wie Stralsund Einwohner zählt. Bereits jetzt verzeichnet das Meeresmuseum an seinen drei Standorten (Katharinenkloster Stralsund, Insel Dänholm und Darßer Ort) jedes Jahr 600.000 Gäste und ist damit das meistbesuchte Museum Norddeutschlands.
Auf großen Zuspruch der Interessierten ist das Deutsche Meeresmuseum jedoch auch angewiesen, wird es doch nach Eröffnung der neuen Attraktion von der öffentlichen Hand nicht mehr Geld für den Betrieb als zuvor erhalten. Allein die Energiekosten für das Ozeaneum betragen jährlich rund 1 Mio. Euro, da das Wasser in den Aquarien auf Temperaturen zwischen 12 und 0 Grad Celsius gekühlt werden muss. Auch für die Ausstellungskosten, die mindestens 5 Mio. Euro betragen, kann das Museum nicht mit öffentlichen Mitteln rechnen. Hierfür gibt es jedoch bereits Finanzierungszusagen unter anderem von Greenpeace (1,4 Mio. Euro) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (600.000 Euro). (ch)

