IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 10.05.2007
Börsennotierte Immobilien-Gesellschaften
Wer jetzt verkaufen will, braucht keinen Reit
Für Handelsunternehmen wie Metro ist der Reit kein Thema. Auch Initiatoren von geschlossenen Einzelhandelsimmobilien-Fonds lehnen sich erst einmal zurück und beobachten, was passiert. Dabei könnten sie gen Westen blicken, denn die Franzosen haben schon seit Anfang 2003 ein Reit-Gesetz.
Metro hat die Reits schon abgehakt. "Das ist für uns kein Thema, weil wir bei einem Verkauf an einen Reit die Kontrolle über unsere Immobilien verlieren würden, wenn wir nur mit 10% an dem Reit beteiligt sein dürfen", erläutert Pressesprecher Jürgen Homeyer. A-Standorte an Top-Adressen würde das Unternehmen ohnehin nicht aus der Hand geben wollen, weil sie strategisch zu wichtig sind. Und B-Standorte werden gemanagt und bei Bedarf verkauft. Interessenten klopfen schließlich fast täglich an.
Fondsinitiatoren beobachten den Markt und warten ab
Ähnlich nüchtern sehen auch Fondsinitiatoren wie die Bergisch Gladbacher Unternehmensgruppe Hahn und der Münchner Wettbewerber ILG dem Reit entgegen. Immerhin hätten beide genügend Einzelhandelsimmobilien im Portfolio, um über einen Reit nachzudenken. Bei Hahn hat man zwar schon einmal Personal abgestellt, das sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. "Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass innerhalb der nächsten Monate bestehende Publikumsfonds in einen Reit überführt werden", sagt Jörg Busboom aus der Vertriebsabteilung der Hahn-Gruppe.
Ganz ausschließen, dass die "epochale Marktveränderung durch die Einführung des Reits" auch die ILG irgendwann zu einer Reaktion veranlasst, möchte Prokurist und Geschäftsleitungsmitglied Martin Brieler nicht. Der Münchner Fondsinitiator hat gut 520 Mio. Euro in Einzelhandelsimmobilien mit einer vermietbaren Fläche von 320.000 qm investiert. Die Größenordnung, ab der die Konstruktion eines Reits interessant erscheint, beziffern Experten allenthalben auf rund 500 Mio. Euro.
Allerdings sieht Brieler derzeit noch keine Veranlassung zu handeln. Schließlich mangelt es nicht an Interessenten, die Objekte aus den geschlossenen Fonds der ILG zu guten Preisen kaufen wollen. "Warum also sollte man den Exit über die Börse wählen", fragt sich Brieler. Außerdem gebe es weiterhin gute Gründe für den geschlossenen Fonds, etwa die bessere Transparenz. Und noch etwas spricht fürs Abwarten: "Wenn die Reits funktionieren, wird auch die Nachfrage nach geeigneten Objekten steigen", sagt Brieler voraus.
Für Sale and Leaseback noch Kreativität gefragt
Doch auch Sale-and-Leaseback-Gestaltungen mit einem Reit, die Metro heute noch scheut, könnten mit der Zeit und einiger Kreativität interessant werden. "Eine der Aufgaben wird es sein, gesetzeskonforme Strukturen zu entwickeln, die auch dem Immobilien einbringenden Teil dauerhaft auskömmliche Einflussmöglichkeiten auf seine Objekte gewährleisten", sagt Rechtsanwalt Heinz Joachim Kummer, Partner der internationalen Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.
In Frankreich, wo das Gesetz zur Einführung von Reits (Société d`Investissements Immobiliers Cotée, kurz: SIIC) bereits am 1. Januar 2003 in Kraft getreten ist, werden Reits längst auch von den Handelsunternehmen genutzt. So habe etwa der Handelsriese Carrefour schon im Jahr 2000 die eigenen Einkaufszentren gesplittet, berichtet Eric Dupau von der französischen Bank BNP Paribas. Die großen SB-Warenhäuser habe man behalten und die abgespaltenen Shoppingcenter an den großen gelisteten Reit Klépierre veräußert. Klépierre ist laut BNP Paribas mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 3 Mrd. Euro die zweitgrößte börsennotierte Immobiliengruppe in Kontinentaleuropa, die auf Einkaufszentren spezialisiert ist. Auch der Modekonzern Devianne hat laut Dupau ein Immobilien-Portfolio an den Reit Foncière Masséna veräußert und zurückgemietet.
Reits haben sich in Frankreich nicht nur etabliert, sondern wachsen auch stetig in ihrer Zahl. Laut dem Index Euronext IEIF SIIC France waren es im Jahr 2003 bereits neun und zum Ende 2006 schon 45. (ma)
Die Vorträge zum Thema Reits, die auf dem Handelsimmobilien-Kongress von Eric Dupau und Heinz Joachim Kummer gehalten wurden, können unter www.managementforum.com/
handelsimmobilienkongress heruntergeladen werden. In der IZ 20/07 wird zu guter Letzt das Kongressthema der Expansion der Telekommunikationsbranche aufgegriffen.

