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Projekte | 03.05.2018

Aus IZ18/2018, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Einmal alles richtig machen - Wissenscampus statt Riesenrad

Quelle: Reiß & Co., Urheberin: Josefine Pohl
Bauherr Oliver Reiß und Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (SPD) vor den Plänen zum zukünftigen Wissenscampus.

Quelle: Reiß & Co., Urheberin: Josefine Pohl

Berlin. Diesmal wollen alle alles richtig machen. Denn schief gelaufen ist schon genug. Vor zwölf Jahren sollte zwischen Zoologischem Garten und Technischer Universität ein Riesenrad gebaut werden - so wie in London an der Themse. Das ging gründlich in die Hose. Jetzt ist ein Wissenscampus geplant. Und die Bürger des Stadtteils Charlottenburg sollen über die Gestaltung mitreden dürfen.

Der Weg hin zur ersten Standortkonferenz über das zukünftige Bildungsquartier ist schwierig. Nicht schwierig zu finden, das 13.000 m2 große Grundstück liegt gleich hinter dem legendären Bahnhof Zoo. Schwierig auszuhalten eher, denn hier versammelt sich rund um die größte Bahnhofsmission Deutschlands das Elend. Wohnungslose Männer und Frauen liegen auf der Erde, kauern in den Ecken und warten auf nichts oder wenigstens auf eine warme Mahlzeit. "Die quantitative Beanspruchung führt zu qualitativen Verwerfungen", erläuterte der zuständige Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) das Problem in schönstem Verwaltungsdeutsch. "Diese Menschen müssen wir mitnehmen", sagt dazu Grundstückseigentümer Oliver Reiß. Doch Vorsicht sei auf dem für alle offenen, grünen Wissenscampus geboten, weiß der Projektentwickler mit 25 Jahren Erfahrung. Auf der anderen Seite der Bahntrasse hat die Polizei gerade erst ein riesiges illegales Zeltcamp geräumt.

Geladen hatten der Chef von Reiß & Co. Real Estate und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) in ein in schwülstigem rot gehaltenes Spiegelzelt, das auf dem Areal derzeit als Zwischennutzer gastiert. Rund 200 Interessierte waren gekommen. Bei Essen und Trinken lauschten sie den Plänen des Münchners Entwicklers, der das Geld vermögender Familien an der Hertzallee investieren möchte. Büros, vielleicht ein Hotel, Studentenwohnungen und Gästezimmer für Dozenten der TU oder der Universität der Künste hat Reiß auf dem Zettel. Ferner ist ein Hochhaus vorgesehen. "Wir bleiben mit etwa 100 m unter den Höhen der beiden anderen Türme am Bahnhof Zoo." Das Waldorf Astoria und das Upper West messen 119 m. Schon 2011 hatte das Landschaftsplanungsbüro Yellow Z Berlin einen Wettbewerb gewonnen. Dessen Planungen greifen die Bayern auf. Architekt Oliver Bormann will das Areal nach allen Seiten öffnen und es in einen Campus zwischen der Hertzallee, dem Landwehrkanal und der TU integrieren. Die übrigen Gebäudehöhen? "Völlig offen", sagt Reiß. Vermutlich wird es auf 22 m hinauslaufen. Grund für den Immobilienfachmann, sich beim Investitionsvolumen bedeckt zu halten. "Dreistelliger Millionenbetrag", mag er verraten. Mehr ohne GFZ nicht.

Lompscher steht an diesem Abend auf der kleinen Bühne und nicht die Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte, auf deren Gebiet das Grundstück liegt. Der Senat hat das Vorhaben wegen "außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung" den Bezirken weggenommen und an sich gezogen. "Wir haben viele Pläne kommen und gehen gesehen. Die Pläne, die wir hier zeigen, sollen auch verwirklicht werden."

Quelle: Reiß & Co., Urheber: yellow z urbanism archicture, bgur landschaftsarchitekten
So könnte der Campus einmal aussehen. Vorne rechts steht das geplante Hochhaus.

Quelle: Reiß & Co., Urheber: yellow z urbanism archicture, bgur landschaftsarchitekten

Bis Juni soll das Bebauungsplanverfahren mit einem Aufstellungsbeschluss starten, verspricht Lompscher. Dem städtebaulichen Konzept folge der Architektenwettbewerb, und in eineinhalb bis zwei Jahren soll Oliver Reiß loslegen können. Und bis dahin wollen alle alles richtig machen. Denn das Grundstück brachte es weit über die Landesgrenzen hinaus zu trauriger Berühmtheit. Zwölf Jahre ist es her, dass der Wirtschaftshof des Zoologischen Gartens auf ein Nachbargelände zog, um den Platz für das größte Aussichtsrad Europas freizumachen - 175 m hoch, mit 28 Gondeln für je 40 Personen. Am 3. Dezember 2007 stach der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Spaten dafür in die Erde.

Danach war Schluss mit lustig. Das große Rad zu drehen ging gründlich schief. Die Anleger des 2006 von der ABN-Amro-Tochter DBM Fonds Invest aufgelegten Riesenradfonds Global View mussten kräftig bluten. 2015 erwarb Reiß das Grundstück.

Professionell wirbt er um die Zuhörer. Berlin sei eine "wahnsinnig tolle Stadt", seine Mutter in Berlin geboren und er als Knirps häufig auf Besuch bei der Oma in Buckow gewesen. Er verspricht den Zuhörern eine "kooperative" Bebauung, ohne wirklich sagen, was das sein soll, und betont: "Wir sind kein Spekulant, sondern entwickeln und bauen selbst." Auch wollen er und seine Geldgeber das Quartier behalten. Um möglichst wenig verkehrt zu machen, dürfen die Besucher sagen, was auf dem Grundstück verwirklicht werden soll. Frau Lompscher betont, es sei ihr "ein Anliegen", die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren, sagen, was auf dem Grundstück verwirklicht werden soll. Heraus kam dabei: Die Obdachlosen sollen weg, aber nicht verdrängt werden, ein Kindergarten wäre schön, viel Grün, ein Club und unentgeltlicher Platz für studentische Projekte. "Na, Platz ohne Gegenleistung, das wird wohl schwierig", wiegt Lompscher lachend den Kopf. Doch: "Einen Club irgendwo hoch auf dem Dach - warum nicht", rettet Reiß die Situation an diesem sehr friedlichen Abend.

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