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Politik | 08.02.2018

Aus IZ06/2018, S. 6

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    GEG German Estate Group
  • Personen:
    Andreas Mattner, Ulrich Höller, Paul Bauwens-Adenauer, Wolfgang Fink, Jan-Hendrik Goldbeck, Thomas Zabel, Michael Mandel, Erich Loeper
  • Finanzprodukte:
    HausInvest
  • Immobilienart:
    Wohnen

Immobilienprofis fürchten die Politik, nicht den Zyklus

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Sehen dem Ende der Party gelassen entgegen (v.l.n.r.): Steffen Uttich (Beos), Thomas Zabel (Zabel Property), Paul Bauwens-Adenauer (Bauwens), Jan-Hendrik Goldbeck (Goldbeck).

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Beim GEG Investors' Day in Frankfurt fanden sich am 1. Februar zahlreiche Branchenpersönlichkeiten zum Meinungsaustausch zusammen. Das Ende des laufenden Zyklus mag greifbar sein, die Sorgen der Diskutanten drehten sich hingegen vor allem um Regulierung, GroKo und Brexit.

Wenn GEG-Chef Ulrich Höller zum Investors' Day lädt, dann kommt alles, was Rang und Namen hat. Die Halle in der Eventlocation Klassikstadt in Frankfurt-Fechenheim platzt am 1. Februar aus allen Nähten, zusätzliche Stühle müssen herbeigeschafft werden, damit jeder einen Sitzplatz bekommt. Auf dem Podium geht es um die aktuelle Marktlage, den Brexit und die GroKo - und ein bisschen um die Digitalisierung (siehe "Mehr Mut zum Digitalexperiment"). Dabei wird deutlich, dass die Profis den Zyklus so nehmen, wie er eben kommt, und manche sogar noch Luft nach oben sehen. Die politische Landschaft jedoch bereitet so manchem der anwesenden Immobilienspezialisten Kopfzerbrechen.

"Die Party ist noch nicht vorbei, aber die Getränke sind alle", orakelt Jan-Hendrik Goldbeck, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Bauunternehmens für Gewerbeimmobilien, mit Blick auf den laufenden Zyklus. Thomas Zabel, dessen Unternehmen Zabel Property im Wohnungsbereich aktiv ist, gibt sich gelassener: "Der Aufschwung ist sehr gesund, die jährlichen Kaufpreisaufschläge sind angesichts des Preisniveaus in anderen Ländern nicht übertrieben." Auch warnt er davor, in Einzelfällen erzielte Spitzenpreise als marktbestimmend misszuverstehen. "Die Preise, die wirklich bezahlt werden, sind an einem Standort wie Berlin noch moderat", ist Zabel überzeugt.

Paul Bauwens-Adenauer, geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens-Gruppe, sieht die Lage für den Wohnimmobilienerwerb kritischer. So werde in Münchner Randlagen mittlerweile ein Preis von 7.000 Euro/m² aufgerufen. "Das ist für Normalverdiener nicht zu finanzieren", stellt der Bauunternehmer fest. Unverständlich ist für ihn, dass die Politik nicht längst die 2004 abgeschaffte Eigenheimzulage wieder einführt. Diese finanziere sich durch baubedingt höhere Mehrwertsteuereinnahmen quasi von alleine und sei zudem geeignet, die Wohneigentumsquote zu erhöhen und den Wohnungsmangel zu dämpfen. "Andere Subventionen sprudeln dagegen munter weiter", beklagt Bauwens-Adenauer.

Immerhin will die GroKo nach aktuellem Verhandlungsstand das Baukindergeld wieder einführen (siehe "GroKo geht ran an Share-Deals und Mietpreisbremse"). Ob die Koalition jedoch zustande kommt, ist noch keineswegs sicher, schließlich muss die SPD-Basis noch zustimmen. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) und nach eigenem Bekunden kein Freund von Minderheitsregierungen, bleibt auf dem Investors' Day skeptisch: "Meine Erwartung, dass das Mitglieder-Votum der SPD zu einer GroKo führt, liegt bei maximal 50/50", sagt der ZIA-Präsident.

Neben dem zähen Ringen der Großkoalitionäre treibt die Immobilienprofis vor allem die EU-Ebene um. "Eine Schuldenunion wäre die Brandfackel für Europa", ist etwa Bauwens-Adenauer überzeugt und erteilt entsprechenden politischen Planspielen eine Absage. Auch die anwesenden Vertreter der Finanzbranche sind angesichts der Gemengelage in der EU alles andere als gelassen. "Bei einem Vorgang wie dem Brexit kann es volkswirtschaftlich eigentlich nur Verlierer geben", befürchtet Erich Loeper, Leiter des Zentralbereichs Banken und Finanzaufsicht bei der Deutschen Bundesbank. London werde der europaweit bedeutendste Finanzmarkt bleiben, daran dürfte sich nach Ansicht des Finanzaufsehers durch den Brexit nichts ändern. "Ich befürchte kurzfristig hohe Umstellungskosten, da die Banken nach wie vor auf mehrere Ausstiegsszenarien vorbereitet sein müssen", gibt Loeper zu bedenken. Langfristig sei zu erwarten, dass durch parallele Regulierung die Transaktionskosten für alle Beteiligten ansteigen und grenzüberschreitende Finanzgeschäfte damit teurer werden.

Commerzbankvorstand Michael Mandel sieht sein Haus gut gerüstet, schließlich seien alle möglichen Brexit-Szenarien generalstabsmäßig durchgespielt worden. Er selbst rechnet nicht mit einem harten Brexit, wenn dieser jedoch käme, wäre er seiner Ansicht nach verheerend für die deutschen Exportbranchen und damit für die Wirtschaft als Ganzes. Auf der Investmentseite sieht Mandel durch einen wie auch immer gearteten Ausstieg Großbritanniens aus der EU keine Einschränkungen, rund 19% des Kapitals aus dem offenen Immobilienfonds hausInvest seien in Großbritannien angelegt und das werde auch so bleiben. "UK gehört einfach dazu", sagt der Commerzbankmanager, "in London werden die Lichter nicht ausgehen." Im Übrigen rät Mandel dazu, sich in Bezug auf den Brexit nicht zu viele Sorgen zu machen und erst einmal abzuwarten: "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", bemerkt er abschließend.

Wolfgang Fink, Co-Chairman von Goldman Sachs Deutschland, betont, dass die Entscheidung, die Belegschaft der Bank in Frankfurt zu verdoppeln, nur teilweise etwas mit dem Entschluss der Briten zu tun hat, die Union zu verlassen. "Die Regionalisierung hat Vorteile für uns, unabhängig davon, wie der Brexit ausgeht", sagt er. Den Standortwettbewerb zwischen Dublin, Paris und Frankfurt sieht er noch nicht als entschieden an. "Wir haben einige Eisen im Feuer, um unsere Präsenz in Frankfurt schnell vergrößern zu können. Das Gleiche gilt jedoch für viele Standorte in Europa", stellt Fink klar.

Trotz der Zweifel, wie lange der Aufschwung noch trägt, bleiben die politischen Sorgen beherrschend für die Stimmung unter den Immobilienprofis. Das betrifft auch den Punkt, der nach Ansicht der Diskutanten am ehesten geeignet ist, den Zyklus zum Kippen zu bringen, nämlich die Zinspolitik. Schon jetzt führten zu geringe Renditen dazu, dass nötige Investitionen in die Gebäude unterblieben, warnt Bauunternehmer Goldbeck. "Die Niedrigzinsphase hat das Preisgefüge im Value-add-Bereich zerrüttet", sagt er und fügt hinzu: "Wir müssen uns fragen, ob das Verhältnis von Rendite und Risiko noch angemessen ist." Obwohl Goldbeck von allen Diskussionsteilnehmern am kritischsten wirkt, sieht auch er keine Katastrophe am Horizont: "Es wird nicht im Desaster enden. Es ist genug Geld im Markt."

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