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Recht | 08.02.2018

Aus IZ06/2018, S. 4

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Signal Iduna
  • Organisationen:
    Landgericht Dortmund
  • Personen:
    Anno August Jagdfeld, Hilmar Kopper, Thomas A. Fritsch, Willi Pawel, Lutz Aderhold, Klaus-Dietrich Schrepp
  • Finanzprodukte:
    Fundus Fonds 31

Jagdfeld will eine Milliarde Euro

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Anno August Jagdfeld (rechts) will von der Versicherung Signal Iduna 1 Mrd. Euro Schadenersatz.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Der Prozess zwischen Anno August Jagdfeld, dem Entwickler des Berliner Luxushotels Adlon, und der in Dortmund beheimateten Versicherung Signal Iduna geht vor dem Landgericht Dortmund in die zweite Runde. Der Unternehmer fordert wegen des Verdachts der Absprache zum Rufmord eine satte Milliarde Euro Schadenersatz. Die beschuldigte Versicherung bleibt bei ihrer Linie aus der Ende 2016 absolvierten ersten Runde des Verfahrens und betont, sich nie negativ zu Jagdfeld geäußert zu haben.

Im Vorfeld der Verhandlung, die am Dienstag im Saal 101 des Dortmunder Landgerichts unter Vorsitz von Richter Willi Pawel ihren Lauf nahm, posaunte die Bild-Zeitung die Höhe von Jagdfelds Schadenersatzforderung in die Welt. Die Summe von 1 Mrd. Euro wäre ein Novum in der deutschen Justizgeschichte, selbst im Prozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank war diese Marke nicht gerissen worden. Zur Erinnerung: Die Bank zahlte am Ende 927 Mio. Euro Schadenersatz.

Ein Sprecher Jagdfelds bestätigte gegenüber der Immobilien Zeitung die Forderungshöhe. Signal Iduna hält dagegen: "In diesem Prozess wird nicht um eine Geldsumme gestritten", teilte der Konzern mit. Stattdessen gehe es darum, grundsätzlich zu klären, inwieweit Jagdfeld, der sowohl in eigener Sache als auch als Vertreter des geschlossenen Fundus-Fonds Nr. 31 Hotel Adlon vor Gericht erschienen war, überhaupt ein Anrecht auf Schadenersatz habe (Az. 2 O 387/124).

Die Versicherung bestreitet den Anspruch. Eine erstinstanzliche Klage hatte im Dezember 2016 zu einem Vergleichsvorschlag von 20 Mio. Euro geführt, den Signal Iduna jedoch ausgeschlagen hatte. Seinerzeit hatte Jagdfeld 536 Mio. Euro Schadenersatz gefordert. Die Versicherung hält den Vorwurf der systematischen Rufschädigung gegenüber Jagdfeld unverändert für gegenstandslos, sagte deren Rechtsanwalt Lutz Aderhold am Rande des Prozesses: "Wir sind sicher, dass die Klage keinen Erfolg hat." Dass jetzt überhaupt Beweis erhoben wird, ist als Erfolg für Jagdfeld zu werten. Zunächst hatte das Landgericht das Verfahren ohne weitere Verhandlung abweisen wollen. Dann aber präsentierten Jagdfelds Anwälte tausende Seiten Papier, die offenbar Eindruck machten (siehe "Jagdfeld punktet gegen Signal Iduna").

Die Verhandlung am Dienstag begann allerdings mit einem Dämpfer für die Klägerseite. Der Grund: Für die wertmäßig kleinere Schadenersatzklage des Fundus-Fonds Nr. 31 gegen Signal Iduna hat es bisher keinen formellen Beschluss der Gesellschafter gegeben, wie Jagdfeld auf Nachfrage von Richter Pawel einräumen musste. Er habe in der Angelegenheit allerdings sehr wohl die Zustimmung mehrerer einzelner Anleger eingeholt, betonte der Geschäftsmann. Gut für den Kläger: Seine persönliche Klage bleibt von dem womöglich bedeutsamen Versäumnis beim Fonds unberührt.

Nach Ansicht des Vorsitzenden Richters handelt es sich bei der Schadenersatzklage des Hotel-Adlon-Fonds um eine ungewöhnliche Geschäftsführungsmaßnahme. Mit seiner Einschätzung: "Diese Klageerhebung braucht eventuell einen Beschluss der Gesellschafterversammlung", stützt Pawel sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart aus dem Jahr 2009. Der dort geschilderte Fall sei mit der vorliegenden Klage nicht vergleichbar, halten Jagdfelds Anwälte dagegen.

Der Vorsitzende Richter gab der Klägerseite nun Zeit bis zum 15. Februar, um diese Rechtsauffassung zu untermauern. "Ich weise Sie darauf hin, dass das ein enger Zeitrahmen ist", betonte Pawel. Der dürfte in der Tat sportlich sein, denn die Tage bis dahin sind für die weitere mündliche Verhandlung vorgesehen.

Als ersten Zeugen vernahm das Gericht den langjährigen Prokuristen und Bereichsleiter für Beteiligungen bei Signal Iduna, den 63-jährigen Rechtsanwalt Klaus-Dietrich Schrepp. Dieser war fast 20 Jahre für die Versicherung tätig und seit 2001 für die Beteiligungen und damit auch für die Anteile der Signal Iduna am Adlon-Fonds verantwortlich. Am 31. Oktober 2017 war er in Pension gegangen. Die Anwälte der Jagdfeld-Seite bemühten sich nach Kräften, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu erschüttern. So versuchten sie darzulegen, dass es gezielte Absprachen zwischen der Versicherung und dem mittlerweile verstorbenen Anlegeranwalt Thomas A. Fritsch gegeben haben müsse. Fritsch hatte unter anderem mehrere Rundschreiben an die Fundus-Anleger verfasst, deren Wortlaut von den Jagdfeld-Anwälten als Beleg für die erlittene Rufschädigung angesehen wird.

Schrepp hingegen betonte, dass er Fritsch kaum gekannt und "eher weniger als zehn Mal" mit ihm telefoniert habe. An einzelne Telefonate, die bis zu neun Jahre zurückliegen, oder gar deren Inhalte konnte sich Schrepp in den meisten Fällen jedoch nicht mehr erinnern. Insgesamt habe die Adlon-Angelegenheit im Hause Signal Iduna ohnehin eine vergleichsweise geringe Priorität gehabt. "Das war eine Beteiligung von 5 Mio. Euro bei einem gesamten Beteiligungsportfolio von 2,7 Mrd. Euro", führte der einstige Prokurist aus. Hilmar Kopper, der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank, hätte in diesem Zusammenhang vermutlich von Peanuts gesprochen.

Was Fritsch im Einzelnen in seinen Schreiben formuliert hat, sei ihm nie zur Abstimmung vorgelegt worden, betonte Schrepp. Vieles sei nicht mehr nachvollziehbar, teilweise gebe es bei dessen Kanzlei nicht mal mehr entsprechende Akten dazu. "Das ist in der Tat erstaunlich", bemerkte einer der Jagdfeld-Anwälte. Das Gericht wird dennoch zu klären haben, ob Jagdfeld Schadenersatz zusteht, fehlende Akten hin oder her.

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