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Digitales | 11.01.2018

Aus IZ01-02/2018, S. 16

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Der Geist Zalandos weht in die Proptech-Szene

Quelle: vermietet.de, Urheber: Viktor Strasse
Die Führungsmannschaft von vermietet.de (v.l.): Georg Untersalmberger, Jannes Fischer und Dmitry Dzifuta.

Quelle: vermietet.de, Urheber: Viktor Strasse

Die massenhafte Digitalisierung von Immobiliendaten sei die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Proptech-Branche, sagt Jannes Fischer von vermietet.de. Seine Firma hat eine Plattform entwickelt, über die private Vermieter ihre Wohnungen verwalten können.

Die Saarbrücker Straße 21 in Berlin hat in der Digitalwirtschaft einen besonderen Klang. Die Gründungen von Rocket Internet und Zalando verbinden sich mit dieser Adresse. Rund zehn Jahre später, im März 2017, erblickte in den ehemaligen Zalando-Räumen in der dritten Etage vermietet.de das Licht der Welt. Die Firma hat eine Cloud-Lösung entwickelt, mit der private Vermieter ihre Wohnungen online bewirtschaften können. Vereinfacht ausgedrückt stellt vermietet.de eine Internet-Verbindung zwischen dem Bankkonto und der Wohnung des Vermieters her. Eine der zahllosen Anwendungen: Trifft die Miete nicht fristgerecht auf dem Konto des Vermieters ein, wird dem Mieter automatisch eine Mahnung geschickt.

"In Deutschland gibt es extrem viele Immobilienbesitzer, die weniger als 25 Wohneinheiten besitzen, etwa für ihre Altersvorsorge", sagt Jannes Fischer, CEO von vermietet.de, der selbst Vermieter ist. An diese Klientel, die ihre Wohnungen vielleicht noch mit Stift, Papier und Aktenordner verwaltet, will Fischer ran. "Wir schaffen für private Vermieter eine digitale Infrastruktur, die es z.B. im Bankbereich schon lange gibt." Stichwort Online-Banking mit dem Smartphone.

Nachdem die Firma laufen gelernt hat, versucht vermietet.de sein Produkt zurzeit auch größeren Bestandshaltern schmackhaft zu machen, z.B. Hausverwaltungen. "Die privaten Vermieter abzuholen, ist nur der erste Schritt", sagt Fischer. Irgendwann sollen auch Mieter die Plattform nutzen können, z.B. um Schäden in der Wohnung zu melden.

Die ersten neun Monate liefen vielversprechend. Rund 20.000 Nutzer bewirtschaften inzwischen über vermietet.de insgesamt etwa 50.000 Wohnungen. "Das hat so schnell noch niemand geschafft", sagt Chef Fischer. Im vergangenen Mai wurde eine zweite Finanzierungsrunde geschlossen. Zu den Geldgebern zählen die Axa-Versicherung, Axel Springer Digital Ventures und Springtech Partners. Laut Internetseite hat vermietet.de derzeit zwölf Mitarbeiter und sucht zehn neue, darunter einen Chief Marketing Officer, einen Senior Software Engineer und einen Senior UI/UX Designer. Um das neue Personal unterzubringen, hat sich das Start-up gerade von 120 m2 auf 250 m2 Bürofläche vergrößert. "Wir haben relativ ambitionierte Ziele für 2018 und können davon ausgehen, dass wir unsere Wachstumsraten steigern können", erklärt Fischer.

Als Ganzes gesehen steckt die Proptech-Branche seiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen. In der Digitalisierung von Gebäude- und Immobiliendaten sieht er die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre. "In der Immobilienbranche gibt es extrem große Datenmengen, die intransparent auf Insellösungen gespeichert sind", sagt Fischer. Sei es auf einzelnen Servern oder ganz konventionell auf Papier. Der Mangel an Immobiliendaten mache Big-Data- und Artificial-Intelligence-Lösungen schwierig. Erst wenn massenhaft digitale Immobiliendaten vorlägen, könne die Proptech-Branche skalierbare, umsatzstarke Geschäftsmodelle entwickeln und "Dienstleistungen mit einem akkuraten Preis online anbieten und die Marktteilnehmer miteinander vernetzen".

Der Einzelhandel könne der digitalen Immobilienwirtschaft in gewisser Weise als Vorbild dienen. Im Onlinehandel seien bereits viele Unternehmen mit Milliardenumsätzen entstanden, Beispiel Zalando oder Amazon. Produkte im Internet zu verkaufen und zu bepreisen sei aber auch weitaus weniger komplex, als das mit Dienstleistungen zu tun, sagt Fischer. "Bei Produkten kann ich die Informationen und einen Preis festlegen, bei einer Maklerdienstleistung ist das schon schwieriger. Das ist auch einer der Gründe, warum man bisher über Amazon noch keinen Handwerker buchen oder eine Immobilie verwalten kann."

Eine große Chance für die Entwicklung der Proptech-Branche sieht Fischer in der Blockchain-Technologie (siehe Kastentext "Was ist Blockchain?"). Die Blockchain erlaube es, "große Datenmengen dezentral und fälschungssicher abzulegen". Irgendwann werde es dank dieser Technologie möglich sein, bei Immobilientransaktionen auf den Austausch von Papier zu verzichten, sondern diese komplett online durchzuführen und auch die dazugehörigen Verträge digital abzuspeichern. "Den Notar brauche ich dann nicht mehr." Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg. "Auch die Blockchain braucht digitale Entitäten", so Fischer. Er hält deshalb - 2018 wie in den Jahren danach - "alle Trends für spannend, die es schaffen, Immobiliendaten online zu bringen".

Was ist Blockchain?

Die Blockchain ist eine Verschlüsselungstechnik, die genutzt werden kann, um Daten digital und dezentral abzulegen. Die Daten liegen dann nicht mehr nur auf einem Rechner oder bei einem Anbieter (z.B. Google), sondern gleichzeitig bei vielen. Dies macht die Daten fälschungssicher, weil man davon ausgeht, dass man zwar einen Rechner manipulieren kann, aber nicht gleichzeitig alle, auf denen bestimmte Daten liegen. "Die Blockchain ist die modernste Möglichkeit, fälschungssicher Transaktionen im Internet abzuwickeln", sagt Jannes Fischer, CEO von vermietet.de. Die Blockchain-Technologie ist z.B. die Grundlage für Internetwährungen wie den Bitcoin. cvs

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