Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Märkte | 21.12.2017

Aus IZ51/2017, S. 2

Von Thorsten Karl

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Dorsten
  • Immobilienart:
    Wohnen

Gut gemeint, trotzdem gescheitert

Dem allgemeinen Wohnraummangel begegnet die Branche teilweise mit innovativen Bauformen. Dass so etwas gründlich schief gehen kann, belegt ein ehemals hochgelobtes Projekt im nördlichen Revier.

Quelle: Immobilien Zeitung
Thorsten Karl.

Quelle: Immobilien Zeitung

Das Gegenteil von gut, so spricht der Volksmund, ist gut gemeint. Und gut gemeint waren die Anstrengungen, im Norden des Revierstädtchens Wulfen, die "Neue Stadt" zu errichten, allemal. In den frühen 1970er Jahren sollte hier die Siedlung der Zukunft entstehen, für stramme 50.000 Menschen - direkt vom Reißbrett.

Ganz so ambitioniert sind die aktuellen Wohnbauvorhaben in Deutschland bislang noch nicht, die die immer weiter wachsende Lücke in der Wohnraumversorgung stoppen sollen. Doch nagelneue Quartiere im Bereich von 1.000 bis 1.500 Wohneinheiten sind in zahlreichen großen Städten geplant. Wer hier mit dem Anspruch startet, dass ein solches Vorhaben besonders zukunftsweisend sein muss, dem sei ein Blick nach Wulfen empfohlen. Denn die Realisierung der Neuen Stadt ist gründlich schiefgegangen.

Knapp 50 Jahre nach Baubeginn können weder vierspurige Trassen für den Individualverkehr überzeugen noch die flächendeckende Versorgung mit elektrischer Fußbodenheizung. Und richtig schiefgegangen sind ausgerechnet die Projekte, die besonders zukunftsweisend sein sollten: Die Metastadt, eine Wohnsiedlung ganz aus Stahl, konnte sich genauso wenig durchsetzen wie das besonders innovative Projekt Habiflex, das seinen Bewohnern gleich einen ganzen Strauß bislang nie dagewesener Highlights bescheren sollte. So wurde es in der Metastadt aufgrund der Stahlkonstruktion nie wirklich warm, dafür nagte aber bald der Rost am Bauwerk. Letztlich wurde sie in den 1980er Jahren abgerissen. Das Habiflex steht noch heute - und zwar leer. Etliche Millionen DM Fördermittel flossen in die Vorhaben.

Doch wer sich heute milde lächelnd in seinem Bürostuhl zurücklehnt, weil er es ja scheinbar besser weiß, sollte sich die Parallelen zwischen der Neuen Stadt Wulfen und großen Entwicklungsgebieten wie dem Glasmacherviertel in Düsseldorf oder dem Riedberg in Frankfurt vergegenwärtigen: vom Reißbrett konstruiert, möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Grund unterzubringen und sich innovativen Wohnungsbau mit Fördermitteln versüßen lassen.

Betriebswirtschaftlich kann das für die Entwickler gut gehen, denn sie sind nach dem Verkauf der Einheiten ja aus dem Spiel entlassen. Wer bleibt, sind zunächst die Bewohner - bis sie mit den Füßen abstimmen: In der Neuen Stadt Wulfen leben jetzt keine 8.500 Menschen mehr.

Lesen Sie hierzu auch "In Wulfen scheiterte die Zukunft des Wohnens".

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!