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Unternehmen | 09.11.2017

Aus IZ45/2017, S. 11

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:

Strabag sieht viele Mitarbeiter künftig bei ISS

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold
Strabag-PFS-Chef Martin Schenk und seine Stellvertreterin Marion Henschel.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold

Die Deutsche Telekom hat ihren Großauftrag für Strabag PFS nicht verlängert. Was das für die 3.300 betroffenen Mitarbeiter von Strabag PFS bedeutet und wie der FM-Dienstleister den Umsatzverlust von 550 Mio. Euro ausgleichen will, berichtet dessen Geschäftsführung im exklusiven Interview der Immobilien Zeitung.

Immobilien Zeitung: Wie haben die Mitarbeiter von Strabag PFS die Nachricht aufgenommen, dass 2019 die Zusammenarbeit zwischen ihrem Unternehmen und der Telekom endet?

Martin Schenk: Das hat unsere Mitarbeiter stark getroffen. Es herrscht eine große Enttäuschung vor. Für viele Kollegen war die Telekom ein Bestandteil ihres Lebens.

IZ: Wie ist es nun um die Zukunft der mehr als 3.000 betroffenen Mitarbeiter bestellt?

Schenk: Ein großer Teil von ihnen wird voraussichtlich im Auftrag von ISS auch weiterhin für die Telekom arbeiten. Das wäre für uns eine sinnvolle Lösung. Die Telekom ist nicht nur ein großer, sondern auch ein spezieller Kunde. Unsere Mitarbeiter sind in den besonderen Anforderungen und im Umgang mit den technischen Anlagen geübt.

IZ: Haben Sie über die Personalfrage schon mit ISS gesprochen?

Schenk: Wir verweigern uns keinen Gesprächen. Erste Termine sind vereinbart. Sicher wird dann in der Folge auch die Telekom eingebunden.

IZ: Was bedeutet die Entscheidung der Großkundin wirtschaftlich für Strabag PFS?

Schenk: Uns trifft mit rund 550 Mio. Euro ein Umsatzverlust beachtlicher Größe.

IZ: Wie gehen Sie damit um?

Schenk: Unser Ziel ist es, langfristig wieder den derzeitigen Jahresumsatz von einer knappen Milliarde Euro zu erreichen. Dazu werden wir unser Deutschlandgeschäft neu aufstellen und unsere Vertriebstätigkeit intensivieren. Daneben wollen und müssen wir anorganisch wachsen.

IZ: Auf welche Weise wird der Vertrieb optimiert?

Schenk: Ein so großer Kunde wie die Telekom verpflichtet zu gewissen Strukturen. Es ist nun notwendig, dass wir uns individueller aufstellen und die Bedarfe unserer Kunden genauer analysieren, um vorausschauend agieren zu können.

Marion Henschel: Unsere Vertriebsmannschaft haben wir dazu bereits verstärkt.

IZ: Wie kam es dazu, dass die Telekom und Strabag PFS ab 2019 getrennte Wege gehen?

Schenk: Die Telekom hatte sich schon länger Gedanken darüber gemacht, was nach dem Auslaufen des Vertrags passiert. Als DAX-30-Konzern unterliegt sie einem starken Wettbewerb und hat neben uns auch andere Dienstleister angesprochen.

IZ: Warum ist die Wahl nicht auf Strabag PFS gefallen?

Schenk: Wir haben den Eindruck, dass bei der Entscheidung wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend waren. Dabei hatten wir der Telekom ein durchaus interessantes und wirtschaftliches Angebot für die weitere Zusammenarbeit unterbreitet. Doch wir müssen die Entscheidung akzeptieren.

IZ: Bestand denn keine historische Verbundenheit zwischen der Telekom und ihrer früheren Tochtergesellschaft mehr?

Henschel: Zehn Jahre sind ein langer Zeitraum. Da kommt es leider weniger auf persönliche Beziehungen als auf wirtschaftliche Vorgaben an. Strabag PFS ist für die Telekom nun nur noch einer von mehreren Wettbewerbern.

Schenk: Das Verhältnis zur Telekom ist mittlerweile in eine reine Geschäftsbeziehung gemündet. Das ist bei vielen Ausgründungen der Fall.

IZ: Ihr bei der Auftragsvergabe zum Zuge gekommener Wettbewerber ISS nennt als wichtigstes Entscheidungskriterium der Kundin technische Innovationen, die er der Telekom vorgestellt hat.

Henschel: Die Bewertungsmatrix der Telekom ist uns zwar nicht bekannt, doch Innovationen sind - losgelöst von der Großkundin - auch ein wesentlicher Bestandteil unseres Angebots. Wir leben im Unternehmen die Immobiliendienstleistung 4.0.

IZ: Was ist darunter zu verstehen?

Schenk: Wir beschäftigen uns derzeit sehr intensiv mit den Daten zu Gebäuden und den Abläufen darin. Mit Microsoft arbeiten wir z.B. an einem weitestgehend automatisierten Auftragsmanagementsystem, das im kommenden Jahr in Betrieb geht. Ziel ist, dass Daten von Asset-, Property- und Facility-Managern über eine zentrale Plattform abgerufen werden können. Über unsere Mixed-Reality-Brille bringen wir zudem bei der Wartung technischer Anlagen das Know-how unserer Mitarbeiter von außen in die Immobilien. Doch wir werden bei diesen Innovationen noch lange nicht haltmachen.

IZ: Wie weit ist Strabag PFS in Sachen Building Information Modeling?

Henschel: BIM drängt sich zunächst für den Neubau auf, doch wir haben Pilotprojekte zu der Frage laufen, wie sich BIM im Gebäudebestand mit dem Facility-Management zusammenbringen lässt. Mit dem auf der Expo Real vorgestellten Daten-Trolley NavVis können wir z.B. durch ein Gebäude fahren und dessen Daten aufnehmen. Vor wenigen Jahren war so etwas noch unvorstellbar. Wer sich mit Lebenszyklusmanagement beschäftigt, kommt an BIM nicht vorbei. Im Endeffekt dreht sich alles um die Daten. Wer diese beherrscht, kontrolliert auch die Prozesse. In diesem Zusammenhang ist Sensorik sehr wichtig, ob im Sanitärbereich oder in den Aufzügen.

Schenk: Während sich in Deutschland viele Unternehmen noch beim Thema BIM sträuben, ist es z.B. in Skandinavien bereits Pflicht. Die nächsten Gebäudestandards in dieser Hinsicht werden deshalb aus dem Ausland kommen. Ein transparentes Gebäude ist wertvoll. Es wäre schade, wenn man in Deutschland die Zeichen der Zeit nicht erkennt.

IZ: ISS verfügt laut Country-Manager Alexander Granderath über mehr eigenes Personal als Strabag PFS. Stimmen Sie dem uneingeschränkt zu?

Henschel: Nein, wenn man das gesamte Personal unserer Tochtergesellschaften wie z.B. Strabag Facility Services und DIW berücksichtigt und auch Teilzeitkräfte heranzieht, kommen wir auf eine ähnliche Personalstärke wie ISS. Allerdings liegt unser Schwerpunkt im Gegensatz zum Wettbewerber eher bei der Technik als bei infrastrukturellen Leistungen.

IZ: Wie funktioniert das, wenn bei einem derart großen Auftrag wie beim Telekom-Account der Dienstleister wechselt?

Henschel: Der Auftrag endet spätestens Mitte 2019, wir unterliegen aber heute schon vertraglichen Mitwirkungspflichten für die reibungslose Übergabe, denen wir uneingeschränkt nachkommen werden.

IZ: Besteht die Gefahr, dass Ihnen noch andere Kunden aus dem Telekommunikationssektor den Rücken kehren? Sie betreuen ja u.a. die Telekom-Wettbewerber Vodafone und Telefónica.

Schenk: Wir haben weiterhin eine hohe Kompetenz auf diesem Sektor und werden unsere Kunden auch künftig genauso gut betreuen wie bisher.

Henschel: Wir verfolgen eine starke Account-Ausrichtung, sodass die anderen Kunden nicht vom Telekom-Auftrag betroffen sind. Es bieten sich in Zukunft sogar Chancen auf neue Vertragsabschlüsse mit Kunden aus der Branche. Nur selten laufen Verträge so lange wie im Fall der Telekom (siehe "Strabag PFS managt für Jungheinrich").

IZ: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lars Wiederhold.

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