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Recht | 14.09.2017

Aus IZMAGAZIN IMMOBILIENANWAELTE AUSGABE 2017/2018/2017, S. 6

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Union Investment, ECE, Greenberg Traurig, Architrave, Evana, TeamDrive Systems, e.Consult, iDGard, Projectfusion, 3A Partner
  • Organisationen:
    ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss
  • Personen:
    Nadja Fleischmann, Heike Gündling, Stefan Meusel, Stefan Meyer, Florian van Riesenbeck, Peter Moog, Robert Kazemi, Thomas Lenhard

Wie die Digitalisierung Kommunikation und Prozesse verändert

Der schnelle Draht zum Anwalt

Quelle: istockphoto.com, Urheber: YanC

Quelle: istockphoto.com, Urheber: YanC

Im gewerblichen Immobiliengeschäft, bei dem Tausende Unterlagen anfallen können, spielte der elektronische Datenaustausch mit Anwälten lange keine Hauptrolle. Zu unsicher waren beispielsweise die Übertragungswege. Mittlerweise hat sich das geändert: Es gibt praktikable Angebote mit transparenten Preismodellen. Elektronische Datenräume sind gang und gäbe. Doch immer mehr Anbieter arbeiten an weit umfangreicheren Projekten, die die Zusammenarbeit von Rechtsanwälten und Mandanten verändern werden. Sie versprechen automatisierte Vertragsanalyse, Berichterstellung per Mausklick und mehr.

"Ein großer Nachteil der Immobilienwirtschaft ist, dass sie sich nie auf Informationsstandards geeinigt hat. Einen solchen Standard entwerfen wir gerade", sagt Peter Moog, CEO der Softwareschmiede Evana. Das Unternehmen, dessen Name aus Evaluation & Analytics abgeleitet ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in der Immobilien- und Rechtsbranche anfallenden Daten so aufzubereiten, dass auch komplexe und bisher zeitraubende Arbeiten in einem Bruchteil der Zeit erledigt werden können. Dadurch lassen sich Kosten bei Vertragsprüfung oder Due Diligence wie auch in der Bestandshaltung verringern. Moog und sein Team haben dazu alle in der Immobilienwirtschaft vorkommenden Dokumente klassifiziert, auf über 3.000 sind sie gekommen, und das System lernt noch immer neue Ausnahmefälle dazu.

Wenn der Evana-Standard steht, wäre es beispielsweise möglich, auch komplexe Gewerbemietverträge nach den Vorgaben des Vermieters per Mausklick erstellen zu lassen. Die Textbausteine liefert dann der Computer, der Anwalt müsste das fertige Dokument nur noch mal durchlesen. Das ergibt nicht nur eine Beschleunigung für den Mandanten, sondern könnte langfristig auch die Honorare der Anwaltschaft, die für solche Leistungen erhoben werden, ins Purzeln bringen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA erachtet den Evana-Ansatz jedenfalls als so elementar, dass er ihn in seinem Innovationsreport 2017 als eine von gut zwei Dutzend Lösungen auflistet, die das Potenzial haben, die Immobilienbranche umzukrempeln.

KEINE EINHEITLICHE LÖSUNG FÜR ELEKTRONISCHE KOMMUNIKATION

Bevor allerdings Daten ausgewertet und vom Anwalt in neue Verträge gegossen werden können, müssen sie zunächst einmal übertragen werden. Die Papierform gilt als sicher, ist aber umständlich und teuer. So kann ein Anwalt laut Anlage 1.7 des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes zwischen 15 Cent und 1 Euro je kopierter Seite Schriftverkehr verlangen, hinzu kommt das Porto. Für die Übertragung elektronischer Daten wird dagegen nur 1,50 Euro je Dokument fällig. Werden mehrere Dokumente gleichzeitig übertragen, sind die abrechenbaren Auslagen bei 5 Euro je Übertragung gedeckelt.

Die Frage nach der geeigneten Methode zum elektronischen Datentransfer zu beantworten, ist schon etwas kniffliger. Die Antwort hängt von der Menge der zu übertragenden Daten ab und vom angestrebten Sicherheitsstandard. Für die Kommunikation der Anwälte mit den Gerichten sollte das Problem der sicheren Datenübertragung durch das besondere elektronische Anwaltspostfach, kurz beA, gelöst sein, das es seit dem 28. November 2016 gibt. Für die sichere Kommunikation mit dem Mandanten gibt es hingegen keine vergleichbare, einheitliche Lösung. Je nach Umfang der Daten kann die Übertragung per E-Mail, File-Transfer-Plattform oder über einen Datenraum bewerkstelligt werden. Normale E-Mails sind im Grunde nichts anderes als elektronische Postkarten. Wer sie auf dem Weg zum Empfänger abfängt, kann sofort den Klartext lesen. Werden rechtlich sensible Daten übertragen, stellt die gewöhnliche E-Mail daher ein erhebliches Sicherheitsproblem dar. Seit einigen Jahren gibt es deshalb die De-Mail, ein durch Bundesgesetz geregelter E-Mail-Dienst, der den Anspruch erhebt, deutlich sicherer zu sein.

NUR ENDE-ZU-ENDE-VERSCHLÜSSELUNG MACHT DE-MAIL RICHTIG SICHER

"De-Mail-Dienste dürfen nur von akkreditierten Diensteanbietern betrieben werden, die die im De-Mail-Gesetz aufgestellten Sicherheitsanforderungen erfüllen", erläutern Robert Kazemi und Thomas Lenhard in ihrer eBroschüre "Datenschutz und Datensicherheit in der Rechtsanwaltskanzlei", die im Deutschen Anwaltverlag erscheint. De-Mail hat sich bisher jedoch nicht flächendeckend durchsetzen können, obwohl zum Beispiel die Telekom als Referenzkunden eine ganze Reihe Stadtverwaltungen sowie einige große Banken und Versicherungen nennt, etwa die Allianz.

Ein Grund dafür ist die relativ umständliche Identifizierung, die für die Einrichtung eines De-Mail-Postfachs erforderlich ist. Sie muss entweder persönlich erfolgen oder mittels eines elektronischen Personalausweises. Zudem läuft das De-Mail-Postfach separat unter einer eigenen E-Mail-Adresse, ist also von der sonstigen elektronischen Kommunikation getrennt. Darüber hinaus ist die maximale Dateigröße je nach Anbieter begrenzt, z.B. auf 10 MB. Dagegen liegen die Kosten pro übertragener Mail je nach Anbieter zwischen 33 und 39 Cent, bei Einschreiben können es auch schon mal 78 Cent sein. Da ist der Abstand zum Briefporto doch recht überschaubar und das, obwohl der höchste Sicherheitsstandard, die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Kommunikation über De-Mail noch nicht einmal standardmäßig vorgeschrieben ist. Datenschutzbeauftragte empfehlen daher dringend, bei der Nutzung von De-Mail immer auf den Einsatz der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu achten. Dabei können auch die Server einer Internetverbindung, über die die Daten weitergeleitet werden, nichts mitlesen. Erst beim Empfänger wird ein Dokument wieder in Klartext übersetzt.

DATEN IN DER CLOUD VOR UNBEFUGTEN MITLESERN SCHÜTZEN

Größere Dateien lassen sich allerdings wesentlich komfortabler per File-Transfer übertragen. Dabei lädt der Anwalt die Daten auf den Server eines Cloud-Anbieters hoch und stellt seinem Mandanten einen Downloadlink zur Verfügung. Kostenlose Anbieter, wie sie für private Dateien wie z.B. Urlaubsfotos gerne genutzt werden, sind dabei unbedingt zu vermeiden. Der Datentransfer ist nur scheinbar kostenlos, denn der Nutzer räumt dem Internetunternehmen im Kleingedruckten dabei meist das Recht ein, diese Daten auszuwerten, beispielsweise für Werbezwecke. Für sensible Firmendaten ist das natürlich ein Unding. Dennoch findet Datenweitergabe auch unter Immobilienprofis immer noch zu häufig über solche Links zum Download statt, die außerdem, noch in einer ungesicherten E-Mail verschickt werden, weiß Florian van Riesenbeck, Vorstandschef des Asset-Managers Empira und Vorsitzender der RICS-Fachgruppe Asset Management.

Eine speziell auf Anwälte und ihre Mandanten zugeschnittene Cloudlösung bietet das Programm WebAkte vom Softwarehersteller e.Consult. Die Daten werden dabei in Deutschland auf den Servern des IT-Dienstleisters Datev abgelegt, der auf Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer spezialisiert ist. Die Software kann leicht in die Bürosoftware des Anwalts eingebunden werden, der File-Transfer an den Mandanten erfolgt komplett verschlüsselt. Einen kleinen Haken hat die WebAkte jedoch ebenfalls: Zumindest die Support-Mitarbeiter des Softwarehauses erhalten zu Wartungszwecken Zugriff auf die Dateien. Dabei kann e.Consult nicht völlig ausschließen, dass diese Einsicht in die Daten selbst nehmen.

Eine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet dagegen die Cloud-Lösung TeamDrive vom Anbieter TeamDrive Systems. Die Daten liegen dabei auf den Servern von noris network, die nach den Standards von ISO und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sind. "Die Software ermöglicht die sichere Zusammenarbeit mit Kollegen und Mandanten über eine automatische, verschlüsselte Übertragung mit revisionssicherer Dokumentation aller Änderungen", schreibt der Deutsche Anwaltverein, der mit TeamDrive kooperiert und seinen rund 68.000 Mitgliedern diese Lösung empfiehlt.

WENN ES UM RICHTIG GROSSE DATENMENGEN GEHT

Die größten Datenmengen in der Kommunikation mit Immobilienanwälten fallen bei Käufen oder Verkäufen an. Der Aktenumfang ist dabei umso größer, je mehr Mietverträge zu den übertragenen Objekten gehören. Da kommt dann der gewöhnliche File-Transfer schnell an seine Grenzen. Und bis vor kurzem konnte so eine Transaktion auch dem Anwalt einige Kraft abverlangen.

"Bis vor etwa fünf oder sechs Jahren waren Due-Diligence-Prüfungen im Rahmen von Transaktionen zumeist noch körperliche Arbeit, bei der große Mengen an Akten in Papierform bereitgestellt werden mussten", erinnert sich Rechtsanwalt Stefan Meyer, Vorstand des Netzwerks der deutschsprachigen Auslandsanwälte (CBBL). "Wir hatten regelrechte feuerfeste Stahlschränke in der Kanzlei, in denen sich die Aktenordner mit den Originaldokumenten befanden, die dann vor Ort von den Anwälten der anderen Parteien eingesehen werden konnten. Das war alles sehr umständlich und aufwendig." Mittlerweile werden solche Transaktionen praktisch nur noch über elektronische Datenräume abgewickelt. Dann geht es nicht mehr um Megabytes, sondern um Gigabytes an zu übertragenden Daten.

Der Umgang mit dieser Technik gehört vor allem für diejenigen Mandanten der Anwälte längst zum Alltag, die regelmäßig mit großformatigen Immobilientransaktionen zu tun haben. "Solche virtuellen Datenräume werden bei An- und Verkaufsprozessen bereits seit einer ganzen Weile, etwa seit fünf bis zehn Jahren, regelmäßig verwendet", heißt es etwa von Seiten des Shoppingcenter-Entwicklers ECE. Mit Ausnahme der technischen Dokumente zur Immobilie werden dort fast alle Daten für die am Prozess Beteiligten zur Verfügung gestellt. Auch große Asset-Manager wie die Deutsche Bank oder Union Investment nutzen elektronische Datenräume schon seit bis zu zehn Jahren. Die automatisierte Auswertung des Datenwusts ist hingegen ein relativ neues Phänomen.

ELEKTRONISCHE DATENRÄUME SICHERN UND VERSCHLÜSSELN DIE DATEN

Die Anbieter elektronischer Datenräume kümmern sich zunächst einmal um Datensicherheit und Datenschutz, also sowohl um die Sicherung der Daten vor Beschädigung und Verlust als auch darum, dass niemand Unbefugtes Zugriff erhält. Wenn sie eine allgemein anerkannte Qualitätskontrolle durchlaufen haben, genießen sie dabei im Regelfall hohes Vertrauen bei den Anwendern. "Das Thema Datenschutz bei Transaktionen macht unseren Mandanten vergleichsweise weniger Sorge", sagt Rechtsanwalt Meyer. "Die Daten sind ja auf geschützten Servern abgelegt und entsprechend verschlüsselt. Es ist aber in meinen Augen schon wichtig, einen seriösen Anbieter von elektronischen Datenräumen zu wählen, der das durch entsprechende Zertifizierungen nachweisen kann."

Typische Zertifizierungen sind etwa der ISO-Standard 27018 für Cloud-Dienste oder das Trusted-Cloud-Datenschutzprofil (TCDP). Der deutsche Datenraumanbieter iDGard erfüllt beide Standards und ist durch seine lückenlose Dokumentation revisionssicher. Preislich startet iDGard bei 8,95 Euro im Monat für eine Volllizenz und 20 GB Datenvolumen. Generell steigt bei Datenraumanbietern der Preis mit der Anzahl der Nutzer, die gleichzeitig zugreifen dürfen, und dem Datenvolumen. Nach oben gibt es kaum Grenzen: Der britische Anbieter Projectfusion, der CBRE zu seinen Referenzkunden zählt, ruft 480 GBP, derzeit rund 520 Euro, im Monat für eine unbegrenzte Nutzerzahl auf, jedoch nur, sofern das Datenvolumen 1 GB pro Nutzer nicht übersteigt. Zusätzliche Datenmenge kostet extra.

Durch entsprechende Klauseln in den Verträgen der Datenraumdienstleister ist sichergestellt, dass die Datenhoheit bei demjenigen verbleibt, der die Daten zur Verfügung gestellt hat. Wäre das nicht geregelt, bestünde zum Beispiel bei einem Anbieterwechsel nicht automatisch ein Herausgabeanspruch.

Die digitale Technik bietet heute schon viele Vorteile. So ist die Dokumentation darüber, wer etwas zu welchem Zeitpunkt überhaupt gesehen hat, jederzeit vollständig gegeben. Und durch datenraumgestützte Frage- und Antwort-Funktionen, sogenannte Q&A-Tools, kann die Due Diligence sehr effektiv und zielgerichtet laufen. Allerdings kann die Technik auch dazu führen, dass mehr Informationen als früher geprüft werden müssen, weil das Hochladen so einfach ist und dadurch mehr Daten zur Verfügung gestellt werden. Die Due Diligence wird dann umfangreicher. Trotzdem ist ein elektronischer Datenraum gegenüber der Papiermethode meist die ökonomisch sinnvollere Lösung, schon weil ein Großteil der Reisezeit der eingebundenen Anwälte entfällt.

Quelle: istockphoto.com, Urheber: .shock

Quelle: istockphoto.com, Urheber: .shock

Die elektronische Datenraumerfassung dient außerdem der Qualitätskontrolle. So stellt sich oft erst beim Digitalisieren von beispielsweise einem Mietvertragsbestand heraus, dass ein großer Teil der Dokumente unvollständig oder fehlerhaft ist. Das ist die Erfahrung von Heike Gündling, COO von Architrave, einem Anbieter, der auf elektronische Datenräume für Immobilien spezialisiert ist. Bis zu 30% Fehler und Lücken im Bestand sind nach ihrer Erfahrung keine Seltenheit.

Trotz der vielen Vorteile sieht die Managerin des Datenraumspezialisten Vorbehalte in Teilen der Immobilienbranche. In einem Markt mit knappem Angebot, bei dem jeder versucht, noch zu einem vertretbaren Preis zum Zuge zu kommen, sind Lücken in der Dokumentation laut Gündling bares Geld wert. Unter Umständen lässt sich dadurch der Preis drücken.

AUTOMATISCHE DATENANALYSE IST DER NÄCHSTE SCHRITT

Die reine Übertragung oder Sammlung großer Datenmengen ist erst der Anfang. "In Zukunft wird die Fähigkeit, bisher ungekannte Mengen an Daten zu durchsuchen, zu analysieren und zu interpretieren ebenso entscheidend für den Erfolg einer Kanzlei sein, wie die Kunst, rechtlichen Rat zu erteilen, es heute ist", schrieben die Autoren einer Studie der Boston Consulting Group und der Bucerius Law School 2016. Ähnlich argumentiert Empira-Vorstand van Riesenbeck: "Asset-Manager müssen sich künftig dem Thema elektronische Datenräume viel mehr widmen als bisher. Damit meine ich Software, die auch eine automatische Analyse der Daten nach vorgegebenen Kriterien erlaubt, also das, was wir als künstliche Intelligenz bezeichnen. Das nutzen aber bisher noch zu wenige Unternehmen."

Union Investment hat hier bereits Erfahrungen gesammelt. So setzt das Unternehmen bei komplexen Transaktionen bereits Systeme mit künstlicher Intelligenz ein, um Daten aus Mietverträgen zu erfassen und auszuwerten. Erstmals kam künstliche Intelligenz 2015 beim Verkauf des rund 1 Mrd. Euro schweren Aqua-Portfolios an Amundi zum Einsatz, das 17 Objekte in sechs Ländern umfasste.

Auch Centerbetreiber ECE bestätigt, dass er die neue Technik bereits anwendet, etwa bei der kaufmännischen Analyse von Objekten mit vielen Mietverträgen. Bei der Beauftragung einer Anwaltskanzlei führt das dazu, dass jetzt viel stärker zwischen verschiedenen Varianten der anwaltlichen Leistungserbringung differenziert werden muss. So sieht sich das Unternehmen nun Angebote mit und ohne digitale Auswertungen an, die sich insbesondere durch den Arbeitsaufwand der Kanzleien und damit auch im Preisniveau unterscheiden. "Die Aufgabenstellung und die Zusammenarbeit an sich hat sich dabei kaum verändert, die Art der Auftragserledigung durch die Kanzleien jedoch durchaus", stellt ECE heraus.

DIE TECHNIK ZWINGT RECHTSANWÄLTE ANDERS ZU ARBEITEN

Langfristig ist zu erwarten, dass sich immer mehr Anwaltskanzleien auf den Mandanten zubewegen und ihm elektronische Verfahren anbieten. Schließlich stehen sie untereinander im Wettbewerb. Zwar bedeutet die Umstellung aufs Digitale eine Menge Arbeit, allerdings sind viele Kanzleien zuversichtlich, diese selber stemmen zu können. In einer Ende 2016 vom Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) und der Kanzlei CMS Hasche Sigle durchgeführten Erhebung unter 300 Rechtsabteilungen in Deutschland gaben rund 40% der Befragten an, die anfallende Mehrarbeit durch das Thema Digitalisierung in erster Linie durch Optimierung von Prozessen innerhalb der eigenen Organisation stemmen zu wollen. Nur knapp 25% wollten auf spezialisierte Outsourcingpartner zurückgreifen. Allerdings setzt die digitale Transformation ein Spezialwissen voraus, das in den Kanzleien selbst oft noch nicht vorhanden ist. Je größer das Bewusstsein der Anwälte hierfür wird, desto größer dürfte die Bereitschaft werden, auf Expertise von außen zu setzen.

JURISTISCHES FACHWISSEN ELEKTRONISCH UND PER MAUSKLICK

Genau in diese Richtung gehen die Anstrengungen von Nadja Fleischmann, Partnerin bei der Kanzlei 3A, einem Spin-off von CMS Hasche Sigle. Die Rechtsanwältin arbeitet zusammen mit ihren Partnern an einem Projekt namens nice, das für Anwaltskanzleien einen neuen Standard für reproduzierbare Texte setzen will, an der Schnittstelle zwischen Proptech und Legaltech. Ein Anwalt kann mit diesen Programmen seine Anmerkungen, z.B. zu einer Immobilientransaktion, elektronisch aufrufen und die Datenbank nach Schlagworten durchsuchen. Die Software liefert ihm zudem Textbausteine, die von ihm oder seinen Kollegen bei einem vergleichbaren Fall verwendet wurden. Der Anwalt muss also das Rad nicht jedes Mal neu erfinden, was die Bearbeitungszeiten massiv reduzieren könnte und den Mandanten viel Geld sparen würde. Mandanten profitieren auch inhaltlich von der Datenbankform. Sie können die anwaltlichen Ergebnisse themenbezogen filtern, sortieren und zusammenstellen.

Langfristig übt das voraussichtlich Druck auf die Honorare aus und macht manchen Anwaltsjob überflüssig, wenn die Maschine schon einen passenden Kommentar zum Thema ausspuckt, der vom Rechtsberater nur noch gegengelesen und geprüft werden muss. "Legaltech könnte in vielen Segmenten, in denen Juristen tätig sind, zu erheblichen Effizienzgewinnen in Zeit bzw. Geld führen", ist Fleischmann überzeugt. Das betrifft alle Bereiche, in denen Texte mit immer wiederkehrenden Formulierungen ausgearbeitet werden müssen. Software von Dienstleistern wie Leverton oder Architrave hält ihr 3A-Partner Stefan Meusel für einen guten Ausgangspunkt. Wer nur schnell die Durchschnittsmietlaufzeit eines Portfolios ermitteln will, dürfte mit deren Lösungen gut bedient sein. Wenn es jedoch darum geht, wie eine Verpflichtung des Mieters genau zu interpretieren ist, braucht es zusätzlich anwaltliches Fachwissen, das mit nice elektronisch verfügbar sein soll.

Bei Greenberg Traurig hat mit der Einführung der digitalen Due-Diligence-Anwendung Greta die Zukunft ebenfalls bereits begonnen. Das deutsche Büro der größten Kanzlei in den USA hat die Softwarelösung für Due-Diligence-Prozesse im Immobilienbereich gemeinsam mit Evana als Kooperationspartner geschaffen. Greta löst alle Kerndaten, die bei Due-Diligence-Prüfungen anfallen, mit Hilfe künstlicher Intelligenz aus den Dokumenten heraus, analysiert sie und stellt sie dann für Berichte zur Verfügung. Die rechtliche Risikoprüfung ist nach der digitalen Datenaufbereitung laut Evana nicht nur schneller und effizienter, sondern lässt sich auch besser auf Kundenbedürfnisse zuschneiden. Greta kann neben juristischen auch kaufmännische Dokumente auslesen. Zusammen mit den im Programm hinterlegten Textbausteinen lassen sich auf diese Weise Statusberichte zu einzelnen Projekten verfassen, und das auf Knopfdruck und in Sekundenschnelle. Diese Berichte können dann von juristischen, technischen und strategischen Beratern sowie den Mandanten selbst jederzeit und von überall mobil abgerufen werden.

AUTOMATISIERTE VERTRAGSERSTELLUNG RÜCKT IN GREIFBARE NÄHE

Aber für Evana-Geschäftsführer Peter Moog ist selbst das erst der Anfang. Ihm schwebt die vollständige Erstellung komplexer Verträge per Mausklick vor. Um das zu erreichen, müssen dem Programm alle denkbaren Vertragsvarianten beigebracht werden. Und das sind eine ganze Menge. "Wir hatten vor unserer Zusammenarbeit mit Greenberg Traurig rund 200 verschiedene Datenpunkte identifiziert, die in Immobilienmietverträgen vorkommen können", erläutert Moog. "Mittlerweile haben wir fast 500 Datenpunkte erreicht. Damit dürften wir nahezu alle Varianten abgedeckt haben, die in der Praxis vorkommen. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass noch ein paar Spezialfälle hinzukommen."

Doch selbst mit einer Mietvertragserstellung per Mausklick ist das Ende der Effizienzsteigerung für den Mandanten noch nicht erreicht. "Der echte Effizienzsprung ergibt sich dann, wenn der Mandant alle vom Anwalt geprüften elektronischen Dokumentinhalte mit seiner übrigen Unternehmenssoftware koppelt, sodass zum Beispiel automatisch Prozesse ausgelöst und Reportings erstellt werden können", führt Moog weiter aus. "Im Grunde lassen sich eine Vielzahl der Prozesse, die bei einer Immobilientransaktion anfallen, durch die vollständige Digitalisierung erheblich beschleunigen. Unsere elektronische Mieterakte zum Beispiel umfasst zehn verschiedene Dokumenttypen, von der Mietbürgschaft bis zum Übernahmeprotokoll."

Lange schien die Digitalisierung die Arbeit der Anwälte mit ihren Mandaten kaum zu betreffen. Den jüngsten Entwicklungen werden sich jedoch Immobilienunternehmen und ihre Rechtsberater auf Dauer kaum entziehen können. Obgleich einheitliche Standards und Transparenz bei allen Vorteilen manchmal das Ende eines einträglichen Geschäftsmodells bedeuten können.

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