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Märkte | 24.08.2017

Aus IZ34/2017, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Amazon Fresh möglicherweise überschätzt

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Wer braucht schon Elektroautos? Der Cap-Supermarkt in der Mannheimer Innenstadt liefert Lebensmittel mit dem Fahrrad aus.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Der Start von Amazon Fresh werde vor allem der Logistikbranche nutzen und jenen Supermärkten, die den verschärften Wettbewerb überstehen, sagt Savills Investment Management. Die Makler empfehlen Anlegern, Fachmarktzentren mit großem Lebensmittelangebot und Umladestationen (Cross Docking) in Großstädten zu kaufen.

Savills Investment Management hält Immobilieninvestitionen in den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) trotz des Starts von Amazon Fresh in Deutschland für eine unverändert gute Kapitalanlage. "Unserer Ansicht nach bleiben umsatzstarke Fachmarktzentren mit Ankermietern aus dem Lebensmittelbereich eine gute Investitionsmöglichkeit, da sie von der zunehmenden Preissensibilität sowohl aufseiten von Mietern als auch Verbrauchern profitieren", heißt es in einem dreiseitigen Research-Quickie mit dem Titel "Amazon Fresh krempelt die Lieferkette im Lebensmittelbereich um". Anlass für die Veröffentlichung ist die Inbetriebnahme des Lieferdienstes Amazon Fresh am 4. Mai dieses Jahres in Berlin und Potsdam.

Als einen Pluspunkt für Fachmarktzentren sieht Savills, dass sie auch als Abholstationen für online bestellte Ware (Click & Collect) dienen können. Investoren müssten aber mehr denn je "die lokale Konkurrenz, die Verfügbarkeit von Grundstücken und die Mieterbonität" berücksichtigen. Der Markteintritt von Amazon Fresh könne dazu führen, dass Edeka & Co. ihr Filialnetz strafften und sich auf die "besten und umsatzstärksten Lagen konzentrieren". 1.200 bis 1.700 Supermärkte wären daher von einer Schließung bedroht. "Die verbleibenden Läden könnten allerdings höhere Umsätze erzielen und profitabler werden." Savills zitiert eine Formulierung der Beratungsfirma Oliver Wyman. Demnach bestehe die Herausforderung für den stationären LEH im Amazon-Zeitalter generell darin, "der letzte verbleibende Marktteilnehmer in einem bestimmten Gebiet zu sein".

Insgesamt sieht Savills aber die Logistikbranche als den größten Nutznießer der Umwälzungen im LEH. "Während der stationäre Einzelhandel leiden wird, profitieren Paketdienstleister wie DHL voraussichtlich ... In dicht besiedelten Ballungsräumen dürfte die Nachfrage am deutlichsten steigen, da Amazon Fresh Lebensmittel standardmäßig am Tag der Bestellung ausliefert", mutmaßt die Mannschaft um Andreas Trumpp, Chef der deutschen Marktforschung von Savills Investment. Immobilienkäufern rät Team-Trumpp zu "Cross-Docking-Objekten mit 2.000 bis 10.000 m2 in europäischen Großstädten". Cross-Docking-Stationen sind Gebäude, in denen Ware ohne Zwischenlagerung von großen auf kleine Lastwagen umgeladen wird. Steigende Grundstückspreise aufgrund großer Nachfrage könnten in Städten wie London und München zu "mehrstöckigen Distributionszentren" führen.

Beim Lesen des Reports drängt sich die Frage auf, ob die Durchschlagskraft von Amazon Fresh möglicherweise überschätzt wird. Eine von Savills zitierte Studie des Marktforschers Conlumino aus den USA hat herausgefunden, dass in Seattle, wo der Frischedienst von Amazon 2007 Premiere feierte, das Internetkaufhaus 2015 zwar über 40% Marktanteil am onlinebasierten Lebensmitteleinzelhandel erobert hat. Der Anteil an den Lebensmittelausgaben der Stadt insgesamt lag aber nur bei 1,2%. Es zeige sich allerdings, dass Kunden, die auf Amazon Fresh umgestiegen seien, kaum zum stationären Lebensmittelhandel zurückkehrten, schreibt Savills.

Betrachtet man ältere Studien zum deutschen Online-LEH, kommen einem ebenfalls Zweifel, ob Amazon Fresh tatsächlich "durchstartet, dass die Wände wackeln", wie es der ehemalige Kaufland-Chef Frank Lehmann auf einem Bewerterkongress voraussagte (siehe "Wenn der DHL-Mann viermal klingelt", IZ 18/17). Laut einer Studie der BBE Handelsberatung von 2014 hatte der Online-LEH 2013 einen Marktanteil von 0,2% in Deutschland. Heute sind es rund 1%. Um aber den von BBE vorausgesagten Wert von 4% im Jahr 2019 zu erreichen, müssten die Online-Supermärkte ihren Anteil am Kuchen binnen zwei Jahren vervierfachen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Übernahme der US-Supermarktkette Whole Foods durch Amazon in einem anderen Licht. Oder wie es Susanne Klaußner vom Supermarkt-Investor GRR ausdrückt: "Der Markteintritt von Amazon in den stationären Lebensmitteleinzelhandel zeigt, dass der Onlinehandel in diesem Segment nicht so funktioniert wie in anderen Segmenten" (siehe "Willkommen bei Tante Emmazon", IZ 28/17).

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