Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen
Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 13.07.2017

Aus IZ28/2017, S. 24

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:

Quartier am Mauerpark wächst mit Gottes Segen

Quelle: Groth Gruppe
Umgeben von viel Grün entsteht nach den Entwürfen der Architekturbüros Lorenzen, Fuchshuber, Feddersen, Nöfer und Cramer Neumann das Quartier am Mauerpark.

Quelle: Groth Gruppe

Berlin. Als einziger Bauherr in Berlin lässt der alte Baulöwe Klaus Groth die verschiedenen Etappen jedes Projekts von Geistlichen der katholischen und evangelischen Kirche begleiten. Am vergangenen Freitag kamen sie zum Richtfest für die mehr als 700 Wohnungen des lange Zeit umstrittenen Bauvorhabens am Mauerpark in Berlin-Mitte.

Es ist ein ungewöhnlich idyllischer und zugleich lebendiger Ort mitten in einer Großstadt. Wiesen mit Pferdekoppeln und Apfelbäumen, ein Holzhaus für die Tauben vom Verein Flying Tippler oder ein Kletterfelsen vom AlpinClub Berlin e.V. sind einige der Kuriositäten, denen man im Mauerpark begegnet, der auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Ost- und Westberlin entstanden ist. Unter den Apfelbäumchen sucht an diesem Vormittag eine chinesische Ein-Kind-Familie Schutz vor einem Regenschauer. Sie stehen genau zwischen der Jugendfarm Moritzhof und dem neuen Wohnquartier, das seit anderthalb Jahren auf dem zuvor mit Asphalt versiegelten Flächen des früheren Todesstreifens zwischen Wedding und Prenzlauer Berg an der Gleimstraße wächst.

Bald 20 Jahre wurde darum gestritten, was und wie viel auf dem Areal südlich der Gleisanlagen, die zum Bahnhof Gesundbrunnen führen, gebaut werden darf. Hier wollten viele mitreden. In der wilden Nachwendezeit belebten Bürgerinitiativen, Vereine und Projekte wie der Moritzhof mit viel Engagement das brach liegende Land und trugen mit dazu bei, dass der heutige Mauerpark entstand, der weiter südlich mit Flohmarkt und legendären Karaoke-Sessions Menschen aus aller Welt anzieht. Dass dieser besondere Ort erhalten bleibt und der Mauerpark sogar erweitert wird, ist das Ergebnis langer, zäher Verhandlungen, das in einem 2012 geschlossenen städtebaulichen Vertrag festgehalten worden ist. In diesen trat die Groth-Gruppe ein, nachdem sie das für den Bau von Wohnungen vorgesehene Areal von CA Immo erworben hatte.

Proteste gab es auch danach noch reichlich, aber von Zank und Streit ist am Tag des Richtfests nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, so versöhnlich und voller lobender Worte wird ein solches Fest nur selten begangen, und das nicht nur, weil Firmenchef Klaus Groth, wie stets zu den traditionellen Baustellenfesten, Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche eingeladen hatte, um das Projekt zu segnen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Martina Vetter
Das ökumenische Gebet zum Richtfest sprachen Pfarrer Heinz-Hermann Wittrowski (links) von der evangelischen Kirche und Pfarrer Christian Gwizdala von der katholischen Gemeinde.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Martina Vetter

Das 150-Mio.-Euro-Vorhaben gehört zu den größten Wohnungsbauprojekten, die derzeit in der Hauptstadt realisiert werden. Entstehen soll ein gemischtes Quartier, das die Vielfalt Berlins widerspiegelt und Wohnkonzepte für unterschiedliche Zielgruppen bietet. Elf der insgesamt 706 Wohnungen werden von einer Baugruppe errichtet, 122 mit Fördermitteln gebaut. Letztere realisiert Groth für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewogab. Gleich neben deren Wohngebäuden im Nordwesten des 3,5 ha großen Areals entsteht ein Riegel mit 193 Apartments für Studenten oder Azubis. Diesen Bauteil hat Groth an Investa Real Estate verkauft, die unter der Marke Studio House Berlin 20 bis 38 m2 große Wohnungen für junge Leute in Ausbildung baut.

Von den derzeit unter Entwicklern so beliebten Mini-Apartments will sich Lars Neubauer, Berliner Niederlassungsleiter von Investa, abheben: "Microliving ist das Produkt, das jeder in Berlin macht, der sein Grundstück zu teuer gekauft hat", merkt er bissig mit Blick auf die reichlich vorhandene Konkurrenz an, die wie er versucht, schick eingerichtete Kleinstwohnungen im 20Quadratmeter-Format für knapp 700 Euro an den Mann zu bringen.

Für nur 6,50 Euro/m2 wird die Gewobag ihre 43 bis 111 m2 großen Einheiten dagegen vermieten. Die 269 frei finanzierten Mietwohnungen sollen ab 10,50 Euro zu haben sein und die außerdem geplanten 111 Eigentumswohnungen werden ab 4.392 Euro/m2 verkauft. Eine Wohnung in den oberen Etagen dürfte vermutlich allerdings das Doppelte kosten. Immerhin, einen Weitblick wie im Quartier am Mauerpark findet man in der Stadt, deren Brachen und Freiflächen gerade dahinschmelzen wie zu warm gewordene Schokolade, nur noch selten.

2019 soll das Stadtviertel fertig sein. Bis auf die Eigentumswohnungen ist das Projekt für Groth schon jetzt in trockenen Tüchern. Die frei finanzierten Mietwohnungen nahm ihm ein Family Office gleich am Stück ab und der Bau kommt so gut voran, dass sich Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Mitte, schwer beeindruckt zeigt: "Bitte übernehmen Sie gleich alle Bautätigkeiten für den Bezirk", ruft er Groth in seiner Rede zum Richtfest überschwänglich zu: "Wir brauchen für den Bau einer Turnhalle länger als Sie für einen ganzen Stadtteil." - Vielleicht würde es ja helfen, Gottes Segen zu erbitten, damit es künftig schneller geht.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!