Tooltipp
{{counter.remaining}} {{counter.title}}

Sie haben einen Artikel verbraucht

Als registrierter Nutzer können Sie bis zu 10 Artikel pro Monat lesen - kostenfrei und unverbindlich

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Projekte | 16.06.2017

Aus IZ24/2017, S. 24

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Neues Leben rund um die historische Eisfabrik

Quelle: Trockland
Seit zwanzig Jahren sich selbst überlassen: die Eisfabrik am Ufer der Spree.

Quelle: Trockland

Berlin. Zwanzig Jahre lang war die alte Eisfabrik am Ufer der Spree Zankapfel und politischer Spielball. Jetzt ist der Berliner Entwickler Trockland eingestiegen und will unter dem Namen Eiswerk bis 2020 Mietwohnungen sowie Platz für Kultur und die Kreativwirtschaft schaffen.

Die Eisfabrik der ehemaligen Norddeutschen Eiswerke AG befindet sich in der Köpenicker Straße 40/41 und ist eine der ältesten noch erhaltenen Produktionsstätten ihrer Art in Deutschland. In ihr ließ der legendäre Berliner Milchhändler Carl Bolle von 1896 an künstliches Stangeneis produzieren. 1995 endete die Ära der Kühlhäuser. Im selben Jahr übernahm die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft, die heutige TLG Immobilien, die Verwaltung des Geländes und seiner mittlerweile arg verfallenen Bauten zwischen der Michael- und der Schillingbrücke.

8.800 m2 des Wassergrundstücks im von Entwicklern als eher schwierig eingeschätzten Stadtteil Kreuzberg hat die TLG jetzt an das 2010 gegründete Unternehmen Trockland verkauft. Erworben hat dessen Chef Heskel Nathaniel neben Unmengen von Müll und Unrat, Scherben, Flaschen und Wänden voller Graffiti ein Wohnhaus mit Vorderhaus, Mittel- und Seitenflügel an der Köpenicker Straße sowie das rückwärtige, ehemalige Kühlhaus. "Im Einklang mit dem integrierten Entwicklungskonzept für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt", formuliert der Entwickler mit israelischen Wurzeln behutsam, will er in den nächsten drei Jahren 23.000 m2 Bruttogrundfläche schaffen. Dazu soll das denkmalgeschützte Wohn- und Kühlhaus saniert und der ehemalige Kühlschrank der deutschen Hauptstadt durch "moderne Gebäude maßvoll verdichtet" werden. Eine Tiefgarage wird die Entwicklung abrunden.

Im Herbst 2017 will Nathaniel den Bauantrag für die Sanierung der Bestandsgebäude aufs Rathaus tragen. "Mit der Baugenehmigung rechnen wir im Frühjahr 2018", sagt Trockland-Kommunikationschefin Marion Schumacher.

Mit der Planung hat Trockland die immer wieder mit Hollywood-Star Brad Pitt in Verbindung gebrachten Graft Architekten beauftragt, die gerade 3 km weiter spreeaufwärts für den Münchner Entwickler Bauwerk Capital zwei knapp 100 Mio. Euro teure Häuser mit 161 Luxuswohnungen entworfen haben. Graft zeichneten Trockland ein neues Wohnhaus an der Köpenicker Straße in die Pläne. Alt- und Neubau werden Mietwohnungen sowie kleinteilige Gewerbeflächen im Erdgeschoss beherbergen. Das Konzept sieht weiterhin einen öffentlichen Weg von der Straße zum Spreeufer und zur vom Bezirk geplanten, noch zu errichtenden Uferpromenade vor. Im hinteren Grundstücksteil entsteht ein neues Gebäude, das laut Graft Bezug zur Eisfabrik schafft, "aber einen respektvollen Abstand" hält.

Das mit dem Abstand klingt vernünftig, denn die eigentliche Eisfabrik - das markante Ziegelsteingebäude mit dem weithin sichtbaren Schornstein - ist nicht Teil des von Trockland erworbenen Grundstücks. Die Industrieruine verkaufte die TLG 2008 an den Rechtsanwalt Thomas Durchlaub aus dem fernen Bochum. Neun Jahre später hat die TLG jetzt den Rest abgestoßen. "Wir haben ausgiebig geprüft, ob wir die Liegenschaft im Rahmen unseres Geschäftsmodells weiterentwickeln können. Wir sind allerdings zu dem Schluss gekommen, dass die behördlichen Auflagen unseren Tätigkeitsschwerpunkten entgegenstehen." So oder so ähnlich hatte es Durchlaub 2012 prophezeit, kurz bevor die TLG an den US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star verkauft wurde ("Kampf um den Kühlschrank", IZ 30/2012). "Die Heuschrecke wird die gewerblichen Areale sortieren, neu verpacken, bündeln, oder was auch immer sich am meisten lohnt - und weiterverkaufen", hieß es seinerzeit aus dem Ruhrpott. So oder so ähnlich handelte Durchlaub aber schlussendlich auch selbst. Er hat seine gut 2.000 m2 große Eisfabrik weiterverkauft. "Es war einfach zu langwierig und unberechenbar", seufzt der Advokat.

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!