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Politik | 13.04.2017

Aus IZ15/2017, S. 2

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Postbank
  • Immobilienart:
    Wohnen

Urbanes Geschwätz

Die Mittelschichtsfamilie ist ein wichtiger Kunde der Wohnungsanbieter und bringt Politikern viele Wählerstimmen. Doch beide Gruppen ignorieren deren Bedürfnisse, meint IZ-Redakteurin Monika Leykam.

Quelle: Immobilien Zeitung
Monika Leykam.

Quelle: Immobilien Zeitung

Wohnungen werden in den Städten fast nur noch für reiche Kapitalanleger und Topverdiener gebaut. Mittelschichtsfamilien auf der Suche nach Wohnraum, in dem sich vier Personen nicht permanent auf die Füße treten, finden nichts. Das weiß jeder, der den Markt nach Angeboten sondiert.

Scheinbar hat aber niemand Interesse daran, dass sich das ändert. Weder die, die mit Wohnungen Geschäfte machen, noch die Politiker, die sich zur Wahl stellen. Stattdessen versucht sich die Immobilienwirtschaft an immer akrobatischeren Erschwinglichkeitsrechnungen, während sich die Politik in ihrer Angst, Grünflächen zu verbauen, in Urbanitätsfantasien flüchtet.

Laut Postbank Immobilien kann sich ein Durchschnitts- Ehepaar mit zwei Kindern und 40.000 Euro Eigenkapital in urbanen Ballungszentren wie Hamburg oder Frankfurt den Kauf einer über 100 m2 großen Eigentumswohnung leisten. Das wird die Familien riesig freuen, jedenfalls bis sie das Kleingedruckte lesen: Dafür müssen sie 20 Jahre lang die Hälfte ihres Einkommens in die Immobilie stecken, genauer gesagt: inklusive Nebenkosten 50% des Durchschnittseinkommens der Stadt, in der sie kaufen. Das wäre finanzielles Harakiri.

Kein Problem, sagt die Postbank, man könne doch ins Umland ziehen, da sei es billiger. Doch auch das könnte schwierig werden, denn der Traum der Mittelschichtsfamilie von einem Wohnort, wo die Kinder zum Spielen einfach raus in den Garten gehen, ist ideologisch vielen ein Graus. Er widerspricht nämlich der Idee von Urbanität, dem Traum von "pulsierenden Metropolen" jener Planer und Investoren, die z.B. der Stadt Frankfurt die öde Europaallee und ihre hoch verdichteten Teuer-Wohnwaben beschert haben.

Am nicht so urbanen Stadtrand mit seinen Feldern und Freiflächen scheuen viele Politiker das Ausweisen von Bauland, denn die dort schon lebenden Wähler mögen es grün. "Zersiedelung" und "Flächenverbrauch" dienen da als nützliche Totschlagargumente. Das passt gut zum Kalkül der Bauträger, die mit Erschwinglichkeit kleine Etagenwohnungen und mit Urbanität schlicht Enge meinen. Familien sollen sich bitteschön mit weniger Fläche begnügen und das Kind, wenn es denn unbedingt mal raus muss, zum Quartiersspielplatz fahren. Am besten mit der U-Bahn. Das schont die Umwelt, spart Parkplätze und macht Wohnen bezahlbar. Ob das wohl den Mittelschichtsfamilien genügt - beim Häuserkauf und an der Wahlurne?

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